Handwerk Special 66 vom 27.01.1999


Handwerk aktuell

Kompetenz darf nicht in Frage gestellt werden

Neujahrsempfang: HwK-Präsident Scherhag kritisiert Bundesregierung

HwK-Prsident
Mehr als tausend Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Medien konnte HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag (MdB) begrüßen; darunter auch Kreishandwerksmeister Peter Gieraths, KHS Ahrweiler (2.v.r.).

„Mit Zuversicht, aber nicht ohne Sorgen", blickte HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag, während des Neujahrsempfangs der HwK Koblenz auf die wirtschaftliche Situation 1999.

Erfreulicherweise, so Scherhag vor mehr als 1000 Gästen, verbesserte das Handwerk im nördlichen Rheinland-Pfalz seine wirtschaftliche Lage in den vergangenen zwei Jahren. „Ein Fundament für einen dauerhaften, selbsttragenden Aufschwung im Handwerk ist jedoch nicht zu erkennen", betonte der Bundestagsabgeordnete und ergänzte: Für die rund 17.200 Handwerksbetriebe im HwK-Bezirk mit ihren 170.000 Beschäftigten gehe es darum, den in den Vorjahren begonnenen Aufschwung fortzusetzen.

Kritisch äußerte sich der HwK-Präsident zur Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, von der „unklare und widersprüchliche Signale an den Mittelstand ausgehen", und ergänzte: „Die Investitionsbereitschaft stagniert auf niedrigem Niveau. Daran hat die Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen einen wesentlichen Anteil."

Wie der Festredner, Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage - ein gelernter Bäckermeister - begrüßte auch Scherhag die Erklärung der Bonner Koalition, den Meisterbrief als Voraussetzung für die Selbständigkeit im Handwerk aufrechtzuerhalten. Der Präsident lehnte Überlegungen ab, den Meisterbrief auch nach der Existenzgründung berufsbegleitend erwerben zu können. Dann werde der jetzt mögliche Ausnahmefall zur Regel gemacht.

Scherhag wörtlich: „Dies führt nicht zu mehr, sondern mittel- und langfristig zu weniger Existenzgründungen und Arbeitsplätzen. Denn wer die in Vorbereitung und Ablegung anspruchsvolle Meisterprüfung auch nach der Gründung eines eigenen Betriebes ermöglichen will, der senkt den Leistungsstandard des Handwerks und damit auch seine Wettbewerbsfähigkeit."

Scherhag warnte vor einem Staat, der sich als „Bedrohungsschutzanstalt" für das Handwerk definiert und Selbständigkeit und Entscheidungskompetenz dieses Wirtschaftszweiges in Frage stellt.