Handwerk Special Nr. 233 vom 28.11.2020

ausdrucksstarkes Kunsthandwerk an einem ungewöhnlichem Ort Nr. 233 28. November 2020 www.handwerk-special.de 10 Glaskunst in Bunker-Unterwelt Da meterdicker Beton tief unter der Erde verborgen,durchGebirgeundGeheimhal- tung gleichermaßen geschützt und alles andere als transparent. Dort Arbeiten, die dank des Materials für Zerbrechlichkeit, Durchsicht, farbige Raumgestaltung und künstlerischeAuseinandersetzungstehen. Im ehemaligen Bundesbank-Bunker in Cocheman der Mosel ist imRahmen einer Sonderschaubeidesvereint.DerSchutzbau ist Ausstellungsfläche für die Arbeiten der Glaskünstler Hedi Schon und Norbert KölzerausSülmimEifelkreisBitburg-Prüm. „Der Bunker strahlt den Charme der 60er aus und hat reichlich Patina. Das steht in schönemKontrastzuderKunst,diewirprä- sentieren“,stelltKunstglaserinHediSchon fest. Ehemann Norbert Kölzer ist gelernter Glas- und Porzellanmaler. Beide sind mit ihren Werken auch international gefragt. Hedi Schons Kunstprojekt „Fusion“, ein ZusammenspielausGlasundKlingeldraht, fandseinenWegschonbisnachSüd-Korea. Hinaus in die weite Welt, nun tief unter den Schieferformationen der Moselhän- ge: Zum ersten Mal präsentieren sich die „Fusion“-ArbeitenfernjedenSonnenlichts undweitestgehendinSzenegesetztdurch 40 Jahre alte Leuchtstoffröhren. Die taten ihren Dienst schon im Kalten Krieg, wenn denn überhaupt jemand auf den Schalter drückte. Denn der Geheimbunker beher- bergte ein weiteres Staatsgeheimnis der Bundesrepublik Deutschland. Hier waren 15 Milliarden Mark für den Währungs- krisenfall eingelagert. Der Schutz dieser unbekanntenD-Mark-Serie vor Fälschung oder Diebstahl bestand in ihrer vollkom- menen Isolation. Hinter tonnenschweren Tresortüren weggesperrt, blieb der Kreis der Mitwisser sehr klein. Entsprechend fiel derdamaligePublikumsverkehraus.Besu- cher drangen kaum in diese ewig dunkle Unterwelt vor. Und Glas, ob Scheibe oder Fenster, gab es aus Sicherheitsgründen auch nicht. Nun zieren Glaskunstwerke, darunter Leuchten oder Stapelschalen, die auf FunktionalitätundSachlichkeitgetrimmte Bunker-Unterwelt. Die Übergänge zwischen Kunst- und Ge- brauchsgegenstand sind bei den beiden ausstellenden Handwerkern nicht immer glasklar zu erkennen. „Das ist meistens klar getrennt, oft aber auch fließend und nur schwer klar zu definieren“ erklärt Hedi Schon. Es gibt Gegenstände, wie Teller und Lampen, die einen praktischen Sinn haben. Aber auch Kunstobjekte, die rein ästhetischer Natur sind. Schönheit muss nicht immer funktionell sein … Den Weg in den Bunker haben maßgeb- lich auch die heutigen Eigentümer der ehemaligen Bundesbankliegenschaft mitgestaltet. Petra und Manfred Reuter eröffneten2016dieDokumentationsstätte, die seitdemüber das sehr spezielle Thema Geldversorgung im Krisenfall informiert. Die Kombination aus Geschichtsvermitt- lung und Kunstprojektion soll weitere Besucher ansprechen. Sie steht aber auch für eine thematische Öffnung dieses einst so verschlossenen Ortes. Bis zum 15. Januar 2021 können sich Be- sucher selbst davon ein Bildmachen ... tief unter den Moselhängen. Kontakt: Bundesbank- Bunker, Cochem, bundesbank- bunker.de Kunsthandwerk imAtomschutzbunker Die Glaskünstler Hedi Schon und Norbert Kölzer aus Sülm im Eifelkreis Bitburg-Prüm stellen aktuell ihre Arbeiten im Bundesbank-Bunker in Cochem aus. BeidesindMitgliederdesArbeitskreises„Werkform“der Handwerkskammer Trier. Norbert Kölzer ist gelernter Glas- und Porzellanmaler. Unter anderem restaurierte erdasmittlereRenaissance-ChorfensterderAbteiSankt Matthias in Trier, hat auch international mit seinen Ar- beiten Spuren hinterlassen. So montierte er für einen Geschäftsmann in Bangkok ein Glasdachfenster für dessen Privatmuseum. Hedi Schon hat sichmit Glasge- staltung undMalerei einen erstklassigen Ruf erarbeitet. Kontakt: www.hedischon.de Foto: HwK Trier Ein Atomschutzbunker und filigrane Glaskunstarbeiten, transparentes Spiel mit Licht an einem dunklen Ort – eine an sich widersprüchliche, auf jeden Fall spannende Kombination.

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