Handwerk Special Nr. 228 vom 06.09.2019

Andernacher leben moderne Haustechnik im eigenen Betrieb vor Nr. 228 6. September 2019 www.handwerk-special.de 16 Die Unabhängigen DerMeisterbrief ist undbleibt einwichtiges Qualitätssiegel im Handwerk. Ein Grund, sich nach den Prüfungen auf den Lorbeeren auszuruhen, ist er jedoch nicht. „Wennman nichts für seine Weiterentwicklung tut, ist das Fachwissen nach drei Jahren veraltet“, ist René Görgen überzeugt. Er selbst führt denTraditionsbetriebGörgenHaustechnik, derbereitsseit1896besteht.AndieUrsprün- ge erinnern heute nur noch Urkunden und alte Fotos. Der Betrieb in der Andernacher Füllscheuer hat sich zu einem hochmo- dernen Handwerksbetrieb entwickelt, der weitgehend energieautark ist. Meister Görgen sieht die Energiewende als große Chance für das Handwerk. Am liebsten würde er deshalb seine kleine Fahrzeugflotte sofort auf Elektroautos umstellen. Doch trotz allerVerbesserungen in jüngster Zeit bleibt aus seiner Sicht das Reichweitenproblem, vor allemdann,wenn die Kleintransporter voll beladen sind. Da- gegen gab es in anderen Bereichen enorme Verbesserungen, die umweltfreundliche Technologien alltagstauglich gemacht ha- ben. Etwa bei der Fotovoltaik. Die heutigen Module sind kleiner und leistungsfähiger, vor allem aber können sie von morgens bis abends arbeiten, weil die Anlagen längst in Ost-West-Richtung montiert werden kön- nen. Ältere Modelle waren dagegen nach Süden ausgerichtet, um möglichst schnell viel Energie in die öffentlichenNetze abzu- geben. Selbstversorgung war damals noch kaum ein Thema, heute schon. Zumindest beim Neubau von Eigenheimen. Gerade hier kann heute eine große Bandbreite von Technologien eingesetztwerden,wobei das Spektrum von einfachen Solarthermie-An- lagen zur Warmwasseraufbereitung bis hin zur Elektro- oder Gaswärmepumpe reicht. Auch im Bestand gibt es viele Handlungs- varianten – so der Austausch vorhandener Anlagen, wobei in der Regel die neueste Generation von Brennwertkesseln zum Einsatz kommt. Immer beliebter werden Brennstoffzellen fürs Eigenheim, die nicht nur heizen, sondern auch Strom erzeugen können. RenéGörgen geht selbst voran und nutzt diese Technik in seinem Betrieb. Er kombiniert siemit einer Fotovoltaikanlage. So wird ein Selbstversorgungsgrad von 94 Prozent erreicht. Welche Systeme schließlich von den acht Monteuren installiert werden, hängt von einer soliden Planung ab. Dafür ist Bernd Schneider zuständig. Der Jungmeister übernimmt zudem die Überwachung der Baustellen. Er weist darauf hin, dass sich auch im Bereich der Wasserversorgung einiges getanhat.DenndieTrinkwasserver- ordnung nimmt seit 2010 auch Vermieter in die Pflicht, für einwandfreie Qualität der hausinternen Wasserleitungen zu sorgen. Und so werden heute Kreislaufsysteme installiert, die verhindern, das Wasser in einer Nebenleitung „absteht“. „Man sieht: Das SHK-Handwerk ist viel- seitig und bringt jeden Tag neue Herausfor- derungen“, betont René Goergen. Er selbst ist Chef von insgesamt 17 Mitarbeitern. Eine junge Frau wird zur Bürokauffrau ausgebildet, während zwei Männer Anla- genmechaniker SHK werden wollen. Dass RenéGoergen einemSyrer die Chance gab, eine verkürzte Lehre zu machen, hat sich ausgezahlt. Der 38-Jährige hat das Hand- werkbereits imelterlichenBetrieb inSyrien gelernt und ist voll integriert. Unternehmenschef René Görgen (rechts) und sein Technischer Leiter Bernd Schneider gehen mit gutem Beispiel voran: Ihr Betrieb kann sich weitestgehend selbst mit Energie versorgen. Kontakt: Görgen Haustechnik GmbH & Co. KG Tel. 02632/ 947 940 www.goergen- haustechnik.de Der Chef unterstützt ihn Für Bernd Schneider (Foto) ist alles glatt gelaufen. „Fast durchweg mit der Note sehr gut“, freut sich der junge Installateur- und Heizungsbauermeister. Be- sonders dankbar ist er seinem Chef René Görgen. „Ich konnte Urlaubstage und Überstunden sam- meln und mich dann für die Meisterkurse freistel- len lassen“. Von Anfang an kam für ihn nur die Vollzeitausbildung bei der HwK Koblenz in- frage. Zum einen wollte ersichvollaufdenErwerb desGroßenBefähigungs- nachweises konzentrie- ren, zum anderen wollte er auch noch genug Zeit für seine beiden kleinen Kinder und die Familie haben. Dankbar ist er dabei insbesondere seiner Frau Elena, weil sie sich in der harten Lernphase umdieKindergekümmert hat. Wie es in Zukunft weiterläuft? „Mit meiner Stellung als technischer Leiter bei Görgen bin ich Haustechnik wandelt sich rasant: Andernacher Meisterbetrieb zeigt, wie das Handwerk richtig reagiert. hoch zufrieden“, sagt Bernd Schneider, der vor allem das gute Betriebsklima und die täglichen Herausforderungen zu schätzen weiß.

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