Handwerk Special Nr. 225 vom 08.12.2018
Mit Wasserdampf genäht Lederduft ist im Raum. Nähmaschinen surren. Die Stanzmaschine ist in Betrieb. Die Lederwerk- statt in der Gänsmühle im Hunsrückort Martinstein ist das Reich der Schmel- zers. Hier entwerfen und nähen drei Generationen Lederwaren aus rein pflanzlich gegerbtem Rindsleder. Ute Schmel- zer hat vor etwa 35 Jahren die alte Ölmühle zu ihrer Werkstatt ausgebaut. Drei Generationen arbeiten in der Lederwerkstatt Hand in Hand Träume aus Glas Mohammed Reza Ostovari ist wieder dabei Winterausstellung in der Koblenzer Galerie Handwerk Nr. 225 8. Dezember 2018 www.handwerk-special.de 6 Seit 2005 ist sie für das Sattler- undFeintäschnerhandwerkindie HandwerksrollederHandwerks- kammer Koblenz eingetragen. „Eigentlich bin ich über mein Hobby, das Basteln, zum Hand- werk gekommen. DieArbeit mit dem schönen Werkstoff Leder gefällt mir und inspiriert mich immer wieder aufsNeue“, so die gelernteSozialarbeiterin. Inzwi- schen ist Tochter Lenamit dabei. Sie kümmert sich vorrangig um den Vertrieb. Auf Märkten und Messen deutschlandweit stellt sie die Hunsrücker Lederwaren aus. Bei der Winterausstellung der HwK Koblenz haben die Taschen,Kulturtaschen,Knipser und Mäppchen aus der Gäns- mühle ihre Premiere. Mit 96 Jahren in der Endfertigung Dritter im Bunde ist Opa Fredy. Jeden Tag steht der 96-Jährige von 9 bis 12.30Uhr mit Hammer undMesseranderWerkbank.„Er istfürdasAnbringenvonRiemen und Verschlüssen, sozusagen die Endfertigung, zuständig“, erklärt die Tochter. Opa Fredy geht energisch zu Werke. Das Stehen scheint ihmnichts auszu- machen. „Ich bin so fit, weil ich hier arbeiten kann und gebraucht werde“, schmunzelt er und dreht dabei schonmal an der Schraube von seinem Hörgerät. Das Leder beziehen die Schmel- zers aus einer kleinenGerberei in Süddeutschland. Hier wird mit pflanzlichen Gerbstoffen ohne Formaldehyd oder organische Lösungsmittel gearbeitet. Die Lederoberfläche wird nicht künstlichüberdeckt.Auchbeider Arbeitsweise achtet die Familie Mohammad Reza Ostovari in seinem Atelier in Kaltenengers. Die Lederwerkstatt, Martinstein Gegr. 1885 | 4 Mitarbeiter | Lederarbeiten aus natürlich ge- gerbten Rinsleder | Tel.: 06754/ 252 | www.dielederwerkstatt.de aufNachhaltigkeitundSchonung der Ressourcen. So wird der be- nötigte Strom für die Werkstatt mit Wasserkraft selbst erzeugt. „Wir nähen unsere Taschen mit Wasserdampf. Auch das macht sie einzigartig.“ In der Gänsmühle werden Ta- schen in Kleinserie, aber auch Sonderanfertigungenproduziert. „Je nachdem wie das Leder gewalkt wird, eignet es sich für eine bestimmte Verwendung. Jede Tasche hat ihre eigene Struktur. Jeder Schulranzen ist anders. Wir arbeiten mit einem Naturprodukt, das eigeneRegeln schreibt“, so Ute Schmelzer. Abfall entsteht bei derArbeitmit Leder wenig. Selbst der kleinste Rest wird noch verwertet, so als Applikation für Taschen. Die Besucher der Ausstellung könnensichvonderIdeenvielfalt ein Bild machen und natürlich einunverwüstlichesEinzelstück erwerben. Für jeden Geldbeutel haben die Schmelzers etwas im Gepäck. Hier ist das Sattler- und Feintäschnerhandwerk Fami- liensache: Ute Schmelzer (von rechts) mit Vater Fredy und Tochter Lena. Alles reine Handarbeit: Lena Schmelzer in der Werk- statt, die Mutter Ute in einer Mühle einrichtete. „Ich hoffe sehr, dass ich durch die Winterausstellung bei der HwK Koblenz auf Kundeninteresse stoße. 2011 war ich bereits dabei. Dann ruhte das Handwerk“, so der Glasbläser Mohammad Reza Ostovari aus Kal- tenengers. Er ist mit Glaskugeln, Orchideenhaltern, Kerzenständern und verschiedenen Accessoires vertreten. „Ich liebe Glas und kann Kundenträume ver- wirklichen. Es ist mehr machbar, als man denkt“, ist er von seiner Arbeit überzeugt. Die Glasbläserei ist in Deutschland ein Lehrberuf, für den man ein großes handwerkliches Geschick, Kreativität und einen Blick fürs Detail braucht. Nicht umsonst bezeichnet man die Glas- bläserei daher auch als Kunsthandwerk. In der Werkstatt von Mohammed Reza Ostovari kann man sich davon überzeugen. „Damit das Glas schmilzt, braucht es eine sehr hohe Hitze von rund 900 Grad“, erklärt der Glaskünstler während er den Rohling in der weiß glühenden Flamme eines Gas-Sauerstoffgemisches dreht. Mit ruhigen Bewegungen arbeitet er an einem Orchide- enstab, dessen Ende ein Vögelchen ziert. Durch Blasen und Ziehen formt er das kleine gläserne Kunstwerk. Er gestaltet ohne Vorlage. Seine Fantasie leitet ihn. Mohamed Reza Ostovari, Kaltenengers Gegr. 2016 | Tel. 0176/ 306 697 75 | rezaaa@yashoo.de Der im Iran geborene 55-Jährige lebt seit 1996 in Deutschland. Sein Handwerk hat er in der Heimat gelernt und ausgeübt. Aus politischen Gründen entschloss er sich dann, das Land zu ver- lassen. Seinen Beruf hatte er immer im Auge, auch wenn er aus unterschiedlichen Gründen verschiedene Jobs ausgeübt hat. Seit 2016 ist er nun offiziell in die Handwerksrolle der HwK Koblenz als Glasbläser und Glasapparatebauer eingetragen. Seine gläser- nen Werke liefert er zum Beispiel an eine Galerie in Wertheim. Sein (Weihnachts)wunsch ist es, den Kundenkreis zu erweitern. Eine Homepage ist im Aufbau. Mohammad Reza Ostovari ist mit Glaskugeln, Orchideenhaltern und Kerzenständern dabei.
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