Handwerk Special Nr. 227vom 27.04.2019
Traditionsbetrieb modern aufgestellt / 100-jährige Platin-Meisterin Nr. 227 27. April 2019 www.handwerk-special.de 15 Die Raumgestalter Montabaur hat sich in der jüngeren Ver- gangenheit stark verändert. ICE-Bahnhof, derneueStadtteil,TheStyleOutletundviele weitere Bauprojekte stehen für denWandel der Stadt im Westerwald. Von dieser Ent- wicklung hat auch das Handwerk profitiert. So mancher Betrieb revanchiert sich mit hohen Investitionen in den Standort. Dazu gehört auch die Raumgestaltung Schmidt, die erst kürzlich einen Erweiterungsbau eingeweiht hat. Nicht weit vom Bahnhof entfernt, am Kreisel zur Eschelbacher Straße, begrüßen die Unternehmensfahnen die Suchenden, die oft mit hohen Ansprüchen anreisen. „Unsere Kunden wollen ganzheitliche Lösungen“, erklärt Geschäftsführer Hans Georg Schmidt. Er spricht damit eine neue Entwicklung in der Branche an, die sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt hat. Und damit auch die Handwerksunter- nehmer. Der Geschäftsführer ist nicht nur Estrich- und Bodenleger-Meister, sondern auch Industriekaufmann. Die zweite Ausbildungwar nach der Lehre im elterlichen Betrieb eine ganz bewusste Entscheidung. Hans Georg Schmidt wollte genau wissen, wie Vertrieb und Logistik funktionieren. Denn von Anfang an stand für ihn fest, eines Tages den 1958 vom Vater Erwin Schmidt gegründeten Betrieb zu übernehmen und auf mehreren Stand- beinen neu auszurichten. Als er 1986 in das Unternehmen einstieg, ging es fast ausschließlich um Bodenbeläge. Schmidt und seineEhefrauSabine, die ebenfalls eine kaufmännischeAusbildung hat, erkannten schnell, dass Kunden ansprechende Aus- stellungsräume brauchen, in denen sie in Ruhe auswählen und sich beraten lassen können. Dennmeistens bleibt es nicht beim Bodenbelag, auch für Wände und sonstige Ausstattungen sindLösungen gefragt. Und someistern Schmidts einen Spagat: Einer- seits stellen sie spezialisierteVerkäufer ein, andererseits müssen sie auf den Baustellen langlebige Qualitätsarbeit leisten. Auf der Suche nach einem neuen, gut frequentierten Standort, wurde man in Montabaur fündig. Die alte Villa wurde komplett entkernt und nach einer aufwen- digen Umbauarbeit durch einen modernen Anbau komplettiert. „Unsere Kunden wollen neben einer guten Beratung auch sehen, welche Materialien sich für ihr Ob- jekt besonders eignen“, erklärt HansGeorg Schmidt. Das siebenköpfige Team des Unternehmens,zudemauchTochterIsabell gehört, hat nun ein optimales Umfeld – und dank meisterlicher Handwerksarbeit auch gute Perspektiven. Kontakt: Schmidt GmbH 56410 Montabaur Tel: 02602/ 951446 Internet: www. schmidt- fussboden.de Hans Georg und Sabine Schmidt spüren Wohn-Trends auf und setzen sie mit ihrem Montabaurer Handwerksbetrieb gekonnt um. 100-jährige Meisterin Emilie Gillert Am 8. Januar 1919 kam sie in Köln zur Welt, am 21. Februar 1948 bestand sie die Prüfung zur Damen- schneidermeisterin in Koblenz. Wenn die 100-jährige Emilie Gillert (Foto links) aus ihrem Leben erzählt, ist das eine faszinierende Zeitreise der besonderen Art. Kindheit und Jugend verbrachte sie in Brasilien, wo sie auch als Schneiderin ausgebildet wurde. „In Deutschland herrschte Armut, und meine Eltern beschlossen denWeg- gang nach Südamerika“, erzählt die Seniorin. Die brasilia- nischen Jahre trägt sie immer noch imHerzen.DerKontakt zu einigen befreundeten Familien hält bis zum heutigen Tag. In den 1930er-Jahren kehrte die Familie zurück nach Deutschland. EmilieGillertwurde inAndernachheimisch. DieMeisterprüfungwurdezurHerausforderung,„denneine Gesellenprüfung wie in Deutschland gab es in Brasilien nicht. Als ich mich zur Meisterprüfung anmeldete, sagte manmir, ohneGesellenprüfung sei das nicht zu schaffen.“ DieAntwort der jungen, selbstbewussten Frau: „Dasmuss ich doch wissen, ob ich es schaffe.“ Der Meisterbrief von 1948 beantwortet es unmissverständlich. Das Prüfungsstück besitzt die 100-Jährige immer noch. Und natürlich den Meisterbrief. Mit ihm gründete sie eine Schneiderei in Andernach. Doch wieder zog die Familie um. Emilie Gillert gründete ihre eigene, zog Kinder groß und gab den Betrieb auf. Geschneidert wurde weiterhin „für denprivatenGebrauch“.Handwerkmeisterinmit Leib und Seele – das ist sie immer noch und rät der jüngsten Meistergeneration: „Macht etwas aus Euch! DieMöglich- keiten heute sind besser als damals nach demKrieg.“Ganz besonders freut sie sich über ihren aktuellen Meisterbrief in Platin anlässlich des 70. Meisterjubiläums. Dass ihr die Handwerkskammer Koblenz den ganz persönlich im Bielefelder Wohnort überreichte, „erfüllt mich mit großer Freude!“SieerzähltbeidieserGelegenheitüberspannende, sicherlich nicht immer einfache 100Lebensjahre, in denen der Meisterbrief einen besonderen Platz einnimmt.
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