Handwerk Special Nr. 254 vom 06.06.2026

Volt und Violone Sie hat die Instrumente Viola da gamba, Violone und den historischenKontrabass studiert, legte den musikwissenschaftlichen Master mit Auszeichnung ab, trat bei Konzerten auf, wirkte bei Musiktheaterproduktionen diverser Ensembles und Barockorchester mit, hielt wissenschaftlicheVorträge, Konzertmoderationen und Museumsführungen, war Lehrbeauftragte imFachMusikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, gab Instrumentalunterricht an Schulen und Musikschulen – das war und ist ihr Leben … in einem Bereich. Im anderen ist sie Handwerkerin. Um genau zu sein: Elektronikerin mit der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Seit 2025 erlernt die 35-Jährige ihren Beruf imUnternehmenvonMatthiasBenz imWesterwälder Unnau. Benz übernahm 2020 seinen ehemaligen Ausbildungsbetrieb „Elektrotechnik Schürg“. „Letztes Jahr standdann eineNachbarinvor der Tür …wir müssenmal miteinander reden. Da sei eine zugezogene hochbegabte Musikerin, die eine handwerklicheAusbildung anstrebt.“Nach einemDreitagepraktikum wusste Benz: „Christine kann viel mehr als Musik!“ Schnell erkannte er ihr handwerkliches Geschick, „aber auch ihren Wissenshunger und ihre Einsatzfreude.“ Nun bereichert sie das fünfköpfige Team als Lehrling. Fragt man Christine Vogel, was Musik und Strom vereint, bekommt man eine spontane wie interessante Antwort: „Beide sind abstrakt. Man kann sie nicht sehen – und doch sind sie für uns wichtig. Bei beiden ist essenziell, dass es fließt.“ Und so, wie Christine Vogel Musikinstrumenten perfekte Töne entlockt, sorgt sie nun mit ihrer handwerklichen Arbeit für Stromflüsse. „Ich wollte etwas Praktisches machen, etwas Nachhaltiges von Bestand. Hört derMusiker auf zu spielen, ist die Musik verklungen.“ Gegen denWechsel ins Handwerk gab es aber auch Vorbehalte. „Der Ruf ist hier und da nicht der allerbeste.“ Doch die erfahrene Musikerin gab sich und dem Handwerk eine Chance, „testete“ die Elektrik und auch das Team umMatthias Benz aus. „Das hat gepasst“, sagen beide. „Meine bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv“, strahlt dieMusik-Handwerkerin und bekennt: „Vor der Ausbildungwusste ich nur, dass die Steckdose der Ort ist, an dem Strom aus der Wand kommt.“ Wie genau und was an fachlicher Leistung dahintersteckt, das hat sie nicht nur gelernt, sondern arbeitet daran auch ganz praktisch. Eben noch Lehrling, einen Tag später Dozentin – auch das ist das Leben von Christine Vogel, die an der Musikschule des Landkreises Fulda weiterhin ihr Wissen vermittelt. „Wenn die Leistungen bei uns stimmen, unterstützen wir das musikalische Engagement“, nickt Chef Benzwohlwollend, macht aber auch klar: „Handwerk geht vor, denn gerade die Arbeit mit Strom ist gefahrgeneigt und verlangt 100-prozentige Genauigkeit.“ Volt und Violone – Christine vereint das auf ungewöhnliche wie professionelle Weise. Kontakt: Schürg Elektrotechnik Inh. Matthias Benz Tel. 0151 1833 5877 www.elektrotechnik- schuerg.de Nachgefragt beim Chef ... Wird auf der Arbeit über klassische Musik gesprochen und gab es bereits ein Konzert für die Mitarbeiter, Matthias Benz? Beides beantwortet der Chef von Musikerin und Lehrling Christine Vogel (Reportage auf dieser Seite) mit „noch nicht“. „Ich selbst höre lieber Hard Rock.“ Immerhin darf Christine auf dem Weg zu den Baustellen ab und zu den Radiosender aussuchen, der im Auto gehört wird. Dann trifft Klassik auf Handwerk. Die Möglichkeit, dies auch im Rahmen eines kleinen Live-Konzerts umzusetzen, war bisher noch nicht Thema, „letztlich aber entscheidet die Künstlerin, ob sie vor Publikum auftreten möchte“, so Benz. Er selbst steht für die Möglichkeiten, die sich aus einer handwerklichen Lehre ergeben können. 2020 übernahm er als 37-Jähriger seinen ehemaligen Ausbildungsbetrieb. Die Auftragslage ist gut und einer seiner großenKunden ist ein andererHandwerksbetrieb: Für den FertighausanbieterFingerhut ausNeunkhausenverantworten Benz und sein Team die Elektroinstallationsarbeiten. 03 Eine Profi-Musikerin als E-Lehrling – das ist der ganz und gar außergewöhnliche Fall von Christine Vogel. 839 Lehrlinge zählt das Elektro- Handwerk im Kammerbezirk Koblenz. 30 von ihnen sind Frauen.

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