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Nachgefragt

zu aktuellen Themen

GuteNachrichtenaus

und für das Hand-

werk: Der aktuelle

Konjunkturbericht

beschreibt eine gu-

te Wirtschaftslage

des Handwerks im

nördlichen Rhein-

land-Pfalz. Zugleich

hat die EU-Kommis-

sion nach der Kritik

aus Deutschland am

Dienstleistungspaket

klar gestellt: „Der

Meisterbriefbleibt!“.

Kurt Krautscheid

geht im Interview

auf Hintergründe des

EU-Dienstleistungs-

paktes ein und nennt

Grundpfosten der

starken Wirtschafts-

lage im Handwerk.

Herr Krautscheid, was steckt hinter dem EU-Dienstleis-

tungspaket?

Die Europäische Kommission hat ein Dienstleistungspaket mit

Vorschlägen für eineDienstleistungskarte und eineVerhältnismä-

ßigkeitsprüfung fürBerufsreglementierungenvorgelegt. Das soll,

soBrüssel,mehrMöglichkeiten fürAnbieter vonDienstleistungen

bietenundbürokratischeHürden fürUnternehmer undFreiberufler

abbauen. Wenn man sich aber die Inhalte genauer anschaut, wird

der deutsche Meisterbrief infrage gestellt. Nach EU-Ansicht ist

er eine Hürde für Handwerker aus dem Ausland, die mit ihren

Dienstleistungen an unserem Markt partizipieren wollen.

Die EU hält dem entgegen: Es ginge gar nicht um die

Zukunft des Meisterbriefes, der im Schriftwerk auch gar

nicht genannt wird.

DasWort „Meisterbrief“kommt zwar indenEinzelmaßnahmendes

Dienstleistungspakets nicht vor. DieMotivation der Kommission

für ihr Vorhaben geht aus ihrer Mitteilung über Reformempfeh-

lungen für die Berufsreglementierung aber eindeutig hervor.

Darin beschreibt sie, dass Reglementierungen aller Art den Bin-

nenmarkt behindern. Entwicklungspotenziale für Wachstum und

die Schaffung von Arbeitsplätzen in den EU-Volkswirtschaften

blieben demnach ungenutzt. Würden solche Hindernisse aus dem

Weg geräumt, wirke sich das positiv auf die Produktivität und die

Wettbewerbsfähigkeit derEU-Wirtschaft aus.Wer soargumentiert,

kann im deutschen Handwerk nur den Meistervorbehalt meinen.

Der jüngste Konjunkturbericht des Handwerks ist dagegen

von starkem Wachstum und hoher Wirtschaftskraft ge-

kennzeichnet – die passende Antwort in dieser Diskussion?

Die guten Zahlen des Konjunkturberichts sind in der Summe

das Ergebnis vieler Faktoren und gekennzeichnet von guten

Rahmenbedingungen sicherlich eine gute Antwort auf die ge-

nannten EU-Überlegungen, die uns auch vorhalten, dass seit

einem Jahrzehnt der Produktivitätszuwachs in Deutschland sehr

schwach ist und dass auch die Neugründung von Unternehmen

hierzulande deutlichunter demeuropäischenDurchschnitt liegen.

Das Handwerk schafft Fakten, die das entkräften. Denn die starke

Nachfrage nach handwerklichen Leistungen resultiert aus einem

gutenundbreit aufgestelltenAngebot vieler innovativerUnterneh-

men und einer Nachfrage, die das nutzt. Die Kunden entscheiden

letztendlich, wie sie ihr Geld investieren. Dem Handwerk wird

dabei viel Vertrauen und Zuspruch entgegen gebracht. Vergessen

wir dabei nicht, dass hinter den erbrachten Leistungen Werte

stehen – sowohl in qualitativ hochwertiger Ausübung wie auch

bei der Ausbildung. Und genau hierbei spielt der Meisterbrief

eine Schlüsselrolle. Das sehen auch die Regierungen in Mainz

und Berlin so und haben sich eindeutig zumMeisterbrief bekannt.

HwK-Präsident Kurt Krautscheid.

Foto: Fotostudio Reuther

Konjunkturbericht / Interview mit HwK-Präsident Krautscheid

Nr. 208

29. April 2017

www.handwerk-special.de

3

Konjunktur „brummt“

Mit einer klaren Botschaft

ist der Konjunkturbericht

des Handwerks im Früh-

jahr 2017 verbunden: Die

Wirtschaftslage ist gut,

Auslastung und Aus-

sichten stimmen optimi-

stisch!

