Handwerk Special Nr. 255 vom 29.08.2026

Brothoheit Tatjana Wobei das eine eng mit dem anderen zu tun hat, denn die Bäckermeisterin ist seit wenigen Wochen Brotkönigin und repräsentiert somit mehr als 1.000 Handwerksbäckereien unter dem Dach des Bäckerinnungsverbandes West. Doch wie wird man Brothoheit? Tatjana erklärt das Bewerbungsverfahren: „Zunächst habe ich meinen Lebenslauf eingereicht, dann wird zu einer Online-Konferenz eingeladen.“ Keine Frage: Als Meisterin und Betriebswirtin des Handwerks bringt sie fachliche Expertisemit, „dochbewertetwirdauchdas Auftreten und die Überzeugungskraft für dasProduktBrot.“UndhierpunktetTatjana mit Leidenschaft und einem klarem Bekenntnis: Sie istBäckerindurchunddurch! Das begann schon in jungen Jahren als Aushilfe in der Familienbäckerei Krechel. 1936 vom Uropa Josef gegründet, übernahmdessen Sohn Peter die Bäckerei. Dessen Sohn Rainer – Tatjanas Vater – setzte die Familientradition fort. Was die Tochter schon früh faszinierte. „Schon als Kind war ich gerne in der Backstube unterwegs und einige ältere Mitarbeiter kennen mich bereits aus dieser Zeit.“ Was folgte, war dann eine erste Ausbildung als Bäckereifachverkäuferin – ein „Auswärtsspiel“. Tatjana erlernte ihrenBeruf in einer Koblenzer Handwerksbäckerei. Es folgte ein weiteres „Auswärtsspiel“, diesmal in Bayern. Von 2018 bis 2020 arbeitete sich Tatjana in einer dortigen Bäckerei bis zur Verkaufsleiterinhoch.EineAusbildung im klassischen Bäckerhandwerk schloss sich an – diesmal in Boppard am Rhein. Die Krönung dieser Laufbahn waren 2023 der Meistertitel sowie die Weiterbildung zur Betriebswirtin. Mit reichlichErfahrungausgestattet, kehrte Tatjana 2024 zurück ins Emmelshausener Familienunternehmen mit seinen 25 Mitarbeitern. Dort wird nun die Übergabe der Geschäftsführung vom Vater an die Tochter vorbereitet. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander und bilden ein ausgezeichnetes Team. Ich denke auch nicht,dasservonheuteaufmorgenaufhören wird.“Denn dieBäckerei ist hierweitmehr als ein Arbeitsort, eher ein Lebenswerk. Diese Einstellung zum Beruf bringt auch Tatjanamit. Voller Leidenschaft erklärt sie diefast20unterschiedlichenBrotsorten, die hier täglich frisch gebacken werden. Und kann auch die Frage nach ihrem„Liebling“ zügig beantworten: das zwei Kilogramm schwere Jubiläumsbrot, ein Roggenmischbrot mit Natursauerteig, ist ihr Favorit. Bleibt die Frage an ihre hoheitliche Brotmajestät: Wo fühlt sich die Verkäuferin undBäckerinwohler?BeimKunden an der LadenthekeoderamOfeninderBackstube? „Ichwechsle gern und liebe beideBereiche – mit einer leichten Tendenz zumVerkauf. Das direkte Gespräch mit den Kunden ist schonetwasBesonderes.“Dazupasst auch, dass die Krechels zwei Verkaufswagen betreibenunddieMenschenvorOrt ansteuern. Und auch das ist eine Aufgabe, die Tatjana immer wieder gerne übernimmt – frei nach dem Motto: Hier fährt die Königin noch selbst und geht jedes Brot durch die Hände ihrer Majestät. Für drei Jahre trägt Tatjana nun den Titel einer Brotkönigin und ist in dieserZeitauchBotschafterinderdeutschen Brotkultur – und die wurde immerhin von derUNESCOzumimmateriellenKulturerbe ernannt. Kontakt: Bäckerei – Konditorei – Café Krechel Tel. 06747 8560 www.baeckerei- krechel-cafe.de 04 Bäckermeisterin und Königin – diese Titel-Kombination bringt die 31-jährige Tatjana Krechel aus Emmelshausen mit. Familienbetrieb wird 400 Jahre alt! Metallbau Kehl in Bad Sobernheim kann am 12. September den 400. Geburtstag feiern! Mit Heiko Kehl (Bildmitte; zusammen mit Ehefrau Sabine und Sohn Jan) besteht der Betrieb in der 12. Generation. Und diese außergewöhnliche Geschichte könnte von Jan in der 13. „Erbfolge“ fortgeschrieben werden. Während die eine (Brot)Königin ist (großer Beitrag auf dieser Seite), hatten es die Kehls einst mit dem Kaiser zu tun. Der sollte 1626 in einem Kirchenstreit schlichten. Das wurde in Unterlagen festgehalten und so liegt der FamilieKehl eine solideDokumentation zumGründungsjahr ihres Metallbauunternehmens vor. Firmengründer Philipp Jakob Kehl legte 1626 den Grundstein für eine Familiengeschichte, die ihresgleichen sucht und immer eng mit dem Handwerk verbunden war. Und eine zweite Tradition hielt sich Jahrhunderte: „Anschließend hießen sie alle Philipp, selbst mein Vater war ein Philipp Karl. Ich bin der erste Nicht-Philipp“, erzählt der heutige Chef.

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