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Maßgeschneidert eingerüstet: 15 Gerüstbauer auf Meisterkurs

15 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet tref-

fen sich bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz

zum Meisterkurs für Gerüstbauer. Sie kommen aus

Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland und

Rheinland-Pfalz. Ein Teilnehmer wohnt in Burghausen

an der österreichischen Grenze. Er fährt 670 Kilometer

zur Meisterschule nach Koblenz.

„Das Gerüstbauerhandwerk

zählt erst seit April 1998 zu

den Vollhandwerken. Die

HwK Koblenz ist eine von

sechs Meisterschulen für Ge-

rüstbauer in Deutschland“,

erklärt der Vorsitzende des

Meisterprüfungsausschusses,

Gerüstbauermeister Jürgen

Löhr. „Der Meisterkurs in

Koblenz hat einen guten Ruf.

Das spricht sich rum und dafür

lohnt dieAnreise“, sindsichdie

Meisterschüler einig.

Sie nennen die angestrebte

Selbstständigkeit, diemögliche

Ausbildung von zukünftigen

Fachkräften, aber auchdieneue

HerausforderungalsMotive für

den Erwerb des Meisterbriefs.

Uwe Sassenberg ist bereits

seit 23 Jahren selbstständig.

„Damals war das ohne Mei-

sterbrief möglich. Jetzt habe

ichaucheinenganzpersönlichen

Grund, die Meisterkrone zu ho-

len.MeinSohn lerntGerüstbauer

und hat bereits den Meisterbrief

im Blick. Der Vater kann sich

doch nicht überholen lassen und

geht mit gutem Beispiel voran“,

lacht er.

Michael Neis hat Elektrotechnik

studiert und im Saarland im

Bergbau gearbeitet. 250 Jahre

lang hat der Kohlebergbau hier

das Leben bestimmt. Mit der

Schließungder letztenGrubewar

endgültigSchlussmit der Förde-

rungder Saar-Kohle. Bei seinem

Neubeginn als Gerüstbauer kam

demheute54-JährigenderZufall

zu Hilfe.

„Beim Renovieren des Hauses

war ein Gerüst erforderlich.

Große Firmenwollten sich nicht

mitKleinaufträgenbeschäftigen,

da habenmeinNachbar und ich

uns selbst geholfen. Ich hatte

Spaßunddaswar der Start“, er-

zählt er.HeutebeschäftigtNeis

acht Mitarbeiter. Das Beispiel

dieses Handwerkers zeigt ein-

mal mehr, dass der Erwerb des

Großen Befähigungsnachwei-

ses im Handwerk unabhängig

vomLebensalter ist. So sieht es

auch Erik Zyska. Der 55-jäh-

rige Mainzer ist überzeugt,

dass mit dem Meisterbrief im

Gerüstbauerhandwerk seine

Chancenauf demArbeitsmarkt

steigen. Gern würde er die

Bauleitung von einem großen

Projekt übernehmen.

Zuversichtlich gehen die Teil-

nehmer des Meisterlehrgangs

jetzt an die Lösung ihrer fach-

praktischen Prüfungsaufgabe.

Sie müssen das Gerüst für die

Renovierung einerKulturhalle

konzipieren. Es ist ein Rund-

bau, was den Schwierigkeits-

grad noch erhöht.

Nach Fachpraxis und Fach-

theorie folgen für etwa die

Hälfte noch Teil III und IV der

Meisterprüfung. Die anderen

Mission Ausbildung

Gemeinsam für Aus-

bildung: Unter diesem

Motto stand kürzlich die

diesjährige „Woche der

Ausbildung“.

Bundesweit warben Regionaldi-

rektionen, Arbeitsagenturen und

Jobcenter auf regionaler Ebene

für die duale Berufsausbildung.

Sie informierten über Karriere-

und berufliche Bildungsweg. Die

Ausbildungsberater der Hand-

werkskammer (HwK) Koblenz

haben 89 Betriebe besucht und

552 telefonisch kontaktiert. Der

Ministerin und Staatssekretär besuchten Betriebe im HwK-Bezirk

Politik im Dialog mit dem Handwerk / Besuch im Meisterkurs

Nr. 208

29. April 2017

www.handwerk-special.de

14

haben diese Teile bereits abge-

schlossen. Alle sind ihrem Ziel

ein großes Stück näher gekom-

men. Die 15Gerüstbauermeister

in spe werden die kommende

Meistergeneration sein.