Um ein breites Meinungsbild

zu erhalten, befragte die Hand-

werkskammer (HwK) Koblenz

2.800 Betriebe im nördlichen

Rheinland-Pfalzausunterschied-

lichen Gewerken. Das Ergebnis:

81 Prozent geben im ersten

Quartal 2017 einen gestiegenen

oderkonstantenAuftragsbestand

an. Die Bewertungen einzelner

Konjunkturindikatoren wie Auf-

tragseingang,Betriebsauslastung

und Umsatzentwicklung haben

sich im Vergleich zum Vorjahr

nochmals verbessert.

Aktuell schätzen 91 Prozent

ihre Geschäftslage als gut und

befriedigend ein. Im Vorjahres-

zeitraum waren es 84 Prozent.

Die Erwartungen für das nächste

Quartal fallen ebenfalls optimi-

stisch aus. So gehen 94 Prozent

der befragten Mitgliedsbetriebe

für die nächsten drei Monate von

einer zufriedenstellenden Ge-

schäftslage aus (Vorjahreswerte

in Klammern: 90 %).

Geschäftsklima erreicht

Bestwerte

Bei den Betrieben der Ausbau-

handwerke wie Tischler, Maler,

InstallateureundHeizungsbauer,

Elektrotechniker oder Fliesenle-

ger melden 94 Prozent (87 %)

eine gute oder zufriedenstellende

Geschäftslage, unter den Bau-

handwerkern sind es 93 Prozent

(86 %). Von den Betrieben für

den gewerblichen Bedarf wie

Feinwerkmechaniker,Metallbau-

er oder Elektromaschinenbauer

beurteilen 79 Prozent (76 %)

der Betriebe ihre Geschäftslage

als positiv.

Auch inderKfz-Branche hat sich

dieBeurteilungderGeschäftslage

deutlich verbessert: 91 Prozent

(80%) informierenüber einegute

Wirtschaftslage. 88 Prozent (90

%) der Befragten der Nahrungs-

mittelhandwerke wie Bäcker,

Konditoren, Fleischer melden

eine gute oder auch befriedi-

gende Geschäftslage. Von den

Betrieben personenbezogener

Dienstleistungen wie Friseure,

Fotografen oder Schneider sagen

90 Prozent (70 %), dass sie mit

Umfrage beim Handwerk: Auftragslage und Aussichten sind gut

ihrer Geschäftslage zufrieden

sind, bei den Betrieben der Ge-

sundheitsgewerbe sind es wie im

Vorjahr 88 Prozent (88 %).

Regional betrachtet, meldet

der Kreis Bad Kreuznach über

alle Handwerke das beste Ge-

schäftsklima. Alle Betriebe, 100

Prozent (84 %), geben eine gute

oder befriedigende Geschäftsla-

ge an, danach folgen der Kreis

Altenkirchen mit 95 Prozent (87

%), der Kreis Neuwied mit 94

Prozent (77 %) und die Kreise

Mayen-Koblenz (89 %) und

Rhein-Hunsrück (93 %) mit je

93 Prozent.

Bei der Kapazitätsauslastung ge-

ben imFrühjahr 2017 67 Prozent

(62%)derHandwerksbetriebeim

KammerbezirkKoblenz an,min-

destens zu 70Prozent ausgelastet

zu sein. Die höchste Auslastung

findet man wie im Vorjahr bei

den Betrieben in den Ausbau-

handwerken mit 75 Prozent (75

%). Der Auftragsvorlauf hat sich

im nördlichen Rheinland-Pfalz

mit 10,0 Wochen (9,0 Wochen)

nochmals erhöht.

Die Umsätze sind in 28 Prozent

(17 %) der Handwerksbetriebe

gestiegen, 46 Prozent (47 %)

geben gleich hohe Umsätze

gegenüber dem Vorquartal an.

94 Prozent (90 %) der Hand-

werksbetriebe imKammerbezirk

Koblenzerwartenindennächsten

Monateneineguteundzufrieden-

stellende Geschäftslage. Für den

kommenden Sommer rechnen

91 Prozent (85 %) der befragten

Handwerker mit Wachstumsim-

pulsen.

DerausführlicheKonjunkturbe-

richt ist im Internet unter www.

hwk-koblenz.de

nachzulesen.

Gute Stimmung im Bauhandwerk: 93 Prozent der be-

fragten Unternehmen beschreiben ihre Wirtschaftsla-

ge als gut (im Bild Dominik Gärtner, der als Dach-

decker das beste aller 636 Meisterprüfungsergeb-

nisse 2016 erreichen konnte).

79 Prozent der Handwerksbetriebe für den gewerb-

lichen Bedarf informieren über eine gute Geschäfts-

lage, im Bild Feinwerkmechanikermeister Alexander

Gillig, der 2016 die beste Meisterprüfung in diesem

Handwerk erreichte und im Handwerksunternehmen

Munsch (Ransbach-Baumbach) arbeitet.