Handwerk Special Nr. 254 vom 06.06.2026

191 Jahre alt und doch soooo jung Füttert man Internetsuchmaschinen mit dem Wort „Dorfschmied“, zeigt die Bildergalerie hundertfach muskelbepackte Hünen mit schwingendem Hammer und rotglühendenEisen.DasTraditionsbilddes Schmiedehandwerks sieht alles Mögliche vor, nur keine Frauen. Das galt 191 Jahre langauchfürdieSchlossereiPauly,1835als Dorfschmiede inMeckenbach imheutigen LandkreisBadKreuznachgegründet.Doch nun ist diese Tradition Geschichte. Emely Selzer wird zwar nicht zur „Dorfschmiedin“ ausgebildet, denn das Berufsbild hat sich – selbstverständlich! – weiterentwickelt und wird heute alsMetallbau beschrieben. „Kraft sollte man aber schon mitbringen“, verrät die 20-Jährige. Doch auch zeichnerisches Verständnis und räumliche Vorstellungskraft zählen dazu. Und natürlich Fachwissen in der Bearbeitung des Werkstoffs Metall. Auf die Idee, Metallbauerin zu werden, hat sie die Oma gebracht.Mit ihremAusbildungsbetrieb ist siehochzufriedenundschätzt das–zumeist männliche – Team. „Das passt schon, denn was hier zählt, ist Leistung.“ Sieben Lehrlinge erlernen aktuell in der Schlosserei Pauly ihr Handwerk. „Wir bilden unsere Mitarbeiter selbst aus.Dasgarantiert einhohes fachliches Niveau“, erklärt Geschäftsführer Ingo Pauly die Lehrlings-Offensive. BeiderAnspracheJugendlicherkannersich auch auf Tochter Lisa verlassen, 34 Jahre alt und seit drei Jahren im Unternehmen. „Ohne soziale Medien geht hier nichts mehr. Wir nutzen insbesondere Insta und Facebook“, erklärt die Juniorchefin. Der Erfolg gibt dem Unternehmen mit seinen 60 Mitarbeitern recht in der Strategie der Nachwuchsgewinnung. Auch für dieses Jahr sind bereits zwei Lehrlinge fix, „einen dritten würden wir zusätzlich einstellen“, unterstreicht IngoPauly. Der Betrieb bildet sowohlMetallbauerausalsauchTechnische Systemplaner. Damit die Hürden für das Bewerbungsverfahrennichtallzuhochsind, hat der Betrieb auch hier einfache Regeln: Zeugnis einscannen und ein paar Zeilen schreiben, fertig. DemAusbildungsvertrag geht ein Praktikum voraus, „das sorgt für Sicherheit auf beiden Seiten. Wir lernen die jungenMenschen und ihre Fähigkeiten kennen, sie uns, das Team und natürlich auch die Arbeit.“ Hier punktet die „alte Dorfschmiede“ mit Hightech. Gleich mehrere Laser-Bearbeitungsbereiche sind Teil der Werkstatteinrichtung. Am Computer via CAD entworfen, gehen die Daten direkt an die Laserschneidanlagen und werden dort verarbeitet. „Das spricht natürlich Jugendliche an, wenn sie unsere hochmoderne Einrichtung sehen“, weiß Ingo Pauly. An zwei Standorten ist das Unternehmen zu Hause und bedient insbesondere gewerbliche Kundenwünsche bis hin zum Weltmarktkonzern. So greift das größte globale Pharmaunternehmen aus den USA bei seinem 3 Mrd.-Euro-Neubau in Alzey aufLeistungenderPaulyszurück.Wasauch bedeutet: neben der Fertigung geht es auf Montage. Die jungen Leute im Unternehmen schätzen das, „denn der Alltag ist sehr abwechslungsreich“, berichten Emely und ihremännlichenMitstreiter Peter,Dominic undLeon, alle imzweitenAusbildungsjahr. Die Schlosserei Pauly stellt quasi die ganze Berufsschulklasse, denn sechs von neun LehrlingensindPaulyaner.Diebrennen für ihr Handwerk: „Einen anderen Beruf kann Kontakt: Horst Pauly Schlosserei GmbH Tel. 06752 131 383 www.schlosserei- pauly.de Termine: Handwerk live erleben Die Azubispots am Deutschen Eck in Koblenz stehen in wenigen Tagen an und das Berufe-Festival lockt im Herbst nach Bad Kreuznach. Anmeldungen sind ab sofort möglich. Die nächsten Azubispots stehen direkt vor der Tür: Am Dienstag, 9. Juni, verwandeln sie das Deutsche Eck in Koblenz in eine Erlebnismeile rund um Ausbildung und duales Studium. Die Veranstaltung wird von der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, der IHK Koblenz und der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen angeboten. Und: Mitgliedsbetriebe können sich schon jetzt bei der HwK Koblenz für das nächste Berufe-Festival (kleines Bild) anmelden. Das findet am 30. Oktober im Haus des Handwerks in Bad Kreuznach statt. Kontakt bei der HwK Koblenz: florian.wagner@ hwk-koblenz.de, Tel. 0261 398-336 12 Unter den 60 Mitarbeitern zählt die Schlosserei Pauly aus Meckenbach und Kirn sieben Lehrlinge – ein Rekordwert. Warum der Metallbauer genügend fachlichen Nachwuchs hat, verraten Chef Ingo Pauly (links) und dessen Tochter Lisa (rechts). ich mir nicht vorstellen“, sagt Dominic Buch. „Das wurde mir quasi in dieWiege gelegt, denn auchmeinVater istMetallbauer.“AmEnde des Tages ein Ergebnis vorweisen können, seine eigene Leistung begutachten – das ist ein Hauptmotiv für den Weg ins Handwerk. Damit verbinden sich auch Anerkennung sowie Zufriedenheit. So wundert es nicht, dass die befragten Lehrlinge ihre Zukunft im Familienbetrieb sehen, das in neun Jahren seinen 200. Geburtstag feiern wird. Einen Teil der Geschichte schreiben sie nun selbst mit … Vier der sieben Lehrlinge im Unternehmen (ab 2. von links): Leon Schmoldt, Emely Selzer, Peter Halberstadt und Dominic Buch.

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