Jahrzehntelang erfolgreich am Markt: Meisterbetriebe vorgestellt
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Nr. 151
30. Juli 2011
Vom Holzrad zum Hightechfenster
Mehr als 40 Kilo wiegt
schon mal so ein Fens
terglas, wenn es opti-
male Dämm- und Schall-
schutzeigenschaften mit
sich bringen soll. Bei
Fenster Hebel in Kloster-
kumbd erhalten solche
Scheiben dann ihre
passende Ummantelung
in Form eines Kunststoff-
rahmens.
Schon seit über 60 Jahren gibt
es dasHunsrückerUnternehmen
Alfred Hebel & Sohn. Alfred
Hebels Sohn Rainer kennt die
Gründungsgeschichte: „Als
gelernter Stellmachermeister
musste sich mein Vater nach
dem Siegeszug der gummibe-
reiften Wagen Gedanken über
eine neue Existenzgrundlage
machen.“ Seine handwerkliche
Geschicklichkeit im Umgang
mit Holz brachte Alfred Hebel
über den Rollladen- zum Fens
terbau. Aus einem anfänglichen
Ein-Mann-Betrieb wurde dank
kontinuierlichemWachstumein
erfolgreiches mittelständisches
Unternehmen, das heute 37
Mitarbeiter zählt. Seit 1995
führt Rollladen- und Jalousie-
Unternehmen aus dem Hunsrück fertigt individuelle und energieeffiziente Fenster
Steckbrief: Alfred Hebel & Sohn, Klosterkumbd
Gegr.1950 | 37Mitarb.(3Meister,2Lehrl.) | individuelleFenster,funkge-
steuerteRollladen/Markisen | Tel.:06761/94840 |
bauermeister Rainer Hebel den
väterlichen Betrieb weiter.
„FenstersindheuteHightechpro-
dukte“, weißHandwerksmeister
Hebel. „Leider wird ihnen
oftmals nicht der Stellenwert
eingeräumt, den sie eigentlich
im Haus einnehmen.“ Denn sie
lassen nicht nur Licht ins Haus,
sondernbestimmenauchdieOp-
tik eines Hauses und verhindern
– „wenn gute Fenster eingebaut
wurden“–großeWärmeverluste.
„Auch Einbrecher hält ein qua-
litativ hochwertiges Fenster mit
den entsprechenden Beschlägen
mit größererWahrscheinlichkeit
fern, als ein minderwertigeres“,
erklärt Rainer Hebel, der sich
15 Jahre lang als Obermeister
der Innung Rheinland-Pfalz
Rollladen und Sonnenschutz
engagierte. ZumDank für seinen
Einsatz ernannte ihn die Innung
zu ihrem Ehrenobermeister.
Pilzzapfen und ihre in die
Fensterrahmen eingelassenen
Schließmechanismen erschwe-
ren Einbrechern den Weg in die
Wohnung, erklärt Rainer Hebel.
Entscheidet sich der Kunde
für die Widerstandsklasse 2,
sorgen bis zu fünfzehn solcher
Schließmechanismen für einen
„bombensicheren Sitz“. „Ei-
nen Großteil unserer Aufträge
generieren wir bei Gebäuden
im Bestand. Viele Hausbesitzer
entschließen sich irgendwann,
die alten Fenster gegen neue,
energiesparendereModelle aus-
zutauschen“, so Rainer Hebel,
der sichzumGebäudeenergiebe-
rater fortgebildet hat, um punkt-
genau beraten zu können.
Vor zwei Jahren investierte das
Hunsrücker Unternehmen in
neue Anlagen. „Um konkur-
renzfähig zu bleiben, muss man
sich ständig weiterentwickeln“,
so Rainer Hebels Erfolgsrezept.
Und wie sieht das Fenster der
Zukunft aus? „Bald wird alles
nur noch über Funk gesteuert.
Ob Rollladen, Markisen oder
Garagentore: Alles passiert per
Knopfdruck über die Fernbe-
dienung oder das Smartphone“,
freut sich der technikbegeisterte
Handwerksmeister.
Hochmoderne Montageanlagen stehen in der Werkhalle des Unternehmens
Fenster Hebel. Handwerksmeister Rainer Hebel (r.) und Mitarbeiter Heribert
Böhm besprechen den nächsten Fertigungsauftrag.
