Handwerk Special Nr. 247 vom 03.07.2024

Schwerpunktthema: Ausbildung im Handwerk HANDWERK SPECIAL 247 3. Juli 2024 www.handwerk-special.de Titelbild: Tobias Dietsche ist Lehrling auf dem Weg ins 2. Ausbildungsjahr bei Elektro Witsch Handwerkskammer Koblenz and r s Ko l

Den Sommer nutzen! Die nächsten sommerlichen Wochen bedeuten für viele: Urlaubszeit! Wie sich der genau gestaltet, ist sehr unterschiedlich. Wer der Weltreise ein paar schöne, entspannte Tage in der Heimat vorzieht, sollte unbedingt unsere Ausflugstipps in der Region und zum Handwerk lesen. Ab Seite 16 beschreibt Fotograf Klaus Herzmann seine Erlebnisse, diesmal auf heißer Spur, denn er ging auf Wanderschaft zwischen Basaltbrocken und Vulkanzauber in und rund um Mayen in der Eifel. Was dabei natürlich nicht fehlen darf, sind die Besuche bei Handwerksbetrieben entlang der Strecke. Die vor uns liegenden Wochen kann man als Schulabgänger auch nutzen, um sich in der Frage nach der beruflichen Zukunft für das Handwerk zu entscheiden. Denn im Herbst beginnt das neue Ausbildungsjahr und es geht nun sowohl für die Bewerber wie auch die ausbildenden Handwerksbetriebe auf die Zielgerade Richtung Lehrvertrag und Ausbildungsbeginn. Wir helfen dabei, wenn wir diesen Prozess als Handwerkskammer engmaschig begleiten – sowohl im Sinne der Schulabgänger wie auch der Betriebe, die Jugendliche für eine Ausbildung suchen. Wenn wir über Ausbildung im Handwerk berichten, sind das viele interessante und auch spannende Geschichten. Die schreiben – ganz authentisch! – die Jugendlichen selbst am besten. Also haben wir einige besucht und stellen sie, ihren Weg ins Handwerk und ihre Zukunftspläne vor. Wie wir auch etwas ältere Handwerker portraitieren und ihre Erinnerungen an die Ausbildung abfragen. Dabei kommt mit Edelsteinschleifer Bernd Cullmann einer zu Wort, der ganz offen sagt: Mein Einstieg in die Lehre war ein Albtraum. Er wollte eigentlich die Ausbildung abbrechen. Doch dann legte er den Schalter um und wurde glücklich in seinem Handwerksberuf. So glücklich, dass er ihn noch heute als 84-Jähriger gern und in jeder freien Minuten ausübt. Ganz nebenbei erwähnt: er ist auch Olympiasieger als Startläufer der vier mal Einhundertmeterstaffel von 1960. Und sagt rückblickend, dass der Handwerker und der Sportler Cullmann auf Augenhöhe agieren. Nichts stehe über dem anderen. Ein beeindruckendes Plädoyer für das Handwerk und Mutmacher für die Jugend. Manche Wege verlaufen eben nicht gerade, führen dennoch langfristig zum Ziel und machen glücklich. Das gilt auch für Lehrlinge, die sehr zielstrebig nach dem Start ins Handwerk die nächsten Schritte planen. Dazu kann auch die Übernahme des eigenen Ausbildungsbetriebes zählen. Das sind richtig starke Stories, die sich damit verbinden. Hauptgeschäfts- führer Ralf Hellrich Kontakt: Handwerkskammer Koblenz Tel. 0261 398 108 ralf.hellrich@hwkkoblenz.de Impressum: V.i.S.d.P.: Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich Redaktion / Layout: Jörg Diester, Denise Nuß, Dagmar Schweickert Fotos: wie an Fotos gekennzeichnet / HwK Koblenz / Titel: Elektro Witsch Herausgeber: Handwerkskammer Koblenz, Friedrich-EbertRing 33, 56068 Koblenz, Tel. 0261/ 398-160, in Verbindung mit dem Mittelrhein-Verlag Koblenz Anzeigen: rz Media GmbH, August-Horch-Str. 28, 56070 Koblenz, Evangelos Botinos (verantwortlich) Techn. Herstellung: Industrie Dienstleistungsgesellschaft mbH, 56070 Koblenz Wie auch die Entscheidung, als Lehrling in den „Auslands- einsatz“ zu gehen. In gleich mehreren Ländern Erfahrungen zu sammeln, den Beruf, andere Kulturen und die dortigen Menschen besser kennenzulernen, erweitert den Horizont und ist für unsere Lehrlinge in „internationaler Mission“ ein besonderes Erlebnis. Insofern lässt sich der Sommer 2024 für viele Dinge nutzen, zumal sich Urlaub, Ausflüge zum Handwerk – ob nun als Wanderung oder über eine Bewerbung – ja nicht ausschließen. Nutzen wir die Zeit! Diese Ausgabe gibt viele wertvolle und unterhaltsame Anregungen und Informationen – Ihr Seiten 10 Starke Allianz im Sinne einer erfolgreichen Ausbildung Seiten 12 und 13 Handwerker und Olympiateilnehmer 02 aus dem Inhalt Seite 7 Vom Lehrling zum Chef im gleichen Betrieb Seite 16 bis 19 Sommerziele mit dem Handwerk – Ausflug in die Eifel

Einer aus 130 324 anerkannte Ausbildungsberufe gibt es aktuell in Deutschland sowie 21.000 Studiengänge. Als Jugendlicher da die richtigen Entscheidungen zu treffen für ein künftiges Berufsleben, Einkommen und Erfüllung, ist gar nicht so einfach. Auffällig beim Vergleich zwischen Ausbildungsberufen und Studiengängen ist der Überhang akademischer Angebote. Er spiegelt eingesellschaftliches Idealbild wider. Denn das Abitur wird von mehr als derHälfte aller Schulabgänger angestrebt, demsich einStudiumanschließen soll.Oft genug wird dieser vermeintliche Königsweg vomElternhaus und der Lehrerschaft favorisiert. „Gerade an den Gymnasien spielt das Handwerk als Perspektivplan kaum eine Rolle“, weiß auch die Handwerkskammer (HwK) Koblenz um ihren Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich. Und doch sind immermehr Lehrlinge imHandwerk Abiturienten, „was sicherlich an der steigendenWertschätzunghandwerklicher Arbeiten und Berufe liegt.“ 130 Ausbildungsberufe im Handwerk gibt es momentan, was immerhin 40 Prozent allerAusbildungsberufeinDeutschlandentspricht.VerglichenmitdemGesamtangebot in Industrie, Handel, öffentlichem Dienst, Landwirtschaft oder Seeschifffahrt wie auch den freien Berufen ist das relativ viel. „Und es verspricht bei genauerer Betrachtung: hier findet jeder das Passende, denn die Palette reicht von A wie Augenoptiker bis Z wie Zimmerer.“ Eine gründliche Beratung und auch ein Praktikum vor der Berufsentscheidung sorgen dafür, dass Jugendliche wie auch Ausbildungsbetriebe optimal zueinander finden. „Unsere 21.000 Handwerksbetriebe bieten zurzeit 2.640 Praktikums-sowie1.402Ausbildungsplätze an“, fasst Hellrich die Situation für das Handwerk im nördlichen Rheinland-Pfalz zusammen. Flankiert wird es durch die Ausbildungsberatung der HwK. Sie steht sowohl JugendlichenalsauchBetriebenmit ihremKnowhow zur Verfügung und unterstützt in allen Bereichen eine erfolgreiche Fachkräftesicherung. „Dennauchdas ist ein wichtiger Aspekt für die Ausbildung: wir bieten Jugendlichen eine interessante wie erfolgsorientierte Zukunft. Man verdient gutes Geld vom ersten Tag an, kann sich nach der Ausbildung weiterqualifizieren zumMeisterundistdannvomBildungsgrad auf Bachelor-Niveau. Ein weiterführendes Studium ist so möglich oder auch eine Betriebsübernahme.