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Nachgefragt „Sie schreiben Wirtschaftsgeschichte!"

Nach der Novellierung der Handwerksordnung 2004 und der damit verbundenen Abschaffung der Meis-terpflicht in 53 Berufen als Voraussetzung für die selbstständige Führung eines Betriebes, beantwortet die junge Meistergeneration die Frage nach der Bedeutung des „Großen Befähigungsnachweises" mit der Zahl von 1.146 neuen Handwerksmeistern selbst: Der Meisterbrief bleibt das Aushängeschild des Handwerks. Im Interview erläutert HwK-Präsident Werner Wittlich die Hintergründe und gratuliert den Jungmeistern.

Herr Wittlich, 1.146 Handwerksmeister können nicht irren, der Meisterbrief zählt also etwas …

Die Zahl ist beeindruckend und steht stellvertretend für die Bedeutung des Meisterbriefes. Ja, er zählt etwas. Denn auch der Meisterbrief muss sich einer marktwirtschaftlichen Hinterfragung stellen. In ihn investieren die Teilnehmer der Meisterprüfung Zeit und Geld und natürlich erwarten die Handwerker eine Gegenleistung. Diese spiegelt sich in fachlicher Kompetenz wider, die vermittelt wird. Wir machen die Meister fit, Unternehmen zu leiten, auszubilden, Mitarbeiter zu führen. Damit kommt dem Meisterbrief auch eine wichtige Rolle zu an der Schnittstelle zwischen Qualifikation und Beitrag für die Wirtschaft, für Beschäftigung und Ausbildung. Das Handwerk als Motor der Wirtschaft bezieht einen großen Teil seiner Leistungsfähigkeit aus den Inhalten der Meisterqualifikation und deren Anwendung.

Welche Pläne verfolgen die JungmeisterInnen nach bestandener Prüfung konkret?

Wir haben sie befragt: Wie sieht Ihre weitere Lebensplanung mit dem Meisterbrief aus? Fast die Hälfte gibt an, sich selbstständig machen zu wollen! Ein Wert, der konstant ist im Vergleich zu den Vorjahren und deutlich macht, dass internationale Währungs- und Wirtschaftskrisen durch das Handwerk im regionalen Markt ausgeglichen werden. Das Handwerk nimmt seine Verantwortung wahr – ob nun ein 60-jähriger Handwerksmeister in seinem Unternehmen oder die jüngste Meistergeneration, die an der Startlinie steht und auch Wirtschaftsgeschichte schreiben wird. Rund zehn Prozent führen bereits ein Unternehmen, ein weiteres Drittel aller Jungmeister will sich demnächst selbstständig machen. Diese Unternehmen beschäftigen durchschnittlich drei Mitarbeiter und bilden einen Lehrling aus.

Sicherlich gab es schon bessere gesamtwirtschaftliche Startbedingungen für Existenzgründer, als die jetzigen. Was empfiehlt die Handwerkskammer? Augen zu und durch? Oder abwarten?

Weder noch. Zum einen muss die individuelle Situation des Existenzgründers betrachtet werden. Hierfür bietet die Handwerkskammer das Know-how der Betriebsberatung, hier speziell für Existenzgründungen. Eine Unternehmensgründung muss immer gut vorbereitet sein – egal wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind. Zum anderen ist das Handwerk dafür bekannt, anzupacken. Wir warten nicht auf ein günstiges Umfeld – wir gestalten es. Wer sollte beispielsweise einem Jugendlichen erklären, dass keine Lehrstellen – und damit keine berufliche Zukunft – da sind, weil wir eine Finanzkrise haben? Ein Blick in die HwK-Lehrstellenbörse bietet Klarheit: Unsere Handwerksbetriebe bieten aktuell über 300 Lehrstellen an. Wir agieren also und warten nicht, dass wir reagieren müssen. Dafür spricht auch die hohe Zahl der Meisterprüfungen bei der Handwerkskammer Koblenz.

Sie selbst sind auch Handwerksmeister. Welche Rolle spielte in Ihrem Werdegang der Meisterbrief?

Er vermittelt wichtige Grundwerte, die nicht nur im Handwerk eine Rolle spielen. Das Handwerk ist eine Gemeinschaft – über viele Berufe hinweg. Handwerksmeister formen diese Gemeinschaft – ob nun im Betrieb oder in den vielen ehrenamtlichen Gremien des Handwerks. Als Handwerksmeister konnte ich mich über Jahrzehnte in der Politik engagieren. Hier war oft genug der Rat eines Praktikers gefragt – ob nun kommunal oder im Deutschen Bundestag. Mein Rat an die JungmeisterInnen 2010 kann also nur lauten, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich ebenfalls als Meister ihres Faches im Sinne des Handwerks zu engagieren. Sie werden gebraucht, Ihre Erfahrung, Ihr Rat sind unverzichtbar für unsere Gesellschaft! Nutzen Sie diese Chance.

Aktuelle Berichte und Fotos von der Meisterfeier im Internet: www.hwk-koblenz.de/mfeier

Handwerk Special 137 vom 06. März 2010, Seite 3

 
 

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