Fenster imAltbau
Am
9. September
beginnt im
Zentrum für Restaurierung
undDenkmalpflegeHerrstein
ein dreitägiger Lehrgang zur
energetischen Optimierung
historischer Fenster. Die
Teilnehmerlernenandendrei
aufeinanderfolgendenTagen
jeweilsvon9bis16Uhrhisto-
rische und handwerklich her-
gestellte Holzfenster in ihrer
Bedeutung zu erkennen und
geeigneteReparaturkonzepte
zu entwickeln. Das Seminar
wird auf die Fortbildung zum
Restaurator imTischlerhand-
werk angerechnet.
Infos, Tel.: 06785/ 9731-761,
E-Mail:
Betrieb erfährt neue Bestimmung
„Im Betrieb steckt mein Herzblut“, sagt Tischlermeister Ro-
bert Klein aus Hoffeld in der Eifel. „Ich freue mich, wenn er
nach meinem Ruhestand sinnvoll weiter genutzt wird“, fügt
der langjährige Obermeister der Schreiner-Innung Ahrweiler,
hinzu. Der 64-Jährige führt den vor 80 Jahren von seinem Va-
ter gegründeten Betrieb in der zweiten Generation.
Tischlermeister engagiert sich bei Sozialstundenprojekt im Kreis Ahrweiler
„Von der Wiege bis zum Sarg
reicht unsere Angebotspalette“,
schmunzelt Klein. Die Kunden
der Tischlerei kommen aus dem
RaumAdenau, Köln und Lever-
kusen. „Unsere Arbeit hat sich
von Mund zu Mund herum ge-
sprochen. So gab es zu jeder Zeit
genügendzutunfürdaszeitweise
bis zu fünf Mitarbeiter starke
Team.“ Eine dritte Generation,
die die berufliche Tradition der
Familie Klein fortführt, steht
jedochnicht bereit. „Leider habe
ich bisher keinen Nachfolger
gefunden, der die Tischlerei
übernimmt“, erzählt Klein. Er
ist auch in der Betriebsbörse
derHandwerkskammerKoblenz
registriert.
Als der Tischlermeister jetzt von
einem Sozialstundenprojekt der
Jugendgerichtshilfe Ahrweiler
und der Jugendpflege im Kreis
Ahrweiler erfuhr, entschied er
sich, seine Berufserfahrung und
seineWerkstatt indenDienst des
sozialen Projekts zu stellen. „Es
handelt sich umJugendliche, die
gemeinnützige Arbeit zu leisten
haben. Sie bauen zumBeispiel in
der Tischlerei sinnvolle Dinge,
so eine Fußbank, eine Krippe
oder einen Deko-Weihnachts-
baum. Die Ergebnisse werden
auf den Weihnachtsmärkten
verkauft und der Erlös für einen
wohltätigen Zweck gespendet“,
erklärt Klein.
Den jungen Menschen stehen
SozialpädagogenzurSeite.Auch
Robert Klein hat ein Gespür
für Jugendliche. 25 Lehrlinge
wurden im Betrieb ausgebildet,
einige von ihnen haben es inzwi-
schen selbst zur Meisterschaft
gebracht. „Tischler können
stolz auf ihre Leistungen sein.
Ihre Ergebnisse sind oft von
bleibendem Wert, an denen
Steckbrief: Schreinerei Klein, Hoffeld
Gegr. 1931 | 1 Meister | Innenausbau, Holzfenster, Roll-
läden | Tel.: 02693/ 403 | Fax: -1246
Tischlermeister Robert Klein
KundenlangeFreudehaben.Das
macht unseren Beruf so einzig-
artig“, betont Klein. Vielleicht
entdeckt einer unter den
Jugendlichen, die abHerbst
in seinerWerkstatt arbeiten,
die Liebe zum Beruf. Die
traditionellen Werte, die das
Handwerk auszeichnen, wird
der Tischlermeister in jedem
Fall weiter geben. Robert
Klein ist von der HwKKoblenz
öffentlich bestellter und verei-
digter Sachverständiger für das
Tischlerhandwerk.