“ Das sind Chancen, die immer mehr Jugendliche frühzeitig erkennen und ganz bewusst als Karriereweg nutzen. „Mit 25 Jahren selbstständig zu sein, auch wirtschaftlich auf soliden eigenen Beinen zu stehen, ist so durchaus möglich. Auch die Frage, was kann ich mit meinemStudiuminderWirtschafteigentlich später konkret anfangen, stellt sich für die handwerklichen Durchstarter nicht mehr. Sie sind dann längst angekommen.“ Und einwichtigesMotivwird auch immer häufiger durch jungeHandwerker genannt: Sehen, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat! Das macht stolz und ist motivierend. Zumal die Nachfrage nach handwerklichenLeistungenundProdukten hoch ist – selbst dann, wenn die Gesamtwirtschaft schwächelt. Spätestens dann wird jedem klar: Handwerk ist sicher und hat Zukunft! Kontakt: Ausbildungs- beratung der HwK Koblenz Tel. 0261 398 333 ausbildung@hwkkoblenz.de ei Viele Wege führen... ins Handwerk! Direkteinstieg oder Traumberuf auf Umwegen: Die HwK Koblenz steht jungen Menschen mit Rat und Tat zur Seite, informiert über die Karrierewege im Handwerk und sucht geeignete Ausbildungsbetriebe. VondengroßenöffentlichenAusbildungsmessen „Azubi- spots“ in Mayen, Koblenz und Bad Neuenahr-Ahrweiler und denBerufefestivals zumMitmachen inTreis-Karden, Bad Kreuznach und Neuwied über unzählige Schulbesuche im nördlichen Rheinland-Pfalz bis hin zur ganz individuellen Hilfestellung – die Ausbildungsberater der Handwerkskammer (HwK) Koblenz unterstützen junge Menschen bei der beruflichen Orientierung. Für jeden ansprechbar, haben sie stets diepersönlichenHintergründe im Blick und schöpfen aus einem großen Portfolio an Netzwerken und Projekten, um individuell auf die Jugendlichen einzugehen und ihnen so einen erfolgreichen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Denn: Es gibt viele Wege, die zu einer Karriere imHandwerksbereich führen. So auch bei den Auszubildenen Anna Liedke (links) und Lea Naja Mestrovic. Wie die beiden zum Maler- und Lackiererhandwerkgefundenhaben, berichten sie auf Seite5. 03 Die Schulzeit ist vorbei und eine Frage rauscht auf die Absolventen zu, die schon aufgrund des Angebotes gar nicht so leicht zu beantworten ist, denn: Freie Praktikums- und Ausbildungsplätze: www.hwk-koblenz. de/lehrstellen Weitere Informationen und Ansprechpartner in der Rubrik „Ausbildung“: www.hwk-koblenz. de Oder ganz einfach per Whatsapp- Nachricht: 0160 9089 7361 Foto: Photo-Herzmann

Auf Erkundungstour durch Europa Seit ihrer Meisterprüfung vor gut einem Jahr hat die 24-jährige Alicia Hietbrink (rechtes Bild) aus Bad Neuenahr-Ahrweiler viel vonderWelt gesehen.Bei verschiedenen Auslandspraktika verbrachte sie zwischen siebenundneuneinhalbWochen je Aufenthalt in Spanien, Italien, Lettland und zuletzt Irland. Nicht immer war sie allein unterwegs. Sowohl in Italien als auch in Irland war die 20-jährige Hanna Breitbach aus Kehrig ihre Reisegefährtin. Das dynamische Duo lernte sich während des Meisterkurses bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz kennen: „Wir haben gleichzeitig über Auslandspraktika nachgedacht und so hat es sich ergeben“, freuen sich die beiden jungen Maler- und Lackierermeisterinnen darüber, das Erlebte miteinander zu teilen. Vor Kurzem sind sie nach einem zweimonatigen Auslandsaufenthalt in Irland wieder nach Hause zurückgekehrt. Und was für einen richtig typischen Einsatzort könnte es wohl während ihres Praktikums bei einem Farbhändler in Limerick gegeben haben? Richtig! Einer ihrer Arbeitsaufträge bestand darin, einen Rugbyclub zu renovieren. Innen und außen wurde der Farbpinsel geschwungen. Dabei erhielten die beiden Maler- und Lackierermeisterinnen nicht nur neue Eindrücke von der Vielfalt derLacke, sondernauch,wie sooft bei ihren Auslandseinsätzen, Inspiration in puncto Werkzeugen und Materialien. Aus Spanien schaffte so ein runder Pinsel zum Abdrehen statt zum Abstreichen seinenWeg imReisegepäcknachDeutschland. In Irland fand dagegen ein spezieller Rührstab mit Griffen und Löchern zum Umrühren und Mischen von Farben großen Anklang als Alternative zu den in Deutschland weit verbreiteten Pinseln oder Bohraufsätzen. „Auslandspraktika sind eine einmalige Gelegenheit, umandereKulturen, neueArbeitsmethoden,MaterialienundTechniken kennenzulernen“, erklärtAliciaHietbrink. Bereits amEnde ihrerGesellenausbildung zeigte sie ihre Leidenschaft für ihr Handwerk und durfte als Beste des Landes ihr Können im Bundesentscheid bei der „Deutschen Meisterschaft imHandwerk - GermanCraft Skills“ unterBeweis stellen. In ihrer Begeisterung für das Maler- und Lackiererhandwerk steht ihr Hanna Breitbach in nichts nach. Auch die jüngste Meisterabsolventin des aktuellen HwK-Abschlussjahres berichtet begeistert: „Auslandsreisen sind eine tolle Möglichkeit, mehr aus sich herauszukommen und offener zu werden. Durch das Verständigen mit Händen und Füßen wächstmanüber sichhinaus unddas stärkt das Selbstvertrauen.“ „Sprachbarrieren stellen kein Hindernis dar und man merkt schnell Fortschritte“, fügt Hietbrink hinzu. „Dennoch kommt es gelegentlich zu lustigen Zwischenfällen“, berichtet sie über ihren Aufenthalt in Riga und lacht: „Trotz Übersetzer-App und der Google-Fotosuche habe ich häufiger Lebensmittel auf gut Glück gekauft. Einmal nahmichmir einenvermeintlichenHotdog aus der Backwarenabteilung mit – die Wurst stimmte nur das Brötchen war ein süßes Teilchen und der Käse stellte sich als Pudding heraus.“ Kontakt: Mobilitätsberatung der HwK Koblenz Tel. 0261 398 337 www.hwk-koblenz. de/mobira Mit dem Handwerk die Welt erleben Nicht nur Meister und Gesellen können nach ihrer Prüfung die Welt erkunden. Schon während der Ausbildung im Handwerk besteht die Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Das TeamderMobilitätsberatungderHandwerkskammer (HwK) Koblenz unterstützt Auszubildendewährend ihrer Lehrzeit in Handwerksbetrieben aus dem Kammerbezirk sowieGesellenundMeister imJahrnachdemerfolgreichen Abschluss ihrerPrüfungbeiderOrganisationvonAuslands- praktikaunddemBeantragenvonStipendien.ZurAuswahl stehen zweiwöchige bis dreimonatige Aufenthalte in 33 Ländern Europas. Das Programm „Berufsbildung ohne Grenzen“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Im Vordergrund steht das Ziel, über Grenzen hinweg voneinander zu lernen. Informationen: mobira@hwk-koblenz.de Fotos: privat 04 Vor wenigen Wochen kehrten die beiden Maler- und Lackierermeisterinnen Alicia Hietbrink (rechts) und Hanna Breitbach von einem Berufspraktikum aus Irland zurück. Im Gepäck: Viele neue Eindrücke, die sie in ihre heimischen Betriebe tragen.

