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Diplom-Ingenieur und Pädagoge

Bernd Hammes ist 52

Jahre alt und lebt in

Faid bei Cochem. Er

ist verheiratet und hat

einen Sohn.

Die Grundlagen für seine

spätere Laufbahn legte der

Diplom-Ingenieur mit dem

Studiumder Elektrotechnik an

der Rheinisch-Westfälischen

Technischen Hochschule

(RWTH) in Aachen. Nach der

Diplomprüfung 1993 folgte

das erfolgreiche Referendariat

für das Lehramt an Berufsbil-

denden Schulen mit der ersten

Station als Berufsschullehrer

in Cochem. Dort unterrich-

tete er die Fächer Physik

und Elektrotechnik. Bernd

Hammes arbeitet seit 1996 für

dieHandwerkskammer (HwK)

Koblenz. Ehrenamtlich ist er

schon über 20 Jahre als Prüfer

für das Handwerk aber auch

als Vorstandsmitglied des FC

Faid engagiert.

Der Ingenieur und Pädagoge

ist begeisterterHobbyfußballer

und spielt heute noch für die

Alt-Herren-Mannschaft seines

Heimatortes.

Neue Ideen fürs Handwerk

Bernd Hammes ist bei

der HwK Koblenz der

zentrale Ansprechpart-

ner für alle Fragen der

beruflichen Bildung.

Seit 1996 Mitarbeiter

der Kammer, ist der

Diplom-Ingenieur seit

Anfang des Jahres

Geschäftsführer für

diesen Bereich. Im In-

terview zieht er Bilanz,

geht auf die aktuelle

Fachkräftesituation

im Handwerk ein und

nennt Ziele.

Ingenieur und Pädagoge: Das

passt auf denerstenBlicknicht

unbedingt zusammen…

Ich wollte schon immer Lehrer

werden. In den 80er-Jahren

allerdings waren die Berufsaus-

sichten für künftige Lehrer eher

ungünstig. Daher entschied ich

mich für das Ingenieurstudi-

um der Elektrotechnik an der

RWTH Aachen. Als dann ge-

gen Ende des Studiums an den

Berufsbildenden Schulen doch

händeringend Lehrkräfte für

die technischen und naturwis-

senschaftlichen Fächer gesucht

wurden, ergriff ichdieseChance.

Das passte einfach.

Wie kamen Sie zur Kammer?

Es begann mit meiner freiberuf-

lichen Dozententätigkeit in den

Weiterbildungs- und Meister-

kursen bei der HwK. Ich war

schon damals von den vielen

Aktivitäten der Kammer und der

starken Rolle des Ehrenamtes

Geschäftsführer Bernd Hammes kämpft für Fachkräftesicherung

OHNE DAS EHRENAMT KÖNNTEN

WIR DAS ALLES IN DIESER

QUALITÄT UND QUANTITÄT

NICHT MACHEN.

Bernd Hammes, Geschäftsführer

HwK-Mitarbeiter vorgestellt: Geschäftsführer Bernd Hammes

Nr. 208

29. April 2017

www.handwerk-special.de

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Bernd Hammes ist seit Anfang des Jahres einer der Geschäftsführer der HwK.

im Handwerk beeindruckt. Mit

Interesse verfolgte ich das Pilot-

projekt der HwK Koblenz und

weiteren Netzwerkpartnern zur

Qualitätssicherung in der Wei-

terbildung. Als die Leiterstelle

des Weiterbildungsreferates

inklusive der Projektleitung zu

besetzen war, bewarb ich mich,

und es hat sofort geklappt.

Wie ging es für Sie weiter?

Bereits zwei Jahre nach meinem

Einstieg die Leitung der

HwK-Meisterakademie über-

tragen wurde. Besonders gut

hat mir gefallen, dass ich sofort

Projektverantwortung überneh-

men durfte. Das kann alles nur

funktionieren, wenn man gute

Leute und ein starkes Ehrenamt

im Rücken hat. Bei der HwK

Koblenz ist beides der Fall. Als

man mich dann 2002 fragte, ob

ichzusätzlichdieLeitungder Pä-

dagogischen Anlaufstelle über-

nehmen wollte, fiel die Antwort

nicht schwer. Seit 2008 bin ich

für alle Berufsbildungszentren

derHwKzuständig.Dass ichnun

zum Geschäftsführer befördert

wurde, ist für mich eine schöne

Bestätigung und Anerkennung.

Welchen Schwerpunkt sehen

Sie in Ihrer Arbeit?

