Handwerk Special Nr. 253 vom 13.03.2026

Dank KAUSA: Motiviert zum eigenen Salon SharvanHamikowar 16 Jahre alt, als er aus Syrien nach Deutschland floh. Er sprach kein Deutsch, brachte aber aus seiner Heimat Grundkenntnisse imFriseurhandwerk mit – und war im neuen Umfeld zunächst orientierungslos.Heute, elf Jahre später, ist seineGeschichteeinBeispiel fürgelungene Integration durch geduldige und gezielte Unterstützung wie auch der Bereitschaft, hart an sich und für die eigenen Ziele zu arbeiten. Sharvan Hamiko erzählt seine Geschichte in seinem eigenen Friseursalon Shero – genauer gesagt: in einem seiner beiden Salons, die er mittlerweile in Koblenz betreibt. Aus einemJugendlichen ohnePerspektivewurdeeinFriseurmeister, Unternehmer und Familienvater. „Für mich war es damals erst schwierig, in eine Schule zu gehen, weil ich kein Deutschkonnte. IchhabeeinenSprachkurs gemacht unddannbei derHandwerkskammerKoblenz eineFriseurlehre absolviert“, erinnert sichder jungeFriseurmeister. Auf diese Weise erwarb er automatisch seinen Hauptschulabschluss. „Die Lehrer bei der HwK haben mich toll gefördert, mit mir Deutsch gelernt, sind alle Inhalte immer geduldig mit mir durchgegangen“, sagt er dankbar. 13 Auszubildende waren damals in der BaE-Maßnahme, einer Berufsausbildung, die in außerbetrieblichen Einrichtungen stattfindet und zu der mehrere Praktika gehörten. Nach und nach fielen ihm die Inhalte leichter. Eine wichtige Stütze war Mustafa Karim. Sharvan lernte den HwK-Berater zufällig im Aufzug kennen – beide sprachen Arabisch. Von diesem Moment an wurde Mustafa Karim für ihn nicht nur ein hilfreicher Begleiter, sondern bis heute auch ein guter Freund. „Im ersten Lehrjahr hatte ich eine Phase, in der ich ans Aufhören gedacht habe. Die Fachwörter waren so kompliziert – aber ich wurde in dem Programm einfach immer unterstützt und motiviert, es durchzuziehen.“ Bald ergaben sich echte Perspektiven: Während der Maßnahme absolvierte Sharvan Praktika in mehreren Friseursalons. Einer dieser Betriebe bot ihm an, samstags dort zu arbeiten. Nach drei Jahren hatte Sharvan Hamiko seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen – und erhielt in diesem Salon eine Festanstellung. „Dann kam Corona und mein Chef gab den Laden auf. Ich bekamdieGelegenheit, ihnzuübernehmen, musstedafürabermeinenMeistermachen.“ Hochmotiviert absolvierte er den Meisterkurs in der Abendschule, übernahm den FriseursalondankeineskleinenKreditsund renovierte ihn von Grund auf. Gleichzeitig hörte er von einem weiteren Friseursalon im Globus, der insolvent war. „Da meine Cousine Friseurmeisterin ist, habe ich auch diesen Laden übernommen, sie dort eingestellt und habe nun zwei gut gehende FriseursalonsmitzwölfMitarbeitern,davon zwei Auszubildende“, berichtet er stolz. Die Meisterprüfung hat er erfolgreich abgelegt – und ist dankbar für die Unterstützung der HwK: „Ohne sie und ihre motiviertenAusbilder hätte ichdasniemals geschafft – sie waren wie Eltern immer für mich da.“ Heute ist Sharvan Hamiko verheiratet und lebtmit seiner Frau und der zweijährigen Tochter inMoselweiß. Seine weiteren Pläne? „Menschen imHandwerk ausbilden und meiner Familie ein schönes Zuhause schaffen.“ Kontakt: Friseursalon Shero Tel. 0261 988 28 39 www.sheros-salon. de 16 Die KAUSA-Landesstelle RLP und die HwK Koblenz integrieren Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund wie den jungen Friseurmeister Sharvan Hamiko in duale Ausbildung und berät Betriebe. Hamiko hat inzwischen zwei eigene Salons. ei Ältester Jungmeister ist 56 Jahre Wenn Timur Sawitzkij aus Elbtal im Westerwald seinen Meisterbrief erhält, ist er stolze 56 Jahre alt – und damit der älteste Meisterschüler des Jahrgangs 2025. Doch damit nicht genug: Sein Gewerk gehört mit Sicherheit zu den schnellFoto: privat lebigsten, die einem ständigen Wandel unterzogen sind, denn Sawitzkij ist Informationstechnikermeister. Für ihn ist das allerdings überhaupt kein Thema, das besonders erwähnenswert wäre: „Das ist doch nichts Besonderes – ja, ich bin ganz schön alt für einen Meisterbrief, aber das hat ja alles einen ganz praktischen Grund“, berichtet er lachend. Sein damaliger Chef wollte in den Ruhestand gehen und hatte ihm angeboten, das Unternehmen zu übernehmen. Dafür hat er ihm die Meisterschule bezahlt und ihn auch organisatorisch unterstützt, indem er sich währendderArbeitszeit auf diePrüfungenvorbereitenund „das Abschlussprojekt zusammenlöten“ durfte. Die Meisterschule ist ihm nicht sehr schwer gefallen, immerhin arbeitet er seit 30 Jahren als Informationselektroniker. „Das Praktische war ich ja gewöhnt. Natürlich habendieMitschüler amAnfangvielleicht etwasüberrascht geschaut, als ich mit ihnen in der Klasse saß – aber dann war das alles ganz normal, kein Problem!“ Auch seine beiden Kinder, die 30 und 33 Jahre alt sind, waren von der Idee begeistert, dass ihr Vater nochmal die Schulbank drückt. Die Meisterprüfung hat er problemlos bestanden – allerdings hat sich dann kein Partner gefunden, um den Betrieb zu übernehmen „und allein ist das wegen der wirklich hohen Auftragslage nicht zu schaffen“. Das Unternehmen wurde daher verkauft und Timur Sawitzkij ist inzwischen als Meister bei der Firma Pauly angestellt. „Das macht auch großen Spaß, ich habe tolle Kollegen!“ Was ist KAUSA? Das KAUSA-Projekt ist die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration in Rheinland-Pfalz (Landesstelle RLP). Sie integriert junge Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund in die duale Ausbildung und berät Betriebe bei der Erstausbildung. Projektträger sind die Handwerkskammern in RLP, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative Bildungsketten im Bundesinstitut für Berufsbildung sowie vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz. Informationen: www.kausa-rlp.de

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