Dein Weg zum Traumberuf im Handwerk! Die16-jährigeAnnaLiedkehat allenGrund zur Freude: Neben dem erfolgreichen Schulabschluss steht für die Realschülerin bereits der nächste Schritt ins Berufsleben fest. Nach einem Schnuppertag am Girls’DayundanschließendemPraktikumim Betrieb von Maler- und Lackierermeister Guido Lenzen (links) folgte kürzlich die Unterschrift auf dem Lehrvertrag. Auch die Auszubildende Lea Naja Mestrovic nutzte die Gelegenheit, ihre zukünftige Kollegin in den Betriebsräumlichkeiten in Bad Bodendorf, einem Ortsteil der Stadt Sinzig im Landkreis Ahrweiler, zu begrüßen. Die 22-Jährige befindet sich im zweiten Lehrjahr und ist glücklich, trotz eines kleinen Schlenkers im Maler- und Lackiererhandwerk angekommen zu sein. Dennzunächst schriebsichLeaNaja für ein Studiumein.SchonbaldmerktedieAbiturientin jedoch, dassdasStudentenlebennicht ihrem Tatendrang und ihrer Machermentalität entsprach. Als das Ahr-Hochwasser im Juli 2021 große Schäden amHaus ihrer Eltern anrichtete, hieß es dann: Mithelfen. „Erst da habe ich erfahren, was es heißt, ‚richtig‘ zu arbeiten. Es hat mir großen Spaß gemacht, mit anzupacken“, erklärt LeaNaja, diebis zudiesemZeitpunkt kaum Berührungspunkte mit dem Handwerk hatte. „MeineMutter schlugmir daraufhin vor,unserenNachbarn,GuidoLenzen,nach einem Praktikum zu fragen“, berichtet sie. Gesagt, getan: „EineWoche langdurfte ich eine Baustelle von Grund auf begleiten. Danach ging es ganz schnell: Schon einen Monat später war ich exmatrikuliert und begann meine Lehre“, erinnert sich die angehende Malerin und Lackiererin. Ganz klassisch klingt dagegen der Findungsprozess von Anna, die schon immer einFaiblefürdasMalenundZeichnenhatte. Ein Tag reichte aus, um ihre Begeisterung für das Maler- und Lackiererhandwerk zu wecken. AmGirls’Day beimMalerbetrieb Lenzen erhielten mit ihrer Unterstützung nicht nur eine Wohnung und ein Carport einen neuen Anstrich, sondern auch eine Fassade ein frisches Erscheinungsbild. Zurecht durfte die jungeHandwerkerin am Ende des ereignisreichen Arbeitseinsatzes stolz auf sich sein: „Besonders gut gefallen hat mir die praktische Arbeit, und dass ich amEnde des Tages sehen konnte, wasman erreicht hat.“ „Ichkannnur empfehlen, sichauszuprobieren“, resümiert Anna und Lea Naja stimmt zu: „Praktika sind eine tolle Möglichkeit, in Berufe reinzuschnuppern. Dafür kann man ruhigmal eineWoche der Schulferien opfern.“Auchder48-jährigeGuidoLenzen betont als Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Ahrweiler: „Praktika sind für beide Seiten ein Gewinn. Zum einen lernt der Bewerber den Beruf und Betrieb kennen. Zumanderen kann der Betrieb das handwerkliche Geschick einschätzen und sehen, ob es auch menschlich passt. Denn das spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für eine erfolgreiche Ausbildungszeit.“ Kontakt: Handwerksmeister Guido Lenzen Tel. 02642 903 521 www.maler-lenzen. de 05 Lea Naja Mestrovic (rechts) und Anna Liedke haben sich für eine Karriere im Handwerk entschieden und starten als auszubildende Maler- und Lackiererinnen voll durch. Schule geschafft; Ausbildungsvertrag in der Tasche. Der Start ins Berufsleben gelungen und damit auch der erste Schritt zum selbstverdienten Geld. Da hat man erst einmal wenig Lust, sich um die nötige Absicherung zu kümmern. . Doch um einen Fehlstart zu vermeiden, ist es wichtig, mit Beginn derAusbildung seinenVersicherungsschutz zu überprüfen und anzupassen, rät die SIGNAL IDUNA Gruppe. Nicht nur für Berufseinsteiger steht die private Absicherung der Arbeitskraft an erster Stelle. Wer gerade seine berufliche Laufbahn begonnen hat, denkt zwar noch nicht unbedingt an ein Ausscheiden aus dem Berufsleben. Doch sollte niemand vergessen, dass statistisch jeder vierte Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig den Hut nehmen muss. Daher zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung zu den wichtigsten Versicherungen, um die man sich bereits als „Neueinsteiger“ ins Arbeitsleben kümmern muss. Mit der Grundfähigkeitsversicherung SI WorkLife Komfort bietet SIGNAL IDUNA eine Alternative an: Sie sichert den Verlust von Grundfähigkeiten wie Hören, Gehen, Greifen oder Autofahren ab. Verliert der Versicherte eine der vereinbartenGrundfähigkeiten,wirddievollevereinbarteRente gezahlt, und zwar unabhängig davon, ob der Versicherte noch seinen Beruf ausüben könnte. Wer später doch in eine Berufsunfähigkeitsversicherungwechselnmöchte, kanndies bis zu seinem 35. Lebensjahr ohne Gesundheitsprüfung tun, wenn er die kostenlose EXKLUSIV-Option vereinbart hat (bis zum 30. Lebensjahr möglich). Wichtig: auf jeden Fall den Haftpflichtversicherungsschutz überprüfen. Wer nicht unter Umständen ein Leben lang für verschuldete Schäden SIGNAL IDUNA bietet Absicherung für Jugendliche finanziell geradestehen möchte, für den ist eine Haftpflichtversicherung obligatorisch. Bis zumEnde der ersten Berufsausbildung sind unverheiratete Kinder zwar über den Vertrag der Eltern abgesichert. Voraussetzung ist allerdings, dass diese überhaupt eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Sehr sinnvoll ist eine private Unfallversicherung, denn die Gesetzliche zahlt nicht bei Freizeitunfällen. Mit der Versicherungsleistung lassen sich die finanziellen Folgen eines schwerenUnfalls abmildern und beispielsweise eventuell notwendig werdende behindertengerechte Umbauten der Wohnung finanzieren. Auch das Thema Altersvorsorge sollte man als Berufseinsteiger nicht ganz aus dem Auge verlieren – trotz des noch schma- len Geldbeutels. Denn die gesetzliche Altersrente wird später nicht ausreichen. Je früher man beginnt, privat vorzusorgen, desto mehr lässt sich schon mit geringen Sparbeträgen erreichen. Zudem gibt’s vom Arbeitgeber zumeist noch vermögenswirksame Leistungen und bei niedrigenEinkommenvonVater Staat die Arbeitnehmersparzulage. Weitere Informationen erhalten Sie über unsere SIGNAL IDUNA Außendienstpartner, oder unter www.signal-iduna.de. Kontakt: Tel. 0231/135-0 , gd.koblenz@signal-iduna.de Anzeige

