Handwerk Special Nr. 233 vom 28.11.2020
Bäckerhandwerk: Nachhaltigkeit und Regionalität / Stollenprüfung Nr. 233 28. November 2020 www.handwerk-special.de 20 Vom Korn zum Mehl Nichtnurintensivausbilden,sondernLehr- linge auch gründlich darüber informieren, woher die verwendeten Grundstoffe herkommen: Für Bäckermeister Rolf Genn ausWehr ist es seit vielen Jahren eine Her- zenssache,seinenSchützlingeneinGespür fürkompromissloseQualitätzuvermitteln. Denn Nachhaltigkeit und Regionalität sind im Nahrungsmittelhandwerk nicht nur ein offen diskutiertes Thema, sondern auch ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg – vor allem wenn die Infrastruktur dahinter stimmt. 34 Brotsorten hat Rolf Genn im Angebot. DaswissendieKundenzuschätzen, zumal dasVerkaufsteamgenauerklärenkann,was indenProduktendrin ist. DieCorona-Krise hat bewirkt, dass Verbraucher noch kri- tischer geworden sind und vor allem die Nahversorgungskettenwiederneuentde- cken. „Für Kunden, die in ein Fachgeschäft gehen, ist es sehrwichtigzuwissen,woher die verarbeiteten Grundstoffe kommen“, betont Rolf Genn und fügt hinzu: „An der Verkaufstheke wird ausdrücklich danach gefragt“. Genn, der auch Obermeister der Bäcker-Innung Ahrweiler ist, kann da auf diedirekteNachbarschaft und langjährige Kooperationen verweisen. Hauptgrundstoff in einer Bäckerei ist natürlichdasMehl,dasfürdasHandwerks- unternehmenGenninBrohl-Lützingherge- stellt wird. Die Spur führt also ins Brohltal, genauer gesagt zur Mosenmühle, deren Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurück- reicht. Hier wacht Rainer Mosen streng über Produktion und Qualität. „Alles läuft klimaneutral“,betontderMüllermeister,der in dritter Generation die Anlage betreibt. WerihnundseineFamiliebesucht,kommt so schnell aus dem Staunen nicht mehr heraus – und das nicht nur wegen der 16 Mahlvorgänge,diefüreineherausragende Qualität erforderlich sind. Das Herz der Mühle ist ein wasserbetrie- benes, stählernes Mühlrad, das seit 108 JahrenzuverlässigseinenZweckerfülltund auchbeiBesuchernausdenBerufsschulen bleibende Eindrücke hinterlässt. Denn die klassische Produktion in überschaubaren Betrieben, die in unmittelbarer Nähe zu Höfen und Feldern arbeiten, ist selten geworden. Dasweißnatürlich auchRainer Mosen. Wenn er berichtet, dass er direkt vonzweiLandwirteninWehrbeliefertwird, klingt auch einbisschen Stolz auf die lang- jährigenKooperationenmit. Auch imFalle derBäckereiGennhatdieZusammenarbeit einelangeTradition.DenGrundsteinlegten schondieVäterderbeidenheutigenUnter- nehmer. Das war Anfang der 70er-Jahre. Dass sein Betrieb im nördlichen Rhein- land-Pfalz eine Ausnahmeerscheinung ist, spürte Rainer Mosen besonders in den vergangenen Wochen. Corona-bedingt mussteersogarSonderschichteneinlegen, um die Nachfrage befriedigen zu können. Für seinen Hofladen musste er sogar den Verkauf auf haushaltsübliche Mengen re- duzieren. „Der Rainer ist der richtigeMann am richtigen Platz“, sagt auch Rolf Genn anerkennend. Er selbst hat zum 1. August einen neuen Bäckerlehrling unter seine Fittiche genommen – erstmals eine junge Frau. Auch für siewirdesAnschauungsun- terricht in der Mosenmühle geben ... dort, wo nach alter Tradition die feinen Zutaten für das Bäckerhandwerk entstehen. Kontakte: Bäckerei Genn Tel. 02636/ 7455 baeckerei-genn.de Mosenmühle Tel. 02633/ 1513 mosenmuehle.de TV-Beitrag zur Mosen- mühle: www.hwk-tv.de Sendung vom 4. Juli 2018 Bäckermeister Rolf Genn und Müllermeister Rainer Mosen verbindet das Streben nach kompromissloser Qualität. Stollenprüfung: 70 Proben bewertet Für die Stollenprüfer Markus Theißen (im Bild oben von rechts), Alfred Wenz und Karl-Heinz Schmalz waren es zwei ganz „harte“ Tage, als sie sich durch rund 70 Stollen probieren mussten ... Die Lust, sich der traditionellen Stollenprüfung des VerbandesdesRheinischenBäckerhandwerkszustellen, warunterdenBäckerbetriebenausganzRheinland-Pfalz und demSaarland trotz – oder geradewegen! – Corona ungebrochenhoch. Denn inZeitenwiediesen lässt sich über einen hochwertigen Stollen auch Freude und ein Stück Normalität an die Kundschaft weitergeben. Im Rahmen der Prüfung wurden durch die Bäckermeister Geschmack, Geruch, Aussehen und Konsistenz der tra- ditionellen Weihnachtsbackwaren bewertet. Maximal 100 Punkte können vergeben werden, um die begehr- te Gold-Plakette des Bäckerverbandes zu erlangen. Zwischen den Proben gibt es für die Prüfer dünnen, heißen schwarzen Tee, um die Geschmacksnerven zu neutralisieren. Dann checkt der empfindliche Gaumen dienächstekulinarischeVersuchung…einJob,beidem viele gerne tauschen würden mit den Stollen-Profis.
RkJQdWJsaXNoZXIy NzU4Mzk=