Wille, Windkraft, Weltmarkt 75 Kilogramm – so viel wiegt im Durchschnitt dasGetriebe eines normalenAutos. Bei den Getrieben, die Achim Oebel und seine fast 50 Mitarbeiter bearbeiten, kann im Extremfall schon allein eine einzelne Schraube dieses Gewicht auf die Waage bringen. Bis zu 65 Tonnen wiegen die technischenWunderwerkeausZahnrädern zur Kraftübertragung – vorzugsweise in Windkraftanlagen. Die werden von dem Mendiger Maschinenbauunternehmen weltweit gewartet und instandgesetzt. Eine Marktnische, diees insichhat.Dennesgibt kaum Fachfirmen, die so etwas anbieten. Auch einen Typenwie Chef Oebel wird es kaum ein zweites Mal geben. Denn seine berufliche Laufbahn verlief alles andere als rund … um im Jargon der Rotoren zu bleiben. 1990 legt der gebürtige Ochtendunger bei der Handwerkskammer Koblenz die Meisterprüfung imMaschinenbaumechanikerhandwerk ab. „Für mich war klar, als Meister einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen.“ Der Blitzstart gelingt. In Neuwied kauft er eine alte Schmiede. Doch es geht weniger um Maschinenbau als vielmehr Metallverarbeitung. „Ein Geschäft von der Hand in denMund. Über diese Zeit könnte ich Seminare halten, wie man es besser nicht macht.“ Nach sechs Jahren zieht Achim Oebel die Reißleine und schließt die Firma. Es folgen 100 Bewerbungen „und ebenso viele Absagen.“ Dann dreht er den Spieß um und schaltet seinerseits ein Inserat in einer großen deutschen Tageszeitung – „frei nach dem Motto: lass Dich durch Jemanden finden.“ Unter den Interessenten ist ein Unternehmen aus Bochum, das Getriebe herstellt, unter anderem für die boomende Windkraftgewinnung. Der inzwischen 31-jährige Oebel stellt sich vor und wird direkt eingestellt. Eine Woche später sitzt er in einem Flugzeug und wird zu einem Kunden auf der anderen Seite des Globus geflogen. Er ist der Mann für eilige wie auch schwierige Fälle. Schnell entwickelt er sich zum international gefragten Getriebespezialisten und arbeitet in 64 Ländern, baut den Bereich „Service“ auf und aus. Doch dann gerät das Bochumer Traditionsunternehmen indenFokus eines der weltweit größten Schiffbauunternehmen, wird aufgekauft und wenig später abgewickelt. „Das hing auch mit der Finanzkrise 2008 zusammen. Der weltweite Markt für Windkraft kollabierte“, weiß Fachmann Oebel. Und sieht in der Krise eine Chance. Denn bereits seit 1997 hatten dieBochumer auf demstillgelegten Militärflugplatz Mendig eine Halle für Wartungsarbeiten angemietet. Die wird nun zur Geburtsstätte von „Multigear“. Das von Achim Oebel 2010 gegründete Unternehmen macht nun in Eigenregie das, wovon der Chef seit Jahrzehnten etwas versteht: die Wartung und Reparatur von Getrieben aus Windkraftanlagen, Schiffen („Sogar ein U-Boot ist dabei.“), Seilbahnen wie auch Industrieanlagen. Allein 70 Prozent aller Aufträge kommen aus der Windkraftsparte. „Nach der Finanzkrise 2008 nahm die Kurve der weltweit neu gebautenAnlagen einen steilen Verlauf nach oben. Spätestens nach 20 Jahren stehen die Getriebe zur Revision an“, nennt Oebel ein Motiv für die zweite Unternehmensgründung in seinem Leben. Von der Schmiede zur ZuKontakt: Multigear GmbH Tel. 02652 936 050 www.multigear.de HwK berät zur Betriebsübergabe Die Betriebsübergabe ist eine wichtige strategische Phase eines Unternehmens. Verschiedene Alternativen müssen durchdacht, rechtliche, erbrechtliche und steuerliche Voraussetzungen berücksichtigt werden. Die Handwerkskammer (HwK) Koblenz hilft auch in dieser Situation mit ihrer Beratung. Neben finanziellen Aspekten spielen auch familiäre und persönliche Überlegungen eine Rolle. Dafür gibt es keine Standardlösung, sondern jeder Fall muss individuell betrachtet und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Für eine erfolgreicheBetriebsnachfolge gilt es, langfristig die Existenz des Betriebs und der damit verbundenen Arbeitsplätze zu sichern. Um dies zu erreichen, sollte schon frühzeitig über die Fortführung des Betriebs nachgedacht werden. Spätestens imAlter von 55 Jahren sollten sich Betriebsinhaber mit der Nachfolgefrage ernsthaft auseinandersetzen und sich zu den strategisch wichtigen Eckpunkten informieren lassen, damit das aufgebaute Lebenswerk zukunftssicher gemacht wird. Kontakt zum HwK-Team Beratung und Wirtschaftsförderung: Tel. 0261 398 251, beratung@hwk-koblenz.de 16 kunftsbranche –das Potential ist enormunddieGeschäftslage entsprechend gut. Weltweite Auftraggeber sind durchaus bereit, den Mendigern ihre Getriebe anzuvertrauen – und gut dafür zu zahlen. So hat ein US-Konzern 80 Getriebe mit einem Einzelgewicht von 11 Tonnen nach Deutschland verschifft, „außerdem 21 neue Getriebe bei uns bestellt.“ Die Werkhalle ist voll, die Auftragsbücher auch. Woraus sich ein „Luxus-Problem“ ergibt: „Wir suchen dringend neue Mitarbeiter!“, so Oebel. Ein anderes dreht sich um seine Person. „Mit 60 Jahren sollte man den Nachfolgeprozess angehen.“ Denn so spontan er seinerzeit ein Unternehmen gründete, so solide und gut vorbereitet will er das heutige übergeben. Seine Story als Unternehmer ist romanreif, sein Unternehmen bearbeitet Superlative: Die ganz und gar ungewöhnliche Geschichte von Handwerksmeister Achim Oebel bringt alles mit, insbesondere die Botschaft, niemals aufzugeben.
RkJQdWJsaXNoZXIy NzU4Mzk=