Elektro-Witsch legt sich mächtig ins Zeug Aufgeben ist keineOptionbeimUnternehmenElektro-Witsch inGrafschaft –weder wenn es darum geht, Auszubildende zu finden, noch sie langfristig als gute Mitarbeiter zu halten. Nachdem in der Vergangenheit immermalwieder einLehrling dieAusbildungfrühzeitigabgebrochenhat, reagierte die Geschäftsführung des über 20 Jahre alten Unternehmens nicht etwa trotzig oder resigniert. „Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, woran es lag und was wir tun können, damit Auszubildende sich vom ersten Tag an willkommen fühlen, eingebundenwerden und nach der Ausbildung imbesten Fall als gut ausgebildete Fachkraft bei uns bleiben“, berichtetGeschäftsführerWernerGies. Er istMeister desElektrotechnikerhandwerks sowie Bachelor Professional und hat das Unternehmen, dases seit 1965 inAhrweiler gab, im Jahr 2001 übernommen. Aktuell hat er 31 Mitarbeiter. „WirhabeneinPatenschaftsprogrammentwickelt als Onboarding imHandwerk: JederAuszubildende – ob imElektrobereich oder als Kaufleute für Büromanagement –wirdvon seinemPaten, einemerfahrenen Mitarbeiter, anfangs intensiv persönlich begleitet, kann ohne Hemmschwellen Fragenstellen, bis er sichzurechtfindet und wohlfühlt“, erklärt Gies. Und seine Nachwuchskräftekommendirekt indenGenuss einesFörderprogramms durcheinenexternen Dienstleister, das Elektro-Witsch für denNachwuchs organisiert und finanziert. Die „Neuen“ nehmen zu Beginn ihrer Ausbildung an Intensivwochen in Köln teil und bekommen dort fachliches Basiswissen in kurzer Zeit kompakt vermittelt. „WirmöchtenunsereAuszubildendenvon Anfang an aktiv einbinden. In manchen Unternehmen laufenAzubisdrei Jahre lang nur mit. Wir brauchen aber Facharbeiter, sonst haben wir die doppelte Arbeit, wenn wir ausgelernten jungen Leuten nochmal alles beibringen müssen“, unterstreicht Werner Gies. Mit dieser Erkenntnis wählt das Unternehmen seine Bewerber aus und hat damit die Abbrecherquote inzwischen auf Null reduziert. „Ich habe mittlerweile ein gutes Bauchgefühl, ob jemand zu uns passt.“ Neben der persönlichen Erfahrung setzt das Unternehmen auf einen Einstellungstest, den Werner Gies sich speziell auf den Betrieb hat zuschneiden lassen. „Wir brauchen keine Azubis, bei denen direkt klar ist, dass sie in der Berufsschule permanent hinterherhinken. Das können wir nicht auffangen. Die Anforderungen und Komplexität in unserem Beruf sind gestiegen, da passt es nicht, wenn jemand undiszipliniert ist.“ Gute Erfahrungen hat er mit Studienabbrechern sowie (Fach-) Abiturienten gemacht. „Das ist allerdings keinAussieben – natürlich bekommt jeder eine Chance, der wirklich lernenmöchte.“ Diese Azubis bekommen den fünfwöchigen Intensivkurs als Einstieg sowie bei Interesse weitere Weiterbildungen bezahlt. „Wir führen regelmäßig Feedback-Gespräche, umdieAzubis individuell zu fördern. Wenn jemand das Zeug zum Meister hat, schauen wir auch da, ob wir das sponsernkönnen.“ IhrneuesProgramm hat Erfolg: Momentan hat Elektro-Witsch sechs Auszubildende, die dankbar für die großeWertschätzung sind. „Für 2024 und auch schon das Jahr 2025 nehmenwir gern weitere Bewerbungen an“, lädt Gies ein. Kontakt: Elektro-Witsch GmbH & Co. KG Tel. 02641 267 33 www.elektro- witsch.de Zukunft seit 400 Jahren im Blick Das Unternehmen Schwarz Fensterbau in Holzappel (Rhein-Lahn-Kreis) gibt es seit 400 Jahren und elf Unternehmergenerationen. Viele Auszubildende sind dem Unternehmen ihr gesamtes Berufsleben lang treugeblieben. Zum beeindruckenden Jubiläum gratulierte der Präsident derHandwerkskammer (HwK)KoblenzKurtKrautscheid (von rechts) bei einer Feierstunde Geschäftsführer Thilo Schwarz – hier mit Tochter Clara –, Seniorchef Reimund Schwarz und dem Auszubildenden Florian Volk. Thilo Schwarz betonte, dass Ausbildung für das Unternehmen immer ein wichtiges Thema gewesen sei. Für das hohe Niveau der Ausbildung und auch die Mitarbeiterzufriedenheit imUnternehmen spricht, dass immer wieder Auszubildende bis zum Renteneintritt bei Schwarz geblieben sind. www.fensterbau-schwarz.de 06 Damit kein Azubi mehr frühzeitig abbricht, sucht das Elektrounternehmen in Grafschaft seine angehenden Fachkräfte sehr genau aus und begleitet sie mit einem persönlichen Onboarding sowie intensivem fachlichem Förderprogramm bis zum Meister. Foto: Elektro-Witsch

Von der Azubine zur Inhaberin 22 Jahre ist Pia Krott jung, hat seit einem Jahr ihrenGesellenbrief in der Tasche und den Plan für ihre berufliche Zukunft fest imBlick. Nicht nur befindet sich die junge Glaserin bereits mitten auf demWeg zum Meistertitel. Auchwird sie sich schonbald Inhaberineines eigenenHandwerkbetriebs nennen können. Dann wagt sie den Schritt indieSelbstständigkeit undübernimmt gemeinsam mit ihrem 26-jährigen Kollegen Patrick Bösing ihren Ausbildungsbetrieb, die Glaserei Michael Flicka in Koblenz, unter demneuenNamen „Glasmanufaktur Koblenz“. DasDuo ist eineingespieltesTeam, arbeitet bereits seit demBeginnvonKrottsLehrzeit Seite an Seite und wird sich auch in der Unternehmensführung optimal ergänzen. Denn Bösing bereichert die Glaserei seit dem erfolgreichen Quereinstieg im Jahr 2021mit seinembreitenWissensrepertoire als Tischlergeselle, glänzt bei der EntwicklungundhandwerklichenUmsetzung neuer Projekte und hält seiner Kollegin undkünftigenGeschäftspartnerinwährend ihrer zeitintensivenMeisterausbildungden Rücken frei. Dazu bringt die wissbegierige Krott das technische Knowhow mit viel Kreativität und Tatendrang in den Betrieb ein. Dieses vertieft sie nicht nur in der Meisterschule, sondern auch beim Vorbereitungstraining für die Deutsche Meisterschaft im Glaserhandwerk im Bundesleistungszentruman der Glasfachschule Hadamar. Für die Karriere im Handwerk entschied sich Krott aktiv. Sie ist überzeugt: „Nicht nurkannman imHandwerksehrgutesGeld verdienen. Es bietet auch sichere Arbeitsstellen, denn Handwerker werden immer gebraucht.Wenn jemandAbitur oder einen Studienabschluss hat, bedeutet das nicht, dass er im Büro arbeiten muss.“ Schnell fandsie imGlaserhandwerk ihreBerufung. „Glas ist ein wirklich zukunftsträchtiger Baustoff mit großen GestaltungsmöglichkeitenundauchdieTechnikentwickelt sich immer weiter“, betonen Krott und Bösing und erklären: „Wir haben die gleichen Ziele für den Betrieb und möchten, dass die Glaserei gesund wächst. Geplant ist, dasHauptgeschäft nach und nach umneue Themenzuerweitern.Dennwirhabenviele neue Ideen, von denen einige bereits fest auf unserer Agenda stehen.“ Dabei sind die beiden nicht auf sich allein gestellt. Krott und Bösing können auch in Zukunft auf die umfangreiche Erfahrung von Michael Flicka vertrauen. Den Glasveredelungsmeister freut es sehr, das 1998 von ihm gegründete Handwerksunternehmen in gute Hände übergeben zu können. Dafür räumt er diePole-Position, umindie Rolle des Beraters zu wechseln. Er war es, der den beiden die Idee der Übernahme erstmals vorschlugund ist sich sicher, dass sie die Glaserei erfolgreich weiterführen werden: „Für unsere Kunden ändert sich nicht viel, denn das Team arbeitet bereits seit Jahren in der Werkstatt zusammen.