Handwerk Special Nr. 253 vom 13.03.2026

InwenigenTagen feiertKonditormeisterin Anna Fujita im japanischen Kyoto ihren 26. Geburtstag. Wenn alles klappt, wird dann ihr Meisterbrief neben der kleinen Geburtstagstorte aus eigener Herstellung liegen. Mehr als 10.000 Kilometer Weg- strecke hat das wichtige Dokument dann zurückgelegt. „Ich bin in Deutschland aufgewachsen, mit einem deutschen Vater und einer japanischen Mutter. Schon von klein auf hat meine Mutter versucht, mir die japanische Kultur näherzubringen. Dank jährlicher Besuche bei meinen Großeltern in Japan und den Samstagskursen an der japanischenSchule inFrankfurtwar Japan stets ein Teil meines Lebens. Diese tiefe Verbundenheit zu Japan hat mich von Anfang an geprägt und dazu geführt, dass ich irgendwann den Wunsch hatte, selbst nach Japan zu ziehen und dort zu leben.“ EinWunsch, den sich dieKonditorin 2025 erfüllte. „Seitdem lebe ich in Kyoto und arbeite dort in einem kleinen, charmanten Café. Hier bereite ich sowohl traditionelle japanische Süßwaren als auch deutsche Konditorwaren zu. Mein Weg nach Japan war eine Kombination aus kultureller Bindung und beruflicher Leidenschaft, und ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe.“ In all dem spielt die Meistervorbereitung bei der Handwerkskammer Koblenz eine wichtige Rolle, denn Anna reiste alsMeisterin in die Ferne. „Mein Handwerk und der Meisterbrief bieten mir die Möglichkeit, auf der ganzen Welt tätig zu sein und dabei verschiedene Techniken und Traditionen aus unterschiedlichen Kulturen zu entdecken und in meiner Arbeit miteinander zu verbinden. Denn Konditorei ist nicht nur Handwerk, sondern auch eine Kunstform, die eine kulturelle Brücke schlagen kann.“ Als deutsche Meisterin plant sie nun in Japan „zusammen mit meinem Mann, der als Bäckergeselle, Lebensmitteltechniker und Betriebswirt ausgebildet ist, eine eigene kleine, aber feine Bäckerei und Konditorei zu eröffnen. Mein Ziel und Wunsch ist es, nicht nur den deutschen Einfluss in der japanischen Konditorei- szene zu zeigen, sondern auch einen Ort zu schaffen, an demsichMenschen beider Kulturen treffen und durch Gebäck und Süßwaren gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse teilen können.“ Klingt nach einer spannenden Geschichte, an der hier gerade geschrieben wird … meisterhaft und mit Koblenzer Handschrift. Deutscher Meisterbrief in Finnland anerkannt? Der Meisterbrief ist seit 2020 dem akademischen Bachelor-Abschluss gleichgestellt und berechtigt zur Zusatzbezeichnung „Bachelor Professional“. Er ist auf Stufe 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) eingeordnet und entspricht akademisch einem Bachelorabschluss, was in vielen EU-Staaten (darunter Finnland) im Rahmen der EU-Richtlinien zur Anerkennung von Berufsqualifikationen akzeptiert wird. Für reglementierte Berufe ist ein formelles Anerkennungsverfahren nötig. 14 Meisterbrief reist um die Welt 1993 in Halle an der Saale geboren, darf man Gregor Dietze als abenteuerlustigen wie auch weltoffenen Menschen beschreiben. Lebensstationen in Norddeutschland zählen dazu und die dortige Ausbildung in der Landwirtschaft. Dann zog es ihn in die Pfalz. Er pachtete einen Bauernhof, absolvierteeineAusbildungzumLand-und Baumaschinenmechatroniker.DieMeistervorbereitung bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz schloss sich an. Doch schon Jahre zuvor hatte ihn ein Youtube-VideonachFinnlandgeführt. „Ichbin technisch begeistert und war fasziniert von einem ganz ungewöhnlichen Zugfahrzeug für die Land- und Forstwirtschaft. Damals war es möglich, dem Urheber der Filme eineMail zu schicken. Was ich getan habe. Es war ein Finne, den ich dann unbedingt kennenlernen wollte.“ Gregor machte sich also auf denWeg Richtung Finnland – eine Verbindung, die hielt. Die griff dann auch auf abenteuerliche Weise in die Meistervorbereitung bei der Handwerkskammer ein. „Mein finnischer Freund meldete sich und berichtete, in seiner Nähe werde ein alter Bauernhof verkauft.“ Gregor setzte sich ins Auto und fuhr über Dänemark und Schweden nach Finnland – immerhin 3.000 Kilometer. „DieBesichtigungdesBauernhofesdauerte dann ganze 45 Minuten!“ Schon mal vor Ort, nutzte er die Reise auch, um sich bei zwei metallverarbeitenden Unternehmen zu bewerben. Wohn- und Arbeitsort zu kombinieren, schien sinnvoll … Doch aus dem Bauernhof-Kauf wurde nichts und stattdessen stieg er in das Bietverfahren einer Versteigerung ein. „Eine Gruppe kleiner Häuser direkt an einem Fluss gelegen. Ich hatte mir ein Limit gesetzt und die Versteigerung dümpelte so vor sich hin. Doch zwei Tage vor deren Ende meldete sich eine der beiden Firmen, bei denen ich mich beworben hatte, mit einer Zusage.“ Am Ende ging dann alles sehr schnell: Haus gekauft, Arbeitsvertrag unterschrieben. Heute lebt und arbeitet Gregor im finnischen Revonlahti, 2.000 Kilometer Luftlinie von Koblenz entfernt und unweit des Polarkreises gelegen. Der „Umzug“ erfolgte während der Meistervorbereitung, „was die Sache nicht einfachermachte“. Doch auch diese Probleme lösteder inzwischen32-Jährige souverän. Zur Meisterprüfung setzte er sich dann ins Auto, fuhr nach Koblenz und „lieferte“. „Mit dem Erreichtenbinichabsolut zufriedenundfühlemich sehr wohl im Norden“, resümiert der frisch gebackene Land- und Baumaschinenmechatronikermeister. „Die HwK hat mir enorm auf diesem Weg geholfen und ich bin allen Verantwortlichen und Dozenten sehr dankbar. Ich freue michauchsehr auf dieMeisterfeier!“ Dafür setzt sich Gregor, der DeutschFinne, dann wieder ins Auto und fährt 6.000 Kilometer – auf dem Heimweg dann mit Meisterbrief auf dem Beifahrersitz. Foto: privat Verrückte deutsch-finnische Meister-Story Foto: privat

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