Handwerk Special Nr.215 vom 02.12.2017
„Wir stehen mit unserem Namen für den Betrieb, geben ihm ein Gesicht und sind unserer länd- lichen Region eng ver- bunden. Die Menschen honorieren, dass wir glaubhaft sind und mit viel Herzblut und Leiden- schaft unsere Arbeit tun“, so Roland Bott aus Gul- dental. Der Bauingenieur führt zusammen mit sei- ner Tochter Maren, seiner Schwester Elfi und deren Söhne, Bernd und Frank die vor 175 gegründete Bauunternehmung Jo- hann Bott in der sechsten und siebten Generation. Bott Bau in Guldental: Sieben Generationen Geschichte Fotos: privat Johann Bott GmbH, Guldental Gegr. 1842 | 25 Mitarbeiter | Holzhaus, Massivhaus, Industrie- und Gewerbebau | Tel. 06707/ 919-0 | www.bottbau.de Handwerksbetrieb mit außergewöhnlicher Geschichte Nr. 215 2. Dezember 2017 www.handwerk-special.de 16 175 Jahre in der Familie Als der Maurer Valentin Bott 1842 seinen Betrieb gegründet hat, war ihm sicher nicht be- wusst, dass die Generationen nach ihm seine Arbeit mit eige- nen Impulsen und Ideen fortfüh- ren. „Schon immer prägtenWeit- blick, Risikobereitschaft, Fleiß, Zuverlässigkeit, aber auch eine Spur von Neugier, neue Wege zu gehen, unsere Firmenphilo- sophie“, so die Juniorchefin. So gehörten schon in den Grün- dungsjahren ein Steinbruch und eineDachziegelproduktiondazu. Wiederaufbau: Alle Chancen genutzt Während der Steinbruch die Materialzufuhr sicherte, half die Betondachziegelproduktion nach den Weltkriegen, Zerstö- rungen zu beseitigen. So erar- beitete sich der Familienbetrieb einen Namen und einen Platz am Markt. Dipl.-Ing. Bernd Ludwig, Mit- glied imVorstandderBauinnung erzählt, dass sein Großvater, Jo- hann Bott, schon vor dem Zwei- ten Weltkrieg die Bauschule in Bingen besucht hat. Es reichte ihm nicht, die Steine aufeinan- der zu setzen, er wollte sie auch zeichnen. So nahm er neben rei- nen Handwerksleistungen auch planerische Aufgaben war.1962 wurde das ersteEinfamilienhaus schlüsselfertig übergeben. „Da- mals war das Planen und Bauen aus einer Hand fast eine Sensa- tion“, so Roland Bott. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters übernahm der damals 22-jährige Roland Bott 1969 gemeinsam mit seiner Schwe- ster, Elfi Ludwig, die Leitung. Als sich Mitte der 70er Jahre das schlüsselfertige Bauenmehr undmehr etablierte, konnte Bott bereits auf zehnjährige Erfah- rungen verweisen. Roland und Maren Bott auf einer Baustelle. Leistungspalette erweitert Mit dem Industrie- und Hallen- bau erweiterte er die Leistungs- palette. In den 80er-Jahren kam dasökologischeBauendazu.Der Einsatz erneuerbarer Energien war schon frühzeitig ein Thema. So wurde bereits 2004 die erste kommunale, mit Pellets beheizte Sport- und Kulturhalle in Grols- heim im Landkreis Mainz-Bin- gen eröffnet. Gegenwärtig steht der Umbau des HwK-Berufsbil- dungszentrums in Bad Kreuz- nach auf der Agenda. Aktuell werden in Zusammen- arbeit mit einer österreichischen Firma Häuser aus unverleimten Mondholz hergestellt. „Die alte Tradition, Holz im Winter bei abnehmendenMondzu schlagen und so beste Haltbarkeit gegen Pilze und Insekten zu gewährlei- sten, war schon in großen Holz- baukulturenbekannt“, sodieGe- schäftsführer. Sie verweisen auf die 1.600 Jahre altenHolzbauten aus Mondholz in Japan, die zu denältestenderWelt zählen.Das neue Projekt passt so recht zum Anspruch der Botts, möglichst viele Standbeine schaffen, ohne sich dabei zu verzetteln. Fragen zur Erfolgsgeschichte Wie schafft es ein mittelstän- discher Betrieb, sich 175 Jahre durch zu setzen? Hat Handwerk nach wie vor goldenen Boden? Johann Bott (links). Reicht solide handwerklicheAr- beit aus?Was gaben die Vorfah- ren ihren Nachkommen mit auf den Weg? Welches Konzept hat sich über die Generationen be- hauptet?Fragen, die sich stellen, will man eine Erfolgsgeschichte schreiben. Antworten zur Erfolgsgeschichte „HandwerklicheQualitätsarbeit, geschickte Hände und tech- nisches Verständnis, dazu Fan- tasie und clevere Ideen sind der Schlüssel zumErfolg“, sind sich Vater und Tochter Bott sicher. Die Marketingfachfrau räumt allerdings ein, dass es „heute stärker als früher erforderlich ist, auf veränderte wirtschaft- liche Verhältnisse flexibel zu reagieren“. Obwohl beide von ihrem Beruf her keine Handwerker sind, sehen sie im Handwerk ihre Wurzeln.Undsie lebendiehand- werklichen Werte. „Ich bin auf den Baustellen groß geworden. Schon als Kind führten unsere Sonntagsausflüge mich dort vorbei“, lacht Maren Bott. Geschäftsführerin Maren Bott verweist auch auf den starken Faktor Familie, der sie stolz macht. „Den familiären Zusam- menhalt gibt es in dieser Form wohl nur in einem Handwerk- sunternehmen“, sagt sie. Sie räumt aber auch ein, dass „jede Generation ihren eigenen Weg finden muss“.
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