Uwe Sassenberg und Erik Zyska (von links) gehören zu

den 15 Teilnehmern, die sich bei der Handwerksammer

Koblenz auf den Meisterbrief im Gerüstbauerhandwerk

vorbereiten.

Schwerpunkt der Aktion lag in

den Berufen Maler, Fahrzugla-

ckierer,Anlagenmechaniker und

Karosseriebauer. Dabei konnten

159freieLehrstellenfür2017und

147 freie Lehrstellen für 2018

akquiriert werden.

Um Fachkräfte zu finden, geht

es für die Unternehmer verstärkt

auch darum, die Potenziale der

Bewerber auszuschöpfen. Dazu

zählen Flüchtlinge, Migranten,

Studienabbrecher oder Lehr-

linge, die erst mit 30 Jahren eine

Ausbildungbeginnen.Übrigens:

73 Betriebe im Bezirk der HwK

Koblenz sind bereit, Flüchtlin-

gen eine Chance zu geben.

In -der Aktionswoche besuchten

dieSabineBätzing-Lichtenthäler,

Ministerin für Soziales, Arbeit,

Gesundheit und Demografie,

sowie David Langner, Staatsse-

kretär im Ministerium, Ausbil-

dungsbetriebe im HwK-Bezirk.

Erste Station war die Fleischerei

Korte in Altenkirchen. Der 1955

gegründete Traditionsbetrieb

wird heute von Fleischermeister

Stephan Keilwagen geführt.

Lehrling Baktash Zyaie kommt

ausAfghanistan.Seit zwei Jahren

lebt er inDeutschland. ImAugust

2016 begann der 20-Jährige die

Lehre.Vermitteltwurdeer inKo-

operationvonArbeitsagenturund

HwKKoblenz.„Ermöchtelernen

und hat inzwischen auch unsere

Arbeitskultur verinnerlicht“, so

Stephan Keilwagen. Die Lehre

macht dem jungenMann, dessen

VateralsFleischerinAfghanistan

arbeitet, Spaß. Bis auf 20 Euro

schickt er seinen Lehrlingslohn

nach Hause.

StaatssekretärLangner ermutigte

Manuel Vogt, Maler- und La-

ckierlehrling in der Malerwerk-

statt Schieß in Koblenz, seine

Ausbildung engagiert zu Ende

zu bringen. Der 16-Jährige kam

über eine Einstiegsqualifizie-

rung (EQ) in das Unternehmen.

„Er muss das Gaspedal voll

durchtreten, damit die EQ in

einer Lehrstelle mündet“, so

Maler- und Lackierermeister

Sascha Walkowiak, der 2006

den Betrieb übernommen und

heute neun Mitarbeiter hat.

Langner besuchte auch den

größten Ausbilder im Beruf

Elektroniker, Fachrichtung

Energie und Gebäudetechnik.

Elektro Pretz in Koblenz bildet

aktuell 25 Lehrlinge aus. Das

Unternehmenhat 90Mitarbeiter.

„Wer es möchte, kann nach der

Lehre bei uns arbeiten“, so die

GeschäftsführerRainerLamberti

und Jürgen Sänger.

Infos bei der HwK-Ausbil-

dungsberatung, Tel. 0261/ 398-

304,

aubira@hwk-koblenz.de

.

Sabine Bätzing-Lich-

tenthäler, Ministerin für

Soziales, Arbeit, Ge-

sundheit und Demogra-

fie (3. von links) sowie

David Langner, Staats-

sekretär im Ministerium,

Ausbildungsbetriebe

aus dem Bezirk der HwK

Koblenz. Eine Station

des Besuchs war die

Fleischerei Korte in Al-

tenkirchen.

Der nächste Meisterkurs

für Gerüstbauer beginnt am

26. Oktober. Infos bei der

HwK-Meisterakademie, Tel.

0261/ 398-311, meister@hwk-

koblenz.de