Handwerk Special Nr. 217 vom 24.02.2018
„Ich bin einfach da“ „Ich bin einfach da und habe kein Problem mit meinen ausschließlich männlichen Mitstreitern in der Arbeitswelt. Die meisten männlichen Kollegen finden es gut, dass Mädchen nun auch solche Berufe lernen. Und bei den 20 Jungen in der Berufsschule muss man sich als einziges Mädchen durchsetzen. Das ist al- les“, so Annika Schlömer aus Koblenz. Die 17-Jährige wird im Koblen- zer Betrieb Elektro Pretz zur Elektronikerin fürGebäude- und Energietechnik ausgebildet. Sie gehört zu den acht Mädchen unter 726 Lehrlingen, die in der Lehrlingsrolle der Handwerks- kammer Koblenz für dieses Handwerk eingetragen sind. „Nach dem Realschulabschluss wollte ich erst einmal eine Auszeit von der Schule. Ich bin praktisch veranlagt und habe mich deshalb für eine Lehre entschieden. Meine Eltern sind Elektroingenieure und so lag die von mir gewählte Fachrichtung nahe. Mein Vater hat unser gan- zes Haus verkabelt und mich hat das sehr interessiert“, erzählt sie. Ein Praktikum in einemElektro- betriebmotivierte sie zusätzlich. Gute Berufsperspektiven „Wir haben uns über Annikas Bewerbung gefreut. Mädchen kommen häufig nicht ohne weiteres auf die Idee, sich für einen Beruf zu entscheiden, der in ihren Augen eher untypisch für Frauen ist. Im Elektrohand- Annika wird bei Elektro Pretz zur Elektronikerin ausgebildet Zahlen und Fakten: Mädchen in Technik-Berufen Auch in Handwerks- berufen, die nach wie vor oft nur mit Männern assoziiert werden, steigt die Zahl der weiblichen Auszubildenden kontinu- ierlich an. So waren im Jahr 2017 von den 1363 Kfz-Mechatronikern in Ausbildung immerhin 57 weiblich.Wachsend, dochnach wie vor niedrig sind auch die Anteile der weiblichen Auszu- bildenden im Beruf des Anla- genmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 839 Auszubildenden, davon zwölfweiblich, oder desMecha- tronikers für Kältetechnik mit zwei weiblichen von insgesamt 101 Auszubildenden. Auch das Metallbauerhandwerk erlernten 2017 nur fünf junge Frauen – im starken Gegensatz zu 472 Männern. Die Ausbildungsberater der Handwerkskammer Koblenz informieren Jugendliche, Mädchen wie Jungen, über technische Handwerksberufe und sind Ansprechpartner bei Fragen rund um Berufswahl, Ausbildung und Ausbildungs- suche im Handwerk. Kontakt: aubira@hwk- koblenz.de oder Tel. 0261/ 398-331. Elektro Pretz GmbH & Co. KG, Koblenz Gegr. 1920 | 90 Mitarbeiter | Elektrotechnik, Gebäudetechnik, System- technik | Tel. 0261/ 702 070-0 | www.elektro-pretz.de Mädchen in technischen Handwerksberufen / HwK-Beratung Nr. 217 24. Februar 2018 www.handwerk-special.de 9 werk spricht man heute über intelligente Gebäudetechnik und Computervernetzung bis hin zum Gebäudemanagement. An Technik Interessierte haben beste Perspektiven“, so Rainer Lamberti und Jürgen Sänger, GeschäftsführendeGesellschaf- ter von Elektro Pretz. Bereits im Einstellungsgespräch konnte Annika mit ihrem räumlichen Vorstellungsvermögenund tech- nischem Verständnis punkten. Breit gefächertes Aufgabenspektrum Inzwischen liegt ein halbes Lehrjahr hinter der jungen Frau. Annika Schlömer (Mitte) absolviert bei Elektro Pretz ihre Ausbildung zur Elektronikerin in der Fachrich- tung Gebäude- und Energietechnik. Jürgen Sänger (links) und Rainer Lamberti (rechts), Geschäftsführer von Elektro Prentz, freuen sich über die weibliche Un- terstützung. In ihrem Lehrbetrieb durchläuft sie alle Bereiche. Neustes Bau- vorhaben ist das Fährhaus am Stausee in Koblenz. „Annika begleitet das Projekt vom Roh- bau bis zur intelligenten Gebäu- detechnikunderlebt sopraxisnah alle Stationen ihres Berufes“, so Rainer Lamberti. Er sieht, dass sich die17-Jährige gut in das Team integriert und beobachtet auch einen angenehmen Neben- effekt: „Der Ton untereinander hat sich verändert, nicht mehr ganz soderb, eher rücksichtsvoll und höflich.