“ Dennoch ist der 60-Jährige sich seines Auftrags sehr bewusst: „Natürlich stehe ich ihnen auch in den folgenden Jahren weiterhin zur Seite und werde mich jedes Mal freuen, wenn mein Rat mal wieder gefragt sein sollte – aber einen guten Job habe ich natürlich dann gemacht, wenn das nicht mehr notwendig ist und sie auf ihren eigenen Beinen stehen.“ Kontakt: Glaserei Michael Flicka Tel. 0261 8058 814 m.flicka@ glas-flicka.de Gute Aussichten mit 25 Peter Dinkelbach ist 25 Jahre und er hat als Abiturient sehr bewusst den Weg ins Handwerk gewählt, schaut nun zufrieden und auch mit Stolz auf die letzten Jahre zurück. Aktuell bereitet er sich auf die Betriebsübernahme seines Ausbildungsbetriebes vor. „Sehe ich, wo mein Umfeld, mein Freundeskreis, die studieren gegangen sind, heute imLeben stehen, kann ich zufrieden und auch stolz auf das Erreichte sein“. Denn der Ausbildung folgte der Meisterkurs. Mit 25 Jahren wird der Dachdeckermeister nun auf die Übernahme seines Ausbildungs- undArbeitgeberbetriebes vorbereitet. Vom Abiturient zum Lehrling zum Chef – das ist der vorgezeichnete Karriereweg. Einer, den im Handwerk immer öfter auchAbiturienteneinschlagen.Dennverstärkt suchen Jugendliche bei der Berufswahl auch ideelle Inhalte, die sich über handwerkliches Wirken nachvollziehbar ergeben: Sehen, was man mit eigener Arbeit geschaffen hat, das bedeuten Selbstwertgefühl und Bleibendes, das für andere einen hohen Wert ausmacht. Zumal Handwerk eine zunehmende öffentliche Wertschätzung erfährt und Jugendlichen Perspektive und Zukunft bietet. Peter Dinkelbach steht für diese Generation exemplarisch. 07 Letztes Jahr noch beste Gesellin ihrer Fachrichtung Verglasung und Glasbau bei der „Deutschen Meisterschaft im Handwerk – German Craft Skills“, schon heute auf dem Weg zum Meister. Und morgen? Betriebsinhaberin! Glaserin Pia Krott nimmt ihre berufliche Zukunft voller Tatendrang in die eigenen Hände.

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Papa ist mit 30 Azubi in Teilzeit Auf die Bank aus Massivholz ist Daniel Jungbluth sichtlich stolz: „Die wird jetzt noch lackiert, dann ist sie fertig“, erklärt er und posiert bewusst nur mit ausgeschaltetemSchleifgerät fürsFoto. Immerhinhat er viele Stunden daran gearbeitet, bis aus der grobenEschenholzbohle eine schlicht-elegante Bank wurde. Ein selbstgebautes Möbelstück zu präsentieren, macht ihn glücklich und bestätigt ihm auf einen Blick, dass es richtig war, sein Leben mit 30 Jahren komplett umzukrempeln. Nach der Schule hatte Daniel Jungbluth zunächst einen ganz anderen Weg eingeschlagen: In der Nähe von Mainz aufgewachsen, machte er eine dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration, arbeitete erfolgreich in leitender Position. Nach einigen Jahren spürte er aber, dass ihn dieser Beruf nicht erfüllt und hörte auf sein Bauchgefühl. Das führte ihn direkt in eine Schreinerei. „Mein Vater ist Tischlermeister. Er hatte mir abgeraten, nach der Schule die gleiche Ausbildung zu machen, weil er das Handwerk zu seiner Zeit als ,Knochenjob’ erfahren hat.“Trotzdemsteckte Jungbluth das Arbeiten mit Holz wohl einfach im Blut. Schon als Kind hatte er gern in der Werkstatt desVatersmitgewerkelt, bekam dort früh eine eigene Werkbank. Als Erwachsener wurde das Bauen von Möbeln oder Reparaturen für Bekannte in der eigenen kleinen Werkstatt zu seinem Hobby. Dasmachte sichbezahlt, als er nun den Sprung in ein zweites Arbeitsleben wagte. „Meine Frau und ich sind 2015 und 2017 Eltern geworden. In meinem früheren Job war ich viel unterwegs, das hat nun nicht mehr zu meinem Leben gepasst.“ 2022 nahm er Elternzeit, die er auch dafür nutzte, in einer Schreinerei auszuhelfen.DieArbeit begeisterte ihnund nachdem er seine Pläne mit seiner Frau besprochen hatte, bewarb er sich bei der Holzwerkstätte Kutzner&Ritzdorf in Bad Breisig. Dieses Unternehmen hatte ihm Claudia Wildermann vermittelt, die als engagierter Ausbildungscoach der HandwerkskammerKoblenzeinhervorragendes Gespürdafürhat,welcheUnternehmenund Ausbildungswilligen zueinander passen. Tatsächlich brauchte Jungbluth besonders offeneArbeitgeber: Er ist vergleichsweise alt als Einsteiger und absolviert seine Ausbildung inTeilzeit (siehe Text rechts), da er sich die Kindererziehung mit seiner Frau teilt. Außerdem ist er direkt im zweiten Lehrjahr eingestiegen, da seine Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt ist. „Normalerweise sind wir bei Teilzeitjobs skeptisch, aber dann haben wir gedacht, wir machen das. Daniel hat auf Fotos gezeigt, was er bereits allein hergestellt hat. Das sah gut aus. Außerdem hat er ein hervorragendesVerständnis fürCNC-Maschinen“, erklärt Chef Mike Kutzner. Und der andere Chef Martin Ritzdorf (beide Foto rechts) ergänzt: „Durch unsere Vielfalt sind wir flexibel. Er kann an seinem vollen Arbeitstag auf Baustellen arbeiten und anhalbenTagen inderWerkstatthalle, um sich mittags pünktlich um die Töchter zu kümmern.“ Nach elf Monaten sind alle hochzufrieden: Jungbluth liebt seine neue Arbeitswelt unddieChefs freuen sichüber den außergewöhnlich wissbegierigen, selbstständigenAzubi, der später auf jeden Fall den Meister machen will. Kontakt: Holzwerkstätte Kutzner& Ritzdorf Tel. 02642 9939 797 www.kutzner- ritzdorf.de So klappt die Ausbildung in Teilzeit Eine Ausbildung in Teilzeit ist seit 2020 keine Ausnahmeregelung mehr, sondern grundsätzlich für alle zulässig. Hier sind einige Eckdaten dazu: ImDetail erläutert dieArbeitsgemeinschaft (AG)derHandwerkskammernRheinland-Pfalz, dass bei der Teilzeitausbildung die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit inklusive Berufsschule nach Bedarf um bis zu 50 Prozent verkürztwerdenkann. SokannmandieAusbildungoptimal anpassen. „Esmuss gewährleistet sein, dass dieAuszubildenden trotz Kürzung der betrieblichen Ausbildung mit den Betriebsabläufen und Ausbildungsinhalten vertraut gemachtwerden“, erklärt dieAGdazu.DieKurseder überbetrieblichenAusbildungsindzu100Prozent zubesuchen. Informationen gibt es bei der HwK Koblenz: ausbildung@hwk-koblenz.de Tel. 0261 398 333 09 Daniel Jungbluth ist der beste Beweis dafür, dass eine Ausbildung im Handwerk so gut wie immer möglich ist. Der gelernte IT-Spezialist und Familienvater macht eine verkürzte Tischler-Lehre in der Holzwerkstätte Kutzner&Ritzdorf in Bad Breisig.