Das ist eindeutig die enge

Zusammenarbeit mit den Be-

trieben und dem Ehrenamt

sowie die Nachwuchsförderung

und Fachkräftesicherung. Ich

denke, dass die HwK Koblenz

gerade im Bereich der Aus- und

Weiterbildungmit qualifizierten

Mitarbeitern und modernen

Berufsbildungszentren sehr gut

aufgestellt ist. Es kommt nicht

von ungefähr, dass die Lehr-

lingszahlen im Kammerbezirk

mit rund 8300 Lehrlingen seit

Jahren nur leicht gefallen sind,

während andernorts die Bereit-

schaft, einenHandwerksberuf zu

ergreifen, spürbar nachgelassen

hat.DievielenAktivitäten indie-

sem Bereich haben in Koblenz

eine lange Tradition. Möglich

wurde all dies durch die große

Unterstützung des Vorstandes

und der Vollversammlung.

Deren Mitglieder haben immer

Weitblick bewiesen und bereits

im Jahr 2000 ganz klar heraus-

gestellt, dass dieAusbildungund

Qualifizierung von Fachkräften

schon in naher Zukunft die

zentrale Herausforderung für

das Handwerk sein wird. Auch

die entsprechenden Budgets

wurden bewilligt. Heute sind

etwa 220 Kollegen im Bereich

der beruflichen Bildung tätig.

Diese Dimensionen gibt es bei

den wenigsten Kammern.

Und die Meisterprüfungen?

Hat der Große Befähigungs-

nachweis Zukunft?

Eindeutig JA. Trotz der Diskus-

sionen in Brüssel um die Zu-

kunft der Meisterqualifizierung

bestehen seit Jahren an unserer

Meisterakademie deutlich über

600 Teilnehmer ihre Meister-

prüfung. Für die Teilnahme an

unseren Lehrgängen nehmen

die Teilnehmer zum Teil sehr

weiteAnreisewege auf sich. Das

spricht nicht nur für die HwK

Koblenz, sondern auch dafür,

dass der Meisterbrief für viele

Handwerker als Qualitätssiegel

unverzichtbar ist. Und nicht nur

das. Er steht auch für die Gleich-

wertigkeit von beruflicher und

akademischer Qualifizierung.

Auch wenn es unterschiedliche

Zulassungsoptionen gibt, ist es

gerade der Meisterbrief, der den

Weg zur Existenzgründung oder

einer Führungsposition, aber

auch zu den Hochschulen und

Universitäten ebnet.

DennocharbeitenSieanneuen

Angeboten…

Um den Nachwuchs zu be-

geistern, müssen wir die Aus-

bildung noch attraktiver ma-

chen. Dies kann zum Beispiel

dadurch geschehen, dass die

dualen Studienangebote auch

im Handwerk weiter ausgebaut

werden. Lehrlinge mit Abitur

oder Fachabitur haben dann

am Ende den Meisterbrief und

einenBachelor-Abschluss inder

Tasche. Und: Bundesweit gibt

es derzeit sechs Pilotprojekte,

in deren Rahmen junge Leute

neben einer Berufsausbildung

auch das Abitur erwerben. Auch

wir werden bald mit dabei sein.

Ein Schwerpunkt wird zunächst

aufdemElektrohandwerk liegen.

Wir müssen offensiv für diese

Möglichkeiten werben. Unsere

Forderung: Gezielte Berufsori-

entierung zur dualen Berufsaus-

bildung inall ihrenFacettenmuss

an allen Schulen, gerade aber

auch anGymnasien noch stärker

Teil des Unterrichtes werden.

Was istmit denSchwächeren?

Das Handwerk hat schon immer

einen sozialenCharakter gehabt,

die Solidarität ist groß. Das zeigt

auchdieTatsache, dass es unsere

PädagogischeAnlaufstelleschon

seit über 35 Jahren gibt. Hier

werden junge Menschen mit er-

schwerten Startbedingungen im

RahmenvonSondermaßnahmen

an das Handwerk herangeführt.

Und wir unterstützen die Be-

triebe mit unterschiedlichsten

AktivitätenwiepassgenaueVer-

mittlung, Qualitätssicherung in

derAusbildungundvielesmehr. .

Abschließend ein Wort zum

Ehrenamt …

Ohne das Ehrenamt könnten wir

das alles nicht in dieser Qualität

und Quantität sowie mit relativ

schlanken Kostenstrukturen

machen. Allein in unserem Be-

zirk engagieren sich rund 2500

Handwerksunternehmer sowie

angestellteMeister undGesellen

in denPrüfungsausschüssen und

in den Gremien der Selbstver-

waltung des Handwerks.