Handwerk Special Nr. 255 vom 29.08.2026

Wie geölt: „Der Friedhelm“ läuft und läuft … Wennman über Sprinter FriedhelmAdorf schreiben möchte, muss man selbst ziemlich schnell sein.Kaumhatman seineTitel, Rekorde und Medaillen der vergangenen Jahrzehnte über insbesondere 200und400 Meter zusammengetragen, kommt schon die nächste Erfolgsmeldung hinzu. Der Kfz-Meister ausHeupelzen ist inzwischen 82 Jahre alt – und zählt zur Weltspitze der Masters-Leichtathleten, alsoder Seniorenklasse. „Ich bin einfach der Friedhelm“, sagt er und lacht.Wer ihmbegegnet,merkt sofort:DerMannsprüht vorEnergie.Langweiligwird ihmnie.Vormittags schraubt er in seinerOldtimer-Werkstatt, nachmittags trainiert er auf der Laufbahn. „Mir macht das alles einfach Spaß.“ Dass Handwerk und Leistungssport bestens zusammenpassen, lebt Adorf seit Jahrzehnten vor. Nach seiner Ausbildung, bei der er insbesonderedieFabrikateBorgward und Simca kennenlernte, machte er denMeister undbaute aus demehemaligen Schweinestall des elterlichen landwirtschaftlichen Betriebs die erste Werkstatt inHeupelzen. Daraus entstanddas heutige Autohaus Adorf, das sich seit 1988 in Altenkirchen befindet und heute vom Sohn Dirk geführt wird (Kasten rechts). Senior Friedhelm arbeitet dort ebenso wie seine Frau Eleonore noch immer mit. Außerdem restauriert er in seiner eigenen kleinen Werkstatt Oldtimer. Fehlende Ersatzteile fertigt der gelernte Kfz- und Schmiedemeister beiBedarf einfach selbst an. Parallel engagierte er sich viele Jahre ehrenamtlich als Obermeister der Kfz-Innung Altenkirchen, Kreishandwerksmeister und Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Koblenz. Mit 40 Jahren begann er schließlich zu laufen – zunächst als Ausgleich. Schnell stellte sich heraus, dass ihmdie Sprintstrecken liegen. Heute trainiert Adorf nahezu täglich:Kraftübungen, Stretching, Sprints, Ausdauerläufe undFrühsport gehören fest zum Programm. Inzwischen gewann der fitte Senior 13 Weltmeistertitel, 26 Europameistertitel sowie 34 Gold-, 21 Silber- und 8 BronzemedaillenbeiDeutschenMeisterschaften. Internationale Erfolge feierte er unter anderem in Göteborg, Torun, Florida, Madeira, Braga, Venedig und Izmir. „In den USA wurde ich anfangs intensiv auf Dopingüberprüft –ganzeinfach,weilmich niemand kannte und ich so erfolgreich war.“ 2026 stellte er bei der Hallen-EM in Torun mit der Mixed-Staffel sogar einen Weltrekord auf. Im Juli verteidigte er bei denDeutschenMasters-Meisterschaften in Mönchengladbach erneut zwei Titel über 200 und 400 Meter. Mittlerweile ist er zudemEhrenbürger seiner Heimatgemeinde Heupelzen und durfte sich ins Goldene Buch der Stadt Neuwied eintragen. AuchseinnächstesZiel hat er fest imBlick. In diesem September wird er 83 Jahre alt, im Jahr 2028 startet er dann endlich in der AltersklasseM85.Undwas ihmnoch fehlt, ist ein Einzel-Weltrekord. „Dann gehöre ich zu den Jüngsten meiner Altersklasse“, sagt er verschmitzt. „Dagreife ichnochmal richtig an.“ Und weil ihn Disziplin und Leidenschaft sein Leben lang auf seiner beruflichen und später auch sportlichen Laufbahn bis heute antreiben, kann man die Liste von Friedhelm Adorfs Erfolgen wohl bald schon wieder aktualisieren … SWR-Reportage zu Friedhelm Adorf: www.swr.de/ unternehmen/ kommunikation/mein-koerper-mein-alter- 2026-106.html Benzin im Blut, Knowhow am Mikro Die Verbindung von Handwerk und sportlicher Leidenschaft prägt auch die nächste Generation der Familie. Sohn Dirk Adorf ist im Motorsport eine Legende – nicht nur auf der Nürburgring-Nordschleife. Kfz-Meister Dirk Adorf führt das Familienunternehmen, das er „fließend“ vondenElternübernommenhat. Toyota, BYDundFordsinddieMarken, diedasUnternehmenheute in Altenkirchen betreut. Parallel dazu ist Dirk Adorf seit Langem imMotorsport eine Legende – unter anderem als Werksfahrer für BMW, mit vielen nationalen und internationalen Erfolgen, unter anderem Klassensiegen beim 24-Stunden-Rennen auf demNürburgringund alsTrainer. Bekannt ist er alsTV-Experte undKommentator beiNitro, RTL, VOX und Eurosport. Auch er zeigt also eindrucksvoll, wie eng handwerkliche Kompetenz, technisches Können und sportlicher Ehrgeiz zusammengehören. Kontakt: www.auto-adorf.de Foto: Lutwin Jungmann 06 Kfz-Meister Friedhelm Adorf (82) kann es kaum erwarten, 85 zu werden. Dann ist er ein „Jungspund“ in der Altersklasse M85 und möchte endlich seinen Einzel-Weltrekord aufstellen. Alles andere hat er in seinen Leichtathletik-Disziplinen bereits abgeräumt. Foto: privat

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