Handwerk Special Nr. 212 vom 16.09.2017
mit dem Abitur eine Handwerkskarriere einschlagen / HwK-Service Nr. 212 16. September 2017 www.handwerk-special.de 14 Karriere ohne Uni Über mangelnde Aufträge kann er nicht klagen. Im Gegenteil, ihm fehlen Fachkräfte, um alle zu stemmen. Maurer- und Betonbauermeister Chri- stian Ahnen aus Senheim ist erst seit Juli 2017 selbstständig und kann auf einen Bilderbuchstart zurückschauen. Mit Meisterbrief in der Tasche und dem mit einem KfW-För- derkredit erworbenen Inventar – inklusive Lagerhalle und Firmenwagen – begann der 23-Jährige seine berufliche Laufbahn als Unternehmer. Daniel Doniges, den er während des Meisterkurses bei der HwK Koblenz kennengelernt hat, ist sein erster Mitarbeiter. Lehre statt Studium Bauen für Generationen heißt sein Motto. Dahinter steht der Qualitätsanspruch des jungen Meisters, Gebäude zu reali- sieren, die ästhetisch und von langer Lebensdauer sind. Er ist Ansprechpartner sowohl für private, als auchgewerblicheund kommunale Auftraggeber. Im Gespräch wird schnell deutlich: Der Handwerksmeister ist mit seinem bisherigen Werdegang sehr zufrieden und stolz auf das Erreichte. Nach dem Abitur begann er zunächst ein duales Studium zum Bauingenieur und Bauzeichner. „Ich dachte erst, dies wäre ein logischer Schritt, habe aber bald gemerkt, das ist es nicht. Ich bin einfach kein Schreibtischtäter, sondern muss sehen, was ich mit meinen Händen geschafft habe“, lacht er. Eine Lehre zum Beton- und Stahlbetonbauer schloss sich an. Die Gesellenprüfung schloss er mit einem sehr guten Ergebnis ab und wurde als Deutschlands bester Betonbauer geehrt. „MeinHerzschlägt fürdasHand- werk. Hier kann ich funktionelle und kreative Ideen verwirkli- chen“, begründet er den Besuch derMeisterschule und seine sich daran anschließende Betriebs- gründung. Er räumt ein, dass er „als Abiturient vor allem im theoretischen Teil, Vorteile ge- Maurer- und Betonbauermeister Christian Ahnen mit gutem Start Werkstatt statt Hörsaal Immer öfter wenden sich Abiturienten oder Studi- enabbrecher dem Hand- werk zu. Eine Situation zum Vorteil der Jugend- lichen wie auch für das Handwerk. „Eine praxisbezogene Ausbil- dung ist für viele Abiturienten die bessere Wahl, weil ein Studium nicht ihrer Persön- lichkeit entspricht. Sie wählen trotzdem oft die Universität, weil die Eltern es so wollen. Das Umfeld suggeriert den jungen Leuten, dass sie ohne Abitur und Studium nichts darstellen“, soRainerAngsten, Obermeister der Baugewerks- innung Cochem-Zell. Weil sie mit falschen Erwar- tungen gestartet sind, geben Studierende oft ernüchtert nach den ersten Semestern auf. AnalysendesHochschul-Infor- mationssystems zufolge sindes bis zu 30 Prozent aller Bache- lorstudenten, in ingenieurwis- senschaftlichenStudiengängen brach sogar jeder Zweite ab. Die Handwerkskammern in- formieren gemeinsam mit den HochschulenStudienabbrecher über ihre Chancen im Rahmen der beruflichen Bildung. Eine duale Ausbildung ist keines- falls einKarriereknick, sondern bietet zahlreiche Optionen für eine erfolgreiche Lebens- und Berufsplanung. So erfolgt in jedem vierten Handwerksbetrieb im Be- zirk der Handwerkskammer (HwK) Koblenz demnächst der Generationswechsel. Das bietet qualifizierten Jungun- ternehmern die Möglichkeit, einen Meisterbetrieb selbst- ständig weiter leiten. Um eine passgenaue und individuelle Unterstützung beim Übergang ins Hand- werk zu bieten, wurde das Projekt „Vom Hörsaal zum Handwerk“ gestartet. An- sprechpartner für Studenten wie auch Handwerksbetriebe ist im Rahmen des Projektes bei der Handwerkskammer ein Studentencoach. DasProjektwirddurchJobstar- ter plus, einem Förderpro- gramm des Bundesministe- riums für Bildung und For- schung, finanziell unterstützt. Infos zum Projekt „Vom Hörsaal zum Handwerk“: Tel. 0261/398 339, jens. fiedermann@hwk-koblenz.de Die Handwerkskammer Koblenz bietet Existenz- gründern einen umfas- senden, individuellen Bera- tungsservice auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Gemeinsam entwickelt wer- den praxisnahe Lösungen bei allen betriebswirtschaft- lichen und technologischen Themen. Dieser kostenfreie Service steht allen Existenz- gründern im Handwerk zu. Infos bei der HwK Koblenz: E-Mail beratung@hwk-koblenz.de Existenzberatung HwK berät kostenlos Info-Tel. 0261/ 398-242 habt hat“. Außerdem ist er „sehr heimatverbunden“undkannsich den „Arbeitsplatz aussuchen“. „Ich kann jungen Leuten nach dem Abitur nur empfehlen, sich im Handwerk umzusehen. Die Erfolgsaussichten bei der Jobsuche sind oft vielverspre- chender als für Uniabsolventen. Aber am wichtigsten ist, wenn man später sagen kann, meine Entscheidung war richtig!“ Als Jugendwart bei der Feuer- wehr in Senheim wird er sich auch für Nachwuchs in seinem Berufsstand engagieren. Ahnen Bau, Senheim Gegr. 2017 | 2 Mitarbeiter | Rohbau, Maurerarbeiten, Beton- und Stahlbe- tonbau, Pflasterarbeiten, Außenanlagen | www.ahnen-bau.de Christian Ahnen stolz vor seinem Logo „Ahnen Bau“. Anspruchsvoll und fehlerfrei umgesetzt: Maurerarbei- ten des praktischen Teils der Meisterprüfung. Blick in die Lehrlingsrolle 2016 waren 2.358 neue Lehrlinge in der Lehr- lingsrolle der Handwerks- kammer (HwK) Koblenz registriert. 237 haben Abitur. Unter den 2.548 jungen Leuten, die sich 2017 für eine Handwerkslehre entschieden haben, sind 278 Abiturienten. Vier von ihnen möchten Maurer werden. Das Anfangsgehalt in der Bau- branche ist gut, wie auch die Aufstiegschancen“, betont Rainer Angsten, Obermeister und Mitglied im Meisterprü- fungsausschuss der HwK Koblenz für das Maurer- und Betonbauerhandwerk. Die Handwerkskammer Koblenz bittet alle Hand- werkssenioren, die 1947, 1952, 1957 und 1967 ihre Meisterprüfung bei der HwK Koblenz abgelegt haben, sich zu melden. Sie werden am 10. und 11. Oktober mit dem Goldenen, Diamantenen, Eisernen und Platin-Meisterbrief geehrt. Dahinter stehen 50, 60, 65 und 70 Jahre Meisterschaft. Infos bei der HwK Koblenz: E-Mail meister@hwk-koblenz.de Altmeisterfeier am 10. und 11. Oktober Info-Tel. 0261/ 398-311
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