Handwerk Special Nr. 222 vom 15.09.2018
Hohe Wertschätzung Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz, Christian Baldauf, besuchte auf Einladung der Kammer- spitze die Handwerks- kammer (HwK) Koblenz. Im Mittelpunkt des Ge- sprächs mit Kurt Kraut- scheid, Mark Scherhag sowie Alexander Baden (Präsident, Vizepräsident und Hauptgeschäftsfüh- rer der HwK) standen die Themen Nachwuchswer- bung, Integration von CDU-Fraktionschef Christian Baldauf besucht HwK Koblenz Gewerbegebiet Koblenz-Urmitz Welche Folgen hat die geplante neue Rechts- verordnung für das Was- serschutzgebiet Koblenz- Urmitz für den dortigen Gewerbestandort? Diese Frage sorgt spätestens seit der Offenlage am 20. August für reichlich Diskussionsbedarf. Handwerkskammer (HwK) Koblenz und Industrie- und Handelskammer Koblenz (IHK) haben gemeinsam be- troffeneUnternehmen, Vertre- ter der Interessengemeinschaft der Betriebe wie auch die für das Verfahren zuständige Struktur- und Genehmigungs- direktion Nord (SGD) zum Informationsaustausch einge- laden. Im Zentrum für Ernäh- rung und Gesundheit der HwK wurden Fakten, Fragen und Befürchtungen vorgetragen. Ein heißes Thema zum kühlen Nass: Neue Erkenntnisse über unterirdische Fließrichtungen von Grundwasserströmen und Quellwasser, steigender Was- serverbrauchbeischwindenden Reserven sowie mittel- wie auch langfristige Vorsorge vor den Szenarien des Klimawan- dels haben, so SGD-Vertreter Joachim Gerke, zum Handeln gezwungen.DerAbteilungslei- tererläuterteInhalteundFolgen der sich bereits veränderten und weiterhin verändernden Wasserversorgungssituation. Resultierend erhält die neue Rechtsverordnung zum Was- serschutzgebiet, die die aus- gelaufene Verordnung aus den 1980er-Jahren ablösen soll, er- heblicheVeränderungen.Was, so Rechtsanwalt Dr. Marcel Séché alsVertreter der Interes- sensgemeinschaft Betroffener, weitreichende Folgen für den Gewerbestandort hat. Es fehle Planungssicherheit, dieKosten für Umweltschutzauflagen seien zu hoch und für vieleUn- ternehmen nicht zu stemmen, einige Auflagen ließen sich mit den Realitäten des betrieb- lichen Alltags überhaupt nicht vereinbaren. Für diebeidenKoblenzerWirt- schaftskammernHwKundIHK Grund genug, sich als Inter essensvertretung der Betriebe wie auch als Moderator und Vermittler einzubringen. Nur im Dialog und mit Vertrauen lassen sich die deutlich sicht- barenInteressenskonflikteaus- räumen.HwK-Hauptgeschäfts- führer Alexander Baden stellte es bildlich dar: „Hier fahren zwei Züge aufeinander zu, und wir müssen nun die Gleise so verlegen, dass sie geschmeidig aneinander vorbei kommen.“ Susanne Terhorst, Justiziarin der HwK und Leiterin der Rechtsabteilung, erläuterte die nächstenSchritte:DieBetriebe haben Einwendungsmöglich- keiten, die Kammern helfen mit individueller Beratung und fassen ihrerseits in einer Stellungnahme die Anliegen derGewerbetreibendenzusam- men. „Pauschal vorgebrachte Bedenken werden nichts brin- gen. Die persönliche Betrof- fenheit und die Konsequenzen für den Betrieb aufgrund des geplanten Verbotskatalogs müssen konkret beschrieben werden.“ Und es gilt zeitliche Fristen einzuhalten! Bis zum 4. Ok- tober 2018 müssen Einwen- dungen bei der SGD vorlie- gen. Wer diese Möglichkeit auslässt, kann weder gegen die Rechtsverordnung klagen, noch sich bei der Beantragung vonBefreiungenauf dieBeein- trächtigung seiner Eigentums- rechte berufen. ImVorfeldhabendieKammern bereitsHinweisezumgeplanten Regelwerkgegebenundgegen- über der SGD Änderungsbe- darf genannt. „Teile davon sind eingeflossen, aus unserer Sicht aber nicht genug“, fasst Stephanie Binge, Leiterin der HwK-Betriebsberatung und Wirtschaftsförderung