Handwerk Special Nr. 230 vom 21.03.2020

Jungmeister und Wirtschaftsingenieur in spe plant vorausschauen Nr. 230 21. März 2020 www.handwerk-special.de 16 Doppelte Strategie Dozent in der Meisterakademie der Hand- werkskammer Koblenz, ehrenamtliches Mitglied des Gesellensprüfungsausschus- ses für den Raum Neuwied: Robin Kluge ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und sein Wissen weiterzugeben. Obwohl der junge Elektrotechnikermeister noch viel vorhat und auf den Studienabschluss Wirtschaftsingenieur zusteuert, will er dem Handwerk treu bleiben. Der Koblenzer ist gerade mal 24 Jahre alt, er kann trotzdem bereits auf einen beein- druckenden Lebenslauf zurückblicken. Für ihn ist bis jetzt alles gut gelaufen. Fast alles. Denn eigentlich wollte er in wenigen Tagen in einem Flieger nach China sitzen. Die Tickets waren bereits gebucht, und der Absolvent der Meisterakademie freute sich auf ein Auslandssemester in Fernost. Doch die Covid-19-Pandemie machte ihm einen Strich durch die Richtung. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, Robin Kluge will weiter an der Verbesserung sei- ner Chinesischkenntnisse arbeiten. Seit gut eineinhalb Jahren erlernt er die schwierige Sprache. „Was ich bislang kann, reicht aus, um sich beim Einkaufen oder bei einem Restaurantbesuch einigermaßen zurecht- zufinden“, sagt er. Robin Kluge sieht die Dinge realistisch, seine Vorliebe für das Reich der Mitte hat nichts mit Schwärmerei, sondern mit seinem großen Interesse an globalen wirt- schaftlichen Zusammenhängen zu tun. Und gerade in diesen Tagen zeigt sich, dass das ökonomische System ohne China gravierende Probleme hat. Ob er seine be- rufliche Zukunft im Ausland sieht? Robin Kluge will sich da noch nicht festlegen. Er kann sich auch vorstellen, eines Tages eine Führungsaufgabe in einem Handwerks- betrieb mit anspruchsvollen Projekten zu übernehmen. Und da unterscheidet sich der Koblenzer von denjenigen, für die ein Ausbildung bei der „Wirtschaftsmacht von Nebenan“nureineStationimLebenslaufist. Das dürfte vor allem daran liegen, dass der Jungmeister nach dem Abitur seine Lehre in einem kleinen Betrieb absolviert hat – Kowal Elektroanlagenbau in Bonefeld. Nach einemPraktikum stand fest: Er wollte genau in diesem Betrieb weitermachen. Seine Ausbildungszeit wurde verkürzt und trotzdem schloss Robin Kluge seine Gesellenprüfung als Jahrgangsbester ab. Die in seinem Ausbildungsbetrieb erwor- benen Erfahrungen möchte Robin Kluge nicht missen. Er wurde von Anfang an in alle Abläufe und Projekte eingebunden. „Ich empfehle jedemvor demStudium, eine Handwerkslehrezumachen,dannkenntman beide Seiten“, betont er. Und ganz nebenbei kommtmanerstgarnichtdazu„abzuheben“, weil man früh lernt, Leistungen anderer zu respektieren. Und schließlich eröffnet sich jedem Lehrling die Chance, frühzeitig die zusätzlichenQualifizierungsmöglichkeiten imHandwerk zu nutzen. Da er schon immer wirtschaftlich interessiert war, nutzte der Koblenzer das Angebot der HwKKoblenz, sich zumBetriebsassistenten imHandwerk ausbilden zu lassen. Mit diesem Angebot soll der leistungsstarke Nachwuchs schon frühzeitigaufFührungsaufgabenimBetrieb vorbereitet werden. Wer die Doppelbela- stung meistert, hat auch schon einen Teil derMeisterausbildunghinter sich.Dennder Abschluss ist gleichwertig mit den Teilen 3 und 4 der Meisterprüfung. Elektrotechnikermeister Robin Klug weiß, was er will. Jetzt wird an der Hochschule Koblenz zum Wirt- schaftsingenieur ausgebildet. Wie es beruflich für ihn weitergehen wird, lässt er offen. Auf jeden Fall strebt der Koblenzer den Masterabschluss an. Duales Studium und mehr Ein Duales Studium ist für leistungsbereite junge Handwerker der Weg, parallel den Abschluss einer Lehre und eines Studiums zu erwerben. Absolventen haben am Ende ihrer Ausbildung also gleich zwei Abschlüsse in der Tasche. Das Angebot richtet sich an Abiturienten, die innerhalb von vier Jahren mit dem Gesellenbrief und den aka- demischen Grad Bachelor of Engineering abschließen können. Die Doppelausbildung ist aktuell in folgenden Bereichen möglich: ■ Elektrotechnik,Maschinenbau, Bauingenieurwesen und Mechatronik (Hochschule Koblenz) ■ Handwerksmanagement (Hochschule Köln) ■ Versorgungstechnik (Hochschule Trier) Aber auch diejenigen, die den klassischen Weg von der Lehre bis zum Meister wählen, können ihre Abschlüsse aufwerten.GemäßdemzuJahresbeginninKraftgetretenen bundesweiten Berufsbildungsmodernisierungsgesetz können sichMeister nun zusätzlichBachelor Professional nennen. Damit soll erreichtwerden, dass dieBerufsausbil- dungverstärkt als gleichwertig zur akademischenBildung anerkannt wird. Ansprechpartner für die aktuell möglichen Zusatzausbil- dungen im Handwerk sind die Ausbildungsberater der HwK Koblenz, Tel. 0261/ 398-333, E-Mail: aubira@ hwk-koblenz.de Elektrotechnikermeister Robin Kluge entdeckt die Welt und bleibt dem Handwerk treu. Informationen zu den Meisterkursen bei der HwK Koblenz: Silke Below-Köfer Tel. 0261/ 398-311 silke.below-koefer@ hwk-koblenz.de

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