ENV räumt Azubis gern Steine aus dem Weg Für Steinmetzmeister Stefan Schlosser ist es Ehrensache, auszubilden. „Ich finde, wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag. Zum einen, um das Handwerk für die Zukunft gut aufzustellen und zum anderen, um Jugendliche aufzufangen, wenn es nicht rundläuft. Dafür bietet das Handwerkdie richtigenStellen.“Er spricht aus Erfahrung, denn er leitet mit seinem Bruder das Familienunternehmen ENV Esterau Naturstein Verarbeitungs GmbH in Holzappel (Rhein-Lahn-Kreis). Den Betriebgibt es seit 1986. Stefanund Joachim Schlosser haben die Geschäftsführung 2006 von ihrem Vater übernommen und bilden seitdem bewusst immer aus. „Natürlich gab es auch schwierige Situationen. Auszubildende tun sich mit dem Lernen schwer, sind anfangs nicht zuverlässig, wollen abbrechen. Aber wir kämpfen um unseren Nachwuchs, und das meist mit Erfolg.“ Der 57-Jährige hat die Erfahrung gemacht, dass Ausbildung nicht nur bedeutet, fachliches Wissen zu vermitteln, sondern dass auch die soziale Komponente eine wichtige Rolle spielt. „Die jungen Leute kommen manchmal ausherausforderndenVerhältnissen, haben vielleicht bisher keine echteUnterstützung bekommen.Das ist abermachbar und fängt in den Schulen an.“ SeinUnternehmen hat fast alleAzubisdurchgelungeneBerufsori- entierung in den Schulen Katzenelnbogen und Nentershausen bekommen. „Die führen den Praxistag imBerufsreifezweig durch. Dieses Konzept sollte flächendeckend und auch im Mittlere-Reife-Zweig angewendet werden“. Anfangs eine ganze Woche und dann einmal wöchentlich schnuppern die Schüler ein halbes Jahr lang in den Betrieb. So bekommen sie einen intensiven Einblick in das Handwerk. DasUnternehmen kann gleichzeitig feststellen, ob der Jugendliche Potential für das Gewerk hat und ins Team passt. „Wir erkennen inzwischen schnell, bei wem es passen könnte und lagen selten falsch. Fast alle ehemaligen Auszubildenden sind bei uns im Betrieb geblieben oder nach einem kurzen Wechsel zu uns zurückgekommen“, berichtet der Steinmetzmeister. Neben dem Praxistag und Praktika während der Schulzeit ist er auch begeistert von der Unterstützung, die sein UnternehmenvonderHandwerkskammer (HwK) Koblenz bekommt, wenn es bei einemAzubi „klemmt“. „Wir hatten schon hervorragende Gesprächemit denAusbildungscoaches, die schnell zur Stelle sind undgemeinsammit demJugendlichenund uns nach Lösungen suchen. Das ist eine wertvolle und meist erfolgreiche Hilfe!“ Sein aktueller Auszubildender Marvin Wolter fühlt sichwohl beiENVundhat sich schnell ins Team eingefunden. Der eher extrovertiert wirkende Jugendliche hatte eine Friseurlehre angefangen. „Da waren mir die Aufgaben nicht spannend genug, vieles hat sich wiederholt.“ Bei ENVwird ihmviel zugetraut, er bekommt vielfältige Aufgaben und positives Feedback. „Es tut gut, wenn man abends sieht, was man den Tag über geschafft hat“, unterstreicht der 20-Jährige. Und das ist für Stefan Schlosser der Beweis, dass es sich immer lohnt, auszubilden und an die Jugendlichen zu glauben. „Handwerk ist zukunftsorientiert und holt die jungen Menschen ab, vermittelt ihnen Selbstvertrauen und Reife. Und das unterstützen wir gern!“ Kontakt: ENV Esterau Naturstein Verarbeitungs GmbH Tel. 06439 7895 www. esteraunaturstein.de Erfolg in Stein gemeißelt Die Ausbildung zum Steinmetz oder Steinbildhauer eröffnet ein Berufsleben voller Vielfalt von Bädern, Küchen und Grabsteinen bis zu Kunstwerken. Mit der Steinzeit hat der Beruf längst nichts mehr zu tun, denn moderne Maschinen übernehmen die harte Arbeit. Gleichzeitig ist für dieFeinheitendas Fingerspitzengefühl der menschlichen Hand gefragt: bei der Restaurierung von Ornamenten und Profilen oder der Rekonstruktion historischerGebäudeteile. Steinmetze undSteinbildhauer erhalten Kulturdenkmäler und ihre kunstvollen Arbeiten sindbei derGrabmalherstellunggefragt.Werhandwerklich begabt ist, gern mit Naturstein arbeitet und mit Technik umgehenkann, für den ist derBeruf dasRichtige.DieAusbildungdauert drei Jahre, derAzubi erhält durchschnittlich zwischen 925 im ersten und 1.175 Euro im dritten Jahr. Kontakt: aubira@hwk-koblenz.de Foto: www.amh-online.de 10 Die Familie Schlosser – im Bild Stefan Schlosser mit Azubi Marvin Wolter – steht in ihrem Unternehmen Esterau Naturstein Verarbeitungs GmbH voll und ganz zum Prinzip Ausbildung. Bei Problemen hilft sie mit Rat und Tat – und hat damit Erfolg.