diesen Prozess zusammen. Auch habe die SGD versäumt, den Offenlegungstermin früh- zeitig zukommunizieren. „Das hätte man besser gestalten können“, kritisieren beide Wirtschaftskammern, sind aber grundsätzlich an einer sachlichenund zielorientierten Bearbeitung interessiert. Ein Angebot, von dem die anwe- senden Handwerksbetriebe umgehendGebrauchmachten: Noch am Abend wurde ein Rundtischgespräch terminiert. DabeiwerdendieUnternehmer ihreAusgangslagebeschreiben und die Kammer über diese InformationendasweitereVer- fahren und mögliche Schritte passgenau definieren. Mehr Informationen bei der HwK Koblenz: Susanne Terhorst, Tel. 0261/ 398-205, recht@hwk- koblenz.de oder Stephanie Binge, Tel. 0261/ 398-251, beratung@hwk- koblenz.de Handwerk und Politik / Neue Wasserschutzverordnung vorgestellt Nr. 222 15. September 2018 www.handwerk-special.de 6 Flüchtlingen, Digitalisie- rung und Europapolitik. Übereinstimmend konstatierten die Gesprächspartner das Anse- hendesHandwerksinderGesell- schaft und den damit einherge- henden Mangel an Fachkräften. „Die handwerklicheAusbildung muss wieder mehr Wertigkeit bekommen“, so ihr Fazit. BeiderMigrationsfragewarman sichdarin einig, dass Flüchtlinge das Nachwuchsproblem nicht lösen können, weil sie eine ganz andere sozialeAnschauung vom Handwerkhabenundwirtschaft- lich darauf angewiesen sind, schnellGeld zuverdienen. Bald- auf lobte aber das „Handwerk als Vorreiter bei der Integration“. Die Kammerspitze betonte, dass die Digitalisierung im Handwerk immer wichtiger wird. „Handwerker brauchen schnelles Internet, umAngebote und Entwürfe zu verschicken. Deshalb muss jede Region di- gital hochgerüstet werden. Dazu gehört, den Breitbandausbau schneller voranzutreiben. Alle Betriebsstandorte brauchen einen Internetzugang mit Band- breiten im Gigabitbereich, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben“, so ihre Forderung an die Politik. Christian Bald- auf informierte sich über das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk, Schaufenster West im Kompetenzzentrum für Gestaltung, FertigungundKom- munikation der HwK Koblenz Digitales Handwerk, das gezielt Handwerksunternehmen bei der Nutzung digitaler Technologien unterstützt. Erste Erfolge für das Hand- werk zeichnen sich auch in der Europapolitik ab. „Die Mitgliedstaaten sind weiterhin für die Reglementierung von Berufen zuständig und können entscheiden, ob und auf wel- chem Niveau sie einen Beruf reglementieren wollen. Dabei wird die Qualitätssicherung handwerklicher Leistungen ausdrücklich als Reglemen- tierungsgrund anerkannt“, so Scherhag. Der HwK-Vizeprä- sident vertritt seit vier Jahren die Interessen der Handwerker aus der Region auf EU-Ebene. Erst kürzlich hat sich der Vor- sitzende der CDU Koblenz im Rennen um die Nachfolge des Europa-Abgeordneten Werner Langen positioniert. ZumAbschluss seinesBesuches hob Christian Baldauf noch einmal die hohe Wertschätzung hervor, die das Handwerk im Land Rheinland-Pfalz genießt. Er verwies auf den durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und WeinbaufinanziertenAufstiegs- bonus I und II für den Erwerb des Meisterbriefes und alle Existenzgründungenab1.Januar 2017. „Handwerk ist Ursprung und Quelle der gewerblichen Wirtschaft. Wir müssen das Handwerk pflegen – durch eine Tradition der qualifizierten Ausbildung junger Menschen“, so der CDU-Fraktionschef. HwK-Hauptgeschäftsführer Alexander Baden (von links), HwK-Präsident Kurt Krautscheid, Christian Baldauf, CDU-Fraktionsvorsitzender im rheinland- pfälzischen Landtag, und HwK-Vizepräsident Mark Scherhag trafen sich zum Erfah- rungsaustausch beim Handwerk.
RkJQdWJsaXNoZXIy NzU4Mzk=