“ Annikas beruflicheZukunftsplä- ne sind noch offen. „Vielleicht studiere ich doch noch oder ich bleibe im Handwerk.“ Elektro Pretz mit seinen 90Mitarbeitern hat die Tür für gut ausgebildete Fachkräfte geöffnet. Damit die Ausbildung nicht wackelt Die HwK-Ausbildungsbe- gleitung sucht Lösungen um den Abbruch der Leh- re zu vermeiden Eine gute Ausbildung ist der Start in die berufliche Karriere. Während einer Ausbildung kannes aber auchzuKonflikten und Problemen kommen. Die Gründe können vielfältig sein: Schwierigkeitenoder schlechte Noten in der Berufsschule, private oder gesundheitliche Probleme, Unzufriedenheit im Betrieb, Konfliktemit denKol- legen oder dem Vorgesetzten. Meistens kommenmehrereAs- pekte zusammen, die dann für alle zu einem Problemwerden. Nicht selten brechen junge Menschen dann ihre Ausbil- dung ab. In einigen Fällen ist der Ausbildungsabbruch eine Kurzschlussreaktion, eineKün- digung aus dem Affekt heraus. Damit gefährden die Jugend- lichen ihren Berufsabschluss und bei fehlendenAlternativen laufen sie Gefahr in die Ar- beitslosigkeit abzurutschen. Für die Betriebe bedeutet es den Verlust von angehenden Fachkräften. Gerade bei Konflikten oder Problemen ist die Auflösung des Ausbildungsvertrags nicht die einzige Option. In solchen Krisensituationen können sich die Auszubildenden an ei- nen Ausbildungsbegleiter der Handwerkskammer (HwK) Koblenz wenden. Dann ist eine ruhige und sachliche Aus- sprache oder ein vermittelndes Gespräch zwischen den Betei- ligten wichtig. In vielen Fällen können so Auseinanderset- zungen, Konflikte und Krisen im alltäglichen Berufsleben entschärft werden. Diese speziell für solche Fäl- le beschäftigten Fachkräfte verfügen über ein hohes Maß an Erfahrung beim Vermitteln undSchlichtenvonStreitfällen. Gemeinsam mit den Ratsu- chenden werden geeignete Lösungsstrategien erarbeitet. DasAngebot richtet sich an die Auszubildendenunddieausbil- denden Betriebe gleicherma- ßen und reicht von präventiven Beratungsgesprächenüber eine intensive Einzelfallbetreuung im Konfliktfall bis zum Coa- ching oder der Moderation zur Bewältigung von Proble- men im Ausbildungsbetrieb. Gleichzeitig verfügen die Ausbildungsbegleiter über ein breit gefächertes Netzwerk von Institutionen mit Hilfsan- geboten. Die Ausbildungsbegleitung ist für Auszubildende und Mitgliedsbetriebe der HwK Koblenz kostenfrei. Alle Be- teiligten können sich bei Konflikten, Problemen oder Krisensituationen an die Mit- arbeiter des Projekts „Ausbil- dungsbetreuung zur Vermei- dung von Ausbildungsabbrü- chen“ wenden. Das Projekt wird unterstützt durch das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz und den Eu- ropäischen Sozialfonds. Infos gibt bei der HwK Koblenz Christiane Schmitt, Tel. 0261/ 398-344, christiane.schmitt@hwk- koblenz.de 8. März: Seminar der Handwerkammer Am 8. März bietet die Handwerkskammer Koblenz ein Seminar rund um den Einsatz auslän- discher Subunternehmer in Deutschland an. Aufgrund der europäischen Dienstleistungsfreiheit kön- nen EU-Bürger für einzelne Aufträge in Deutschland als Subunternehmer eingesetzt werden. Angesichts der guten Auftragslage und des zuneh- menden Fachkräftemangels greifen immer mehr Unterneh- men auf Subunternehmer aus dem Ausland zurück um ihre Aufträge zeitnah abzuwickeln. Ziel des Seminars, das die Handwerkskammer (HwK) Koblenz am 8. März im Zen- trum für Ernährung und Ge- sundheit (Raum 105) anbie- tet, ist es, Hilfestellung zu allen Fragen beim Einsatz von in- und ausländischen Subunternehmern zu geben. Es werden die Formen des Fremdpersonaleinsatzes, Ge- staltung grenzüberschreiten- der Werkverträge, Abgren- zung von Subunternehmern, Scheinselbstständigkeit, und Arbeitnehmerüberlassung, Zollkontrollen und geplante gesetzgeberische Aktivitäten erörtert. Infos bei der Außenwirt- schaftsberatung der HwK Koblenz, Tel. 0261/398 249
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