Handwerk Special Nr. 212 vom 16.09.2017

PS-Partnerschaft Hasan Salaibi ist ein Sympathieträger. Offen geht er auf die Menschen zu. Freundlichkeit und Ehrlichkeit gehören zu sei- nem Werteverständnis. Hasan Salaibi ist Kraftfahrzeugtech- nikermeister und seit Januar Teilhaber im Kfz-Meisterbetrieb Fuchs in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sein Werdegang ist bei- spielhaft für die Einbeziehung von Menschen mit Migrations- hintergrund in die deutsche Gesellschaft. Seine Eltern kommen aus dem Libanon. Er wurde 1993 als neuntes Kind in Bonn geboren. Er wächst zweisprachig auf. Zu Hause wurde arabisch kommuniziert, außerhalb der Familie deutsch. Salaibi macht den Realschulabschluss, absolviert zuerst ein Praktikum in der Kfz-Werkstatt Fuchs und schließt dann sei- ne Lehre zum Kraftfahrzeugmechatroniker in dem 1957 gegrün- deten Familienbetrieb an. Nach erfolgreichem Abschluss besucht der junge Geselle die Meisterschule bei der Handwerkskammer (HwK) Koblenz und kehrt im Juli 2016 als Meister in seinen Ausbildungsbetrieb zurück. „Viele Kunden haben mir gratuliert und sich mit mir gefreut. Ich bin stolz auf das Erreichte“, so der 23-Jährige. Es ist für ihn aber noch nicht das Ende der Fahnen- stange. Ein halbes Jahr später wird ihm von den Geschäftsführ- ern Christian und Alexander Fuchs die Teilhaberschaft angebo- ten. „Die besondere Anerkennung meiner Leistungen und meines Engagements für den Betrieb sind für mich ein großer Ansporn.“ Ab August wird er Saleh Shaaban aus Bad Neuenahr, seinen ersten Lehrling ausbilden. Der 19-Jährige ist vor über einem Jahr mit den Eltern und drei Geschwistern aus der syrischen Hafenstadt Latakia geflüchtet. Sieben Wochen war die Familie unterwegs. Der Libanon, die Türkei, Griechenland, Serbien, Mazedonien und Österreich waren Stationen vor der Aufnahme in Deutschland. „Mein Vater hatte in Syrien einen Karosse- rie-Reparaturbetrieb. Ich habe oft geholfen und auch bereits Schweißarbeiten ausgeführt. Ich freue mich sehr auf meine Leh- re und bin sicher, den richtigen Beruf zu lernen. Als Fußballer weiß ich, Regeln zu befolgen und im Team zu arbeiten. Das hilft mir auch“, erzählt er in bemerkenswert gutem Deutsch. Das war auch ein Grund der Betriebsinhaber, dem jungen Mann nach einem Kurzzeitpraktikum im Rahmen des Berufsvorbereitungs- jahres den Ausbildungsplatz anzubieten. Hasan Salaibi wird mit Saleh deutsch sprechen. „Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Natürlich ist es für das technische Verständnis von Vorteil, wenn ich auch einmal etwas in Ara- bisch erklären kann“, so der Handwerksmeister. In jedem Fall ist es für den jungen Mann aus Syrien eine glückliche Fügung zu sehen, welche Entwicklung im Handwerk auch für Menschen mit fremden Wurzeln möglich ist. „Er ist ein Vorbild für mich“, sagt er bereits jetzt über seinen zukünftigen Ausbildungsmeister. Kfz-Technikermeister Salaibi bildet aus Kfz-Servicetechniker Es ist mucksmäuschen- still um Marcus Schmitt, der gerade die Erklärung für eine Pulsweitenmo- dulation aufs Blatt Papier bringt. So wie der 27-Jäh- rige stellen sich sechs weitere Kfz-Handwerker der schriftlichen Prüfung als Kfz-Servicetechniker bei der HwK Koblenz. Die Qualifikation ist technisch anspruchsvoll und wird als Teil 1 der Meisterprüfung voll anerkannt. Das bedeutet: Mit bestandener Prüfung ist zugleich