Handwerk Special Nr.215 vom 02.12.2017

Ka(R)leidoskope „Wir hören nicht auf zu spielen, weil wir alt wer- den, wir werden alt, weil wir aufhören zu spielen“, sagte einst der irische Satiriker und Publizist George Bernard Shaw. Dies unterstreichen Mo- nika und Ulrich Karl aus Buhlenberg im Hunsrück voll und ganz. Ihre Kalei- doskope sind aber weit mehr als Kinderspielzeug. Kaleidoskope sind Objekte zum Träumen und der Muße. „Wir möchten die Menschen dazu anregen, die Kunst des Spielens, des absichtslosen Verweilens in unserer immer hektischer wer- dendenWelt zurückzuerobern“, sodasEhepaar. Sie sindMitglied im Berufsverband Kunsthand- werk Rheinland-Pfalz. In der Winterausstellung sind mit neuen Kaleidoskopen zum zweiten Mal dabei. „Die Gale- rie Handwerk ist ein zentraler Anlaufpunkt in Koblenz. Die Dauer der Ausstellung ermögli- cht denBesuchern, sich auch erst beim zweiten Mal zum Kauf zu entscheiden. Außerdemnehmen ausgewählte Kunsthandwerker teil und wir sind in guter Gesell- schaft“, bringen sie ihre Motive zur Teilnahme auf den Punkt. Es begann mit einem Geschenk Ihre Begeisterung für Kaleido- skope entdeckten sie beim Kauf einesGeschenks. „EinPapprohr, gefüllt mit Scherben, zaubert eine unendlicheWelt aus Farben undFormen,WerdenundVerge- hen. Dem Geist wachsen Flügel und die Seele findet Landschaf- ten.“SobeschreibtMonikaKarl, wie die Kaleidomagie bei ihnen zu wirken begann. In den frühen 1980er-Jahren entstanden dann ihreerstenKaleidoskope.Vorher war es die Tiffany-Glaskunst, der sich vor allem Ulrich Karl verschriebenhatte. „Irgendwann imLeben suchtmandanach, was einen wirklich begeistert und versucht, dies zu verwirklichen. Bei mir war es das Bedürfnis, handwerklich künstlerisch zu arbeiten und dabei ein Produkt zu schaffen“, erklärt er seinen Wechsel von der Arbeit im Zauberrohr erzeugt Glücksgefühl Fünf Bundessiege gehen nach Koblenz Im Leistungswettbewerb der Handwerksjugend haben Jugendliche aus dem nördlichen Rhein- land-Pfalz Spitzenergeb- nisse eingefahren. Fünf ersteBundessieger stehen bereits fest:Sattlerin(Fachrich- tung Reitsportsattlerei) Laura Brownlie aus Boppard (Aus- bildungsbetrieb Guido Netzer, Oberlahr), Gebäudereiniger Jonas Vetter aus Meisenheim (Christian Forster, Meisen- heim), Zweiradmechaniker (FachrichtungFahrradtechnik) Paul Meißner aus Rohrbach (Manfred Schumacher, Bad Kreuznach), Elektroniker für Maschinen- und Antriebs- technik David Krefft aus Winningen (Walter Mayer GmbH, Koblenz) sowie Au- tomobilkauffrau Ann-Kathrin Gräfen aus Breitenau (We- sterwald Automobile GmbH, Ransbach-Baumbach) . Zum Fototermin für den Titel waren PaulMeißner undAnn-Kathrin Gräfen verhindert, das Ergeb- nis von David Krefft lag noch nicht vor. Zusammen mit den Platzierten des Wettbewerbes werden sie in der kommenden Ausgabe vorgestellt. Sattlerin Laura Brownlie möchte zunächst weiter Er- fahrungen im Betrieb von Madeleine Schoch, Meisterin imSattler- undFeintäschnerei- handwerk, sammeln und dann die Meisterprüfung ablegen. „Dank des Bundessieges er- halte ich ein Stipendium, das so gut genutzt werden kann.“ Auch Gebäudereiniger Jonas Vetter hat Pläne, die er bereits verwirklicht. Er absolviert bei ArbeitgeberPiepenbrockeinen Weiterbildungslehrgang und möchte Projektleiter werden. „Der Meisterbrief ist dann der nächste Schritt!“ Winterausstellung / zum Titel: Bundessieger aus dem HwK-Bezirk Nr. 215 2. Dezember 2017 www.handwerk-special.de 7 Ka(R)leidoskope, Buhlenberg Gegr. 1982 | 2 Mitarbeiter | Kaleidoskope, Kunst am Bau Tel. 06782/ 5598 | www.karleidoskope.de Labor als Chemielaborant in die Werkstatt. SeinespätereEhefrau, tat es ihm gleich. Von Berlin ging es „weg aufs Land“, in den Hunsrück. Leben und Arbeiten unter einemDach hieß es fortan. „Wir hatten Glück und begeg- neten der Kaleidoskop-Samm- lerin Dorothee Hass, die uns Spezialitäten von Topkünstlern der amerikanischen Kaleido- skop-Szene zeigte. Das war der entscheidende Moment zur Neuausrüstung in Richtung Ka- leidoskop. Der erste Blick in ein Oberflächenspiegelkaleidoskop entfesselteExplosionen imKopf: Lichter, Farben, Gedanken, Ideen. Inspiriert von dieser phänomenalen Wirkung bauen wir seitdem diese Licht-Spie- gel-Bewegungs-Objekte in un- terschiedlichen Größen und Materialien“, schauensiezurück. Inzwischen ist es für die Karls Herzensangelegenheit, die Fas- zination ihrer Zauberspiegel für Geist und Seele erfahrbar zu machen. „Siehabenauchmedita- tives und therapeutisches Poten- tial, weil sie beruhigend wirken und die Phantasie beflügeln. Die Ruhe, die beim Betrachten entsteht, ist gut gegen Stress und fördert die Selbstreflexion“, betonen die Kunsthandwerker. Ärzte und Psychiater haben die Exponate in ihren Wartezimmern. „Karlsche Werke“ sind inzwischen unter anderem auch im Ex- plora Science Center, Frankfurt, sowie inden japanischen Kaleido- skope Museen Kyoto und Sendai zu sehen. Bereits die kleinste Bewegung genügt, um ein gerade noch strahlendesGebilde zu einer neueren Kompo- sition aus Licht, Form und Farbe zu fügen. Der stetige Wandel der Reflexionen ma- chen die Magie von Kaleidoskopen aus. So mancher spontane „Wow“-Ausruf beim Blick durch das Zau- berrohr auf der Win- terausstellung ist also völlig normal! Sieht aus wie eine kosmische Sternenformation, entsteht aber in einem ganz irdischen Kaleidoskop des Ehepaars Karl. Foto: privat Ulrich Karl an der Drehbank, Monika Karl in der Werk- statt. Ihre Ka(r)leidospe entstehen als Unikate und in reiner Handarbeit. Foto: privat Dieser Traumstern produziert per Handdreh von außen immer wieder großfor- matige Bilder.

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