Horst Wahl GmbH & Co. KG MAXUS Vertragspartner Andernacher Straße 232 • 56070 Koblenz • +49 261 80800-0 Alleestraße 22 • 56410 Montabaur • +49 2602 999752 ALLES SUPER BEIM DIESEL! 25.810 € zzgl. gesetzlicher MwSt. i.H.v. 19 % und Überführungskosten ANGEBOT NUR FÜR GEWERBEKUNDEN Der MAXUS DELIVER 9 überzeugt in jeder Beziehung: Großes Transportvolumen, hohe Qualität, moderner wirtschaftlicher 2.0 Commonrail Turbo Diesel – und ein überzeugend attraktiver Preis. • Bis zu 1.140 kg Nutzlast • Bis zu 2.800 kg Anhängelast • L3H2 mit bis zu 11,5 m3 Ladevolumen DELIVER 9 L3H2 2.0 DIESEL BASE mit Komfortpaket Jetzt bei uns Probe fahren: Abbildung zeigt aufpreispflichtige Sonderausstattung

Olympische Goldhände Dass Uli Becker mit den Händen arbeiten würde, war früh klar: Von Geburt an ist er stark sehbehindert. Die Zeit in einer Regelschule war für ihn eine Qual und der heute 81-Jährige aus Diez im RheinLahn-Kreis war froh, als er mit 13 Jahren eine Lehre zum Holzbildhauer beginnen konnte. Nach der bestandenen Gesellenprüfung arbeitete er ein Jahr für seinen Ausbildungsbetrieb Kilb in Niederselters und stellte Dekoelemente für Stilmöbel her. Als das Unternehmen umstrukturiert wurde und Uli Becker ausschließlich Möbel bei Kunden aufbauen sollte, suchte er sich angesichts seiner Sehbehinderung ein neues Betätigungsfeld für seine begabten Hände. In Frankfurt absolvierte er eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister, bildete sich zum Sportphysiotherapeuten weiter und arbeitete von 1965 an 40 Jahre lang als Masseur und Abteilungsleiter im Diezer Krankenhaus. Nebenher betreute er ein Schwimmbad mit Sauna in Offheim und kam dabei durch Zufall in Kontakt mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft. Deren Physiotherapeut war ausgefallen, Uli Becker sprang ein und damit begann das aufregendsteKapitel seinesBerufslebens: Er betreutedieHockeynationalmannschaft der Herren 18 Jahre lang, begleitete das Team zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles, Seoul und schließlich Barcelona, wo er beimgrößtenTriumph dabei war, als die deutschen Hockeyspieler die Goldmedailleholten.DieSportler betreute er vor und nach dem Spiel sowie natürlich bei akutenProblemendirekt auf demSpielfeld.Was dort vor sichging, ließ er sich auf derBetreuerbank „simultanbeschreiben“. Mit der Mannschaft war er dabei so eng verbunden, dass sie ihmnach ihremgrößten ErfolgeineReplikderGoldmedaille anfertigen ließ und ihn bis heute zuNachtreffen einlädt – zuletzt nachMallorca – uman die Goldplatzierungvor 30 Jahrenzuerinnern. Auch die Damen-Hockeynationalmannschaft betreute er bei 70 Länderspielen und bis zum Weltmeistertitel in Buenos Aires. Sein exzellenter Ruf verbreitete sich schnell bei vielen Vereinen. Eines Tages meldete sich eine Firma, durch die er medizinisches Taping kennenlernte. Er wurde Experte und machte die effektive Methode zur schnellen Stabilisierung und Schmerzlinderung in Seminaren bekannt, die ihn bis nach China führten. Und er entwickelte sein legendäres „6x6 des Aufwärmens“, als er bei seinenBehandlungen merkte, dass viele Sportler sich nicht gut vorbereiten auf eine sportliche Belastung. Becker ist selbst begeisterter Leichtathlet und stolz auf seine Marathonbestzeit von 3:13Stunden.Alsostellteer sechsÜbungsartenzusammen, dieDehnung,Kräftigung und Spannung in Einklang bringen, um Verletzungen vorzubeugen. Das Konzept brachte er Dutzenden Vereinen nahe. Er selbst ist nach wie vor fit. Der 81-Jährige behandelt in seiner Privatpraxis Sportler und Patienten, die auf Empfehlung von Ärzten oder Verbänden zu ihm kommen, denn: „Das Schönste, was ich aus meiner Sehbehinderung machen konnte, war es immer, wenn ich anderen Menschen ein bisschenweiterhelfenkonnte!“DieOlympischen Spiele wird er auch in diesem Jahr genau verfolgen, denn: „Ich bin einfach verrückt nach Sport!“ Kontakt: Ulrich Becker Tel. 06432 7910 65582 Diez Der Karriere den Feinschliff geben Das Holzgewerbe hält spannende Berufsfelder mit ausgezeichneten Perspektiven bereit – und das für künstlerische, kreative oder bodenständige Typen. Tischler ist der Überbegriff, unter dem sich für die Arbeit mit dem Naturwerkstoff Holz jede Menge Vielfalt verbirgt. Die unterschiedlichen Berufe der Branche mit ihrer in der Regel dreijährigen Ausbildung haben dabei eines gemeinsam: Es geht darum, das Beste aus edlen Hölzern und anderen natürlichen Materialien herauszuholen. Als Holzbildhauer, Tischler oder Flechtwerkgestalter ist Kreativität willkommen, um Produkte nach eigenen Vorstellungen zu schaffen und die Kundschaft zu begeistern. Für eher bodenständige Typen bietet beispielsweise die Ausbildung zum Parkettleger spannende Möglichkeiten. Infos: service-center.hwk-koblenz.de/berufe-az/t/tischler-in/ 12 Uli Becker aus Diez ist gelernter Holzbildhauer, fast blind und hat an drei olympischen Spielen teilgenommen: Als Sportphysiotherapeut und Masseur hielt er die Hockey-Nationalmannschaft fit, wurde zum Taping-Papst und sorgte mit seinem „6x6“ für Furore.

Edle Steine vom „Goldjungen“ Und das in einer Königsdisziplin, die zwischen 1920 und 1974 nur einen Sieger kennt: die USA. Außer 1960. Da gewinnen vier deutsche Sprinter den vier mal Einhundert-Meterlauf in neuer Weltrekordzeit. Bernd Cullmann war ihr Startläufer. „Meine handwerkliche Ausbildung begann als Katastrophe“, erzählt der heute 84-jährige Edelsteinschleifer über dieAnfänge alsHandwerker. „Ichwar bewegungsverrückt, ging nie einkaufen, sondern lief einkaufen. Rennen, immer rennen, das war mein Leben“. Und dann entscheidet der dominante Vater: Du wirst Edelsteinschleifer, so wie dein Vater und dessenVater. DieMutter weiß: daswird nicht gut gehen, wenn der strenge Vater auch der Ausbilder ist. Also geht der junge Bernd zu einemKollegen in die Lehre. „Nun musste ichstundenlang ruhigdasitzenundhochkonzentriert präzise Schliffe hinbekommen. Ein Graus!“ Dann stirbt der Vater und Bernd fühlt sich vom Diktat der „Berufswahl“ entbunden. „Ich teilte meiner Mutter mit: Ich geh da nicht mehr hin!“ Gemeint ist die Ausbildung. Er will hinschmeißen. Das wissen auch seine Berufsschullehrer und einer schnappt sich den jungen Cullmann, weckt den Ehrgeiz in ihm. „Er hatte mich an der richtigen Stelle erwischt. Meine handwerklichen Leistungen verbesserten sich und ich hatte wieder Spaß an dem, was ich tat.“ Die Gesellenprüfung besteht er mit „sehr gut“. Parallel spielt er Fußball. Aufgrund seiner Schnelligkeit ist die Spielstrategie einfach: weiter Pass in die Spitze und der Cullmann holt sich denBall. Bei einemLeichtathletikfest in Koblenz fällt der flinke Idar-Obersteiner auf. „Es folgte ein Spagat ausFußballundRennerei.“Was ihmzumVerhängnis wird, denn 1959 verletzt er sich auf dem Fußballplatz am Meniskus. Es folgt eine Operation. „Reha gab es damals noch nicht und die Sache verheilte so hulala.“ Was dazu führt, dass ihn die Bundeswehr als untauglich einstuft. „Bei der Musterung wurde ich vermessen und das eine Bein war zwei Zentimeter kürzer als das andere. Da war ich raus.“ Mit diesenzwei ungleichenBeinen trainiert er eisernweiter. Das Ziel: Olympia in Rom 1960. Er schafft dasZiel!Undbereits imVorlaufder Staffel wird der Weltrekord geknackt. Dann kommt der 8. September, 18.10 Uhr. Finale in einem vollbesetzten Stadion. Deutschland geht auf Bahn fünf ins Rennen undCullmann schafft als Blitzstarter eine Sensation: er läuft allendavon, sogardemDauersiegerUSA.„Ich war in der Topform meines Lebens, voller Energie und Kraft.“ 39,5 Sekunden später ist der Fachmann für edle Steine ein Goldjunge. Idar-Oberstein hat einen neuen Superstar, der gerade einmal 20 Jahre alt ist. Doch Cullmann bleibt bodenständig. Zwei Jahre später beendet er die Sportlerkarriere und arbeitet anschließend als Sportlehrer. 1965 legt er die Meisterprüfung als Edelsteinschleifer ab. ImKeller des Wohnhauses richtet er sich die Werkstatt ein, in der Steine den richtigen Schliff erhalten.Undstartet einezweite,weltweite Karriere. Sogar bei der UNO in New York hat er als Botschafter des Landes sein Handwerkdemonstriert.Mindestensgenauso gut, wie er 1960 lief, arbeitet er bis heute als Handwerker. Wenn er das erklärt, wird es eindeutig: der Sportler Cullmann spielt mit demHandwerker in einer Liga. „Da stelle ich nicht das eine über das andere.“ Beim Blick auf seinen Berufseinstieg muss er lachen. Und hat eine Botschaft: „Nicht aufgeben und an sich arbeiten. Dann kann man es wirklich sehr weit bringen.“ Sagt ein Olympiasieger über sein Handwerk ... 13 Bernd Cullmann ist Edelsteinschleifermeister. Und Olympiasieger! Anzeige www.jung-kraemer.de mehr • Photovoltaik • Heizung • Sanitär • Solar • Kundendienst 57644 Hattert Tel. 0 26 62 / 79 11 Wärme und mehr • • Sola Räume zum Leben. Bäder zum Träumen. Arthur Richter Service GmbH Telefon: 0261 88908-0 Telefax: 0261 88908-90   24-STD-NOTDIENST Heizung/Sanitär: 0163 7871038 Lüftung/Kälte: 0163 7871039 Treppen - Geländer - Tore Stahlbalkone - Überdachungen Edelstahlverarbeitung Hauptstraße 122 56332 Wolken Tel.: 02607 / 1359 info@sturm-wolken.de saniTär-heizung-Klima meTall-handWerKe

Infos direkt verwurstet WegvomSchreibtischundganznah ranan dieProduktionvonSteaksundLeberwurst, Fleischkäse und Räucherspezialitäten im Fleisch-Hof Bayer in Niederwallmenach im Rhein-Lahn-Kreis. Genau das hatte sich Dagmar Schweickert vorgenommen. DieRedakteurin arbeitet normalerweise in der Pressestelle der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, schreibt über Betriebe, Ausbildungskampagnen und Handwerks- politik. Die Idee, sich von der Theorie einmal mitten in die Praxis zu trauen, kam durch ihr Hobby – die Kommunalpolitik. Während der Vorbereitung auf die Kommunalwahl entstand dort die Aktion #Praktikum24. Das Prinzip war denkbar einfach: Kommunalpolitisch aktive Menschen wollten nicht nur mit den Bürgern reden und fachsimpeln, sondern den Arbeitsalltag ganz unterschiedlicher Berufe aktiv erleben. „Ich hätte in eine Kita oder zu einer Floristin gehen können, einen Busfahrer oder Schulhausmeisterbegleitenkönnen.Da ich inmeinemBerufnahamHandwerkarbeite, habe ich mich natürlich für einen Handwerksbetriebentschieden.Als ichdieZusage vomFleisch-Hof Bayer bekam, war ich sehr gespannt, wasmich erwartenwürde“, berichtet sie.Wichtigwar ihr, dass sienicht nur einen Rundgang mitmacht, wie sie es bei Betriebsreportagen regelmäßig erlebt. „Auch das ist unglaublich interessant und ich lerne immer wieder Neues!“ Diesmal aber wollte sie selber Hand anlegen. Begleitet wurde sie beim Minipraktikum von Fleischtechniker Gregor Baier. Beim Gangdurchdie unterschiedlichenProduktionsabteilungendurftedieRedakteurinan der Kuttermaschine mit anpacken und die Masse für feine Leberwurst vorbereiten oder Bratwürste im Naturdarm abfüllen (Bildoben). „Das geht durchdieMaschine grundsätzlichsehr einfach– trotzdemmuss man genau aufpassen, um früh genug zu stoppen!“, so ihre Erkenntnis. Natürlich erfuhr sie auf dem Weg durch die Hallen viel über diePrinzipienundGeschichtedes Fleischhofs, in dem zweimal pro Woche undmit großemAugenmerkaufsTierwohl geschlachtet wird. Wöchentlich werden hier 1.000 Schweine und 40 Rinder aus landwirtschaftlichenBetriebenderRegion geschlachtet. Fußbodenheizung, extra leise Gatterverschlüsse, vieleTrinkstellensowie sanfteBerieselungsorgen für eineentspannte Atmosphäre, bevor die Tiere betäubt undschmerzfrei geschlachtetwerden. „Die Anlage wurde mit Tierärzten entwickelt, die sich dem Tierschutz von Nutztieren verschrieben haben“, so Gregor Baier. DieseEinstellungvermitteltDemut vorden mehr als 200Wurst- undFleischprodukten aus Niederwallmenach. Beeindruckt war die Tagespraktikantin besonders von der Mixtur aus technologisch hochmodernen Produktionsabläufen, hohen Hygienemaßstäben und dem Fingerspitzengefühl der Mitarbeiter, die zudem stets an neuen Produktideen feilen. Siehofft, dass sichder WunschderFirmaBayer erfüllt:Dassnoch mehr Menschen ihr Unternehmen kennenlernen möchten, denn „unser größtes Problemist es, Personal zu finden“, erklärt Gregor Baier. „Leider ist unser Beruf mit falschen Klischees behaftet. Doch wenn Praktikantenerstmal hier reingeschnuppert haben, haben wir schon einige für eine erfolgreiche Ausbildung gewonnen.“ Bewerbungen sind also immer willkommen. Kontakt: Fleisch-Hof Bayer GmbH & Co. KG Tel. 06772 939 00 www.fleischhof- bayer.de Landesehrenpreis Genußhandwerk Der Fleisch-Hof Bayer gehört zu 42 Unternehmen, die Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (im Bild rechts) im Jahr 2024 ausgezeichnet hat. Die Ehrung spricht das Land gegenüber herausragenden Betrieben des Lebensmittelhandwerks aus. Der Standort von Bayer in Niederwallmenach ist nach Bio- und Demeterrichtlinien zertifiziert, wird regelmäßig behördlich kontrolliert. Seine Produkte liefert er an Versorger vor Ort, in die Gastronomie und Fleischtheken, jedoch nicht an Discounter. Der Vertrieb der regional und nachhaltig produzierten Wurst- und Fleischprodukte findet auch über sechs eigene Fleischerfachgeschäfte statt. Das Unternehmen hat 220 Mitarbeiter und bildet aus – gern werdenPraktikaangeboten, umdenBeruf kennenzulernen. Informationen: nachhaltig-wirtschaften.rlp.de/ unternehmen-zukunft/metzgerei-bayer.de 14 Foto: MWVWL-RLP / Alexander Sell Eigentlich arbeitet Dagmar Schweickert in der Pressestelle der Handwerkskammer Koblenz. Für einen Tag hat sie die Perspektive gewechselt und beim Fleisch-Hof Bayer in Niederwallmenach spannende Erfahrungen gesammelt.

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