einpraktischerBaustein auf dem WegzumMeisterbriefgeschafft! Die Arbeitsweise der Pulswei- tenmodulation im Bordnetz moderner Fahrzeuge, das Lesen von Schaltplänen, das Erkennen ihres Aufbaus und deren „Ver- drahten“ auf demPapier sindnun Aufgaben, die im Rahmen einer zweistündigen Prüfung schrift- lich gelöst werden müssen. Das Programm ist anspruchsvoll, „aber es lohnt sich“. Marcus Schmitt nennt verbesserte be- rufliche Perspektiven und die persönliche Weiterentwicklung als Hauptmotive für das Pauken parallel zur täglichem Job. Der Meisterbrief ist das langfri- stige Ziel des Bundeswehr-Sol- daten, der aktuell als Flugge- rätemechaniker im Einsatz ist. Mit demMeisterbrief wäre auch Qualifizierung bei HwK verbessert Wissen und Karrierechancen Kfz-Handwerk / aus dem Programm der „Nacht der Technik“ Nr. 212 16. September 2017 www.handwerk-special.de 7 Reifen & Autoservice Fuchs, Bad Neuenahr Gegr. 1957 | 7 Mitarbeiter | Reifen, Räder, Autoservice alle Marken Tel. 02641/ 265 48 | www.fuchs-autoservice.de Hasan Slaibi (rechts) und der junge Syrer Saleh Shabaan, den er ab August ausbilden wird. die Selbstständigkeit möglich – eine attraktive Variante für die Zeit nach der Bundeswehr. Das bei der HwK vermittelte Wissen lobt der Fachmann. „InsbesonderemeineKenntnisse imBereich der Fehlerdiagnostik innerhalb elektrischer Systeme konnte ich enorm verbessern. Die HwK vermittelt das über hochmoderne Technik und gut ausgebildete Experten.“ Marcus Schmitt profitiert wie die anderen Absolventen von erweiterten Schulungsinhalten. So werden erstmals im Rahmen des siebenwöchigen Service- technikerkurses die Sachkun- denachweise für Airbag und pyrotechnische Gurtstraffer sowie Hochvoltfahrzeuge ver- mittelt. „Wir müssen natürlich Schritt haltenmitEntwicklungen am und rund um das Fahrzeug. Das schließt Elektromobilität ein wie auch Diagnoseverfahren in denWerkstätten“, erklärtDaniel Schmidt, der als HwK-Ausbil- dungsmeister die Kfz-Service- techniker intensiv begleitet und auf die Prüfung vorbereitet hat. Der nächste Vollzeit-Lehrgang beginnt am Montag, 4. Dezem- ber. Infos bei Daniela David, Tel. 0261/398-325, daniela. david@hwk-koblenz.de Die Erklärung einer Pulsmodulation oder eine Schalt- plandiagnose waren Prüfungsthemen. „Nacht der Technik“ stellt Jupiters Eismonde vor Ein Schwerpunkt der „Nacht der Technik“ am 4. November ist das Thema Raumfahrt und Missi- onen zu fremden Planeten. Renommierte Wissen- schaftler werden einen Einblick in die Motivation und den Stand der momentanen Arbeiten geben. Der Planet Jupiter stellt mit seinen über 60 Monden quasi einMini-SonnensysteminunseremSonnensystem dar. Unser größter Planet und seine Trabanten sind seit Jahrzehnten im Fokus von Erkundungsmissionen verschiedener Organisationen. In Europa bereitet man derzeit dieMission JUICE (Jupiter IcyMoons Explorer) vor, die 2022 starten soll und ihn und seine drei großen Eismonde genau unter die Lupe nehmen will. Findet man flüssiges Wasser unter deren Eiskruste? Dr.-Ing. Christian Gritzner vom DLR-Raumfahrtma- nagement, Abteilung Extraterrestrik, erklärt, was man über denJupiter undseineMondebisherweißundwelche Erwartungen man an die JUICE-Mission hat. Der Vortrag findet am 4. November ab 22.30 Uhr statt. Mehr Infos zum Programm online: www.nachtdertechnik.de Foto: © ESA

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