Weichen für digitale Zukunft stellen
Die Einladung des Kom-
petenzzentrums Digitales
Handwerk bei der Hand-
werkskammer (HwK)
Koblenz zu einer Info-
veranstaltung rund um
das Thema Digitalisierung
im Handwerk fand eine
starke Resonanz.
Themen wie die vernetzte Pro-
duktion, das Internet derDinge
oder aber die Veränderung der
Arbeit treffen Unternehmen
wie Gesellschaft in allen Be-
reichen. Die Digitalisierung
hat längst unsere Lebens- und
Arbeitswelt verändert. Ein
Wandel mit hoher Dynamik
und enormen Potenzial: Was
alles über digitaleProzesseund
Wechselwirkungen möglich
ist, lässt sich für die kommen-
den Jahre kaum vorhersagen.
Umso wichtiger ist es, Unter-
nehmen auf die kommenden
Entwicklungen vorzubereiten
und bei der Nutzung digitaler
Möglichkeiten und Chancen
kompetent zu begleiten.
Genaudas ist Schwerpunkt des
Aufgabenspektrums im Kom-
petenzzentrumDigitalesHand-
werk, SchaufensterWest unter
demDachderHandwerkskam-
mer (HwK)Koblenz.Mit einer
Informationsveranstaltung
unter demTitel „Fit für digitale
Prozesse“ haben die Experten
das Thema „Digitales Archiv“
aufgegriffenundauf denAlltag
in Handwerksunternehmen
übertragen. Wo das anfängt,
welche Bereiche es einschließt
undwieweit dieseProzesse ge-
hen können, haben Referenten
mehrerer Fachunternehmen
praxisbezogen erläutert. 100
Interessierte kamen zurVeran-
staltung und informierten sich.
Wie wichtig das Thema „Digi-
tales Archiv“ für Handwerks-
betriebe schon heute ist, lässt
sichüber gesetzlicheVorgaben
(GoBD) im Rahmen einer re-
visionssicheren Archivierung
steuerrelevanter Dokumente
veranschaulichen. Der Aufbau
eines manipulationssicheren
digitalen Archives stellt Be-
triebe nicht nur vor Herausfor-
derungen, sondern bietet auch
Chancen.
„GanzeRegalmeter vollerOrd-
ner können der Vergangenheit
angehören, wenn IT-gestützte
Lösungen richtig und effizient
eingesetzt werden“, beschrieb
LukasWiebergvomSchaufen-
ster West positive Begleiter-
scheinungen. Darüber hinaus
können Prozesse der digitalen
Auftragsanbahnungdurchdigi-
tale Werkzeuge kostengünstig
optimiert werden.
Warum die Einführung eines
digitalen Archives relevanter
denn je ist und was dabei zu
beachten ist, erläuterte Frank
Heibel (HSP Steuerberatungs-
gesellschaft). Direkt im An-
schlusswurdedenanwesenden
BetriebendurchHaraldHensle
(Netcontrol GmbH) gezeigt,
wie sie innur zwei Schrittenein
revisionssicheres digitales Ar-
chivauch technischkostengün-
stig realisieren können. Vorab
informierte Referent Klaus
Plüher (Solutiness GmbH)
die Veranstaltungsteilnehmer
darüber, wie sie gemäß dem
Motto seines Vortrages, „Bin-
nen einer Minute beim Kun-
den“, visuell mit dem Kunden
in Echtzeit kommunizieren
können, ohne selbst am Ort zu
sein. Nach den Fachvorträgen
konnten die Teilnehmer De-
tailfragen stellen.
Weitere Veranstaltungen
werden folgen. Infos zu The-
men und Terminen unter
www.handwerkdigital.deoder Tel. 0261/398-586.
Sansibar-Hunsrück
Er hat ein gewinnendes
Lächeln und keine Berüh-
rungsängste. Die Kunden
spricht er direkt an. Seine
Deutschkenntnisse hat er
stark verbessert. Yussuf
Buda kommt von San-
sibar. Zurzeit wohnt der
22-Jährige in Daubach
und wird von Kfz-Tech-
nikermeister Friedhelm
Lenhart zum Kfz-Mecha-
troniker ausgebildet.
Der 57-jährige Handwerks-
meister führt mit seinem Sohn
Micha, ebenfalls Kfz-Techni-
kermeister, eine Werkstatt in
Ippenschied (Landkreis Bad
Kreuznach). Er hat sie 1991 ge-
gründet. SohnBenjamin,Meister
und Betriebswirt, gehört eben-
falls zum sechsköpfigen Team.
Yussufs Geschichte klingt span-
nend. „Sein Vater hat auf Sansi-
bar eine großeKfz-Werkstatt. Es
war sein Wunsch, dass Yussuf
sein Handwerk in Deutschland
lernt und später einmal sein
Nachfolger wird“, erzählt Len-
hart. Sein Visum wurde bis zum
Ende der Lehre im Januar 2019
ausgesellt.
„Yussuf ist jetzt
Dein Sohn!“
DerKontakt basiert auf einerPri-
vatinitiative deutscherKfz-Mei-
ster. Gründer, Hans-Dieter
Allgäuer, ist in Tansania auf-
gewachsen und zur Lehre und
MeisterschulenachDeutschland
gekommen. Hier hat er Fachkol-
legen motiviert, sein Projekt in
Tansania zu unterstützen. Seit
2010 ist eine Kfz-Werkstatt für
30Auszubildendeab16Jahren in
Betrieb, die von deutschen Mei-
stern geschult werden. „Nach
einer Aufnahmeprüfungwerden
imerstenLehrjahr ausschließlich
theoretische Kenntnisse vermit-
telt. Im zweiten und dritten Jahr
kommt die Praxis dazu“, erklärt
Lenhart das Prozedere.
Das Ziel besteht darin, jungen
Menschen am Ort, eine Per-
spektive zu bieten. Der enga-
gierte Handwerksmeister und
seine Söhne waren selbst dort,
haben Yussufs Vater, einen
weltoffenenMenschen indischer
Abstammung kennengelernt,
und sich entschlossen, die Aus-
bildung zu übernehmen.“Yus-
suf ist jetzt dein Sohn“, hat
ihm dieser die Verantwortung
übertragen.
Yussuf Buda aus Sansibar erlernt Kfz-Beruf in Ippenschiedt
.
Integration ist
Herzenssache
Friedhelm Lenart hat den Auf-
trag zur Herzenssache gemacht.
DieWoche über sitzt Yussuf mit
der Familie am Mittagstisch,
wohnt bei Freunden der Lenarts.
ImörtlichenFußballvereinhat er
Gleichgesinntegetroffen.Undda
ist nochLisaFink.DieRealschü-
lerin ist wie Yussuf im zweiten
Lehrjahr. Gemeinsam wird
die Berufsschule besucht und
zusammen gelernt. „Es ist ein
Glücksfall in beide Richtungen.
Man erweitert den Horizont
und lernt beim multikulturellen
Arbeiten andere Menschen und
Kulturen zu akzeptieren“, so
der Obermeister der Kfz-Innung
Rhein Nahe Hunsrück. Schwei-
nefleisch zum Mittagessen gibt
Lenhart Automobil-Service, Ippenschied
Gegr.1991 | 6 Mitarbeiter | freie Werkstatt, alle Dienstleistungen rund ums
Auto | Tel. 06756/ 1345 |
www.lenhart-automobilsedvce.deZusammenarbeit über Kontinente / Digitales Handwerk
Nr. 208
29. April 2017
www.handwerk-special.de15
es alsHommage für denGast bei
Lenharts nicht.
Auf LisasGesellschaft muss der
junge Mann jetzt erst einmal für
dreiWochenverzichten. Sie fährt
im Rahmen des Lehrlingsaus-
tauschs der Mobilitätsberatung
(mobira) derHandwerkskammer
(HwK) Koblenz nach Finnland.
Auch durch ihren engen Draht
zu Yussuf ist Lisa bestens auf
fremde Kulturen vorbereitet.
Sicher wird sie Yussuf später
in seiner Heimat besuchen. Die
Einladung liegt bereits vor. Erst
einmal kommt Yussufs Vater
nach Ippenschied, um in der
deutschen Kfz-Werkstatt zu
schnuppern und sich von der
gelebten IntegrationbeiLenharts
selbst zu überzeugen.
Starkes PS-Trio: Ausbildungsmeister Friedhelm Len-
hart (Mitte) mit den Lehrlingen Lisa Fink und Yussuf
Buda.
Die Kfz-Werkstatt in Ippenschied engagiert sich in
einem internationalen Ausbildungsprojekt.
„Fit für Digitale Prozesse“: Zur Informationsveran-
staltung bei der HwK kamen